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| 01:31 Uhr

Verwandlungen eines armen Gutsdorfes

Mit zahreichen Details, Fotos und Begebenheiten aus der Ortsgeschichte zeichnete Lothar Treder-Schmidt ein anschauliches Bild von Caule. Foto: Birgit Keilbach / bkh1
Mit zahreichen Details, Fotos und Begebenheiten aus der Ortsgeschichte zeichnete Lothar Treder-Schmidt ein anschauliches Bild von Caule. Foto: Birgit Keilbach / bkh1 FOTO: Birgit Keilbach / bkh1
Zieckau.. Caule zählt zu den kleinsten Dörfern in der Niederlausitz. Heute gehört es zum Luckauer Ortsteil Zieckau. Aufschlussreiche Einblicke in die Ortsgeschichte hat Lothar Treder-Schmidt den Mitgliedern des Luckauer Heimatvereins geboten. Von Birgit Keilbach

Erstmals Erwähnung fand Caule am 11. März 1457 als “Cawl„. In dem erhalten gebliebenen Schriftstück ist erwähnt, dass Markgraf Friedrich II. von Brandenburg einem Hans Bickler die Verpfändung bäuerlicher Renten (gemeint ist damit Landbesitz) aus eben diesem “Cawl„ an drei Bürger in Luckau genehmigte. Auch in den folgenden Jahrhunderten seien es meist Pleiten gewesen, die das Dorf in die Akten gebracht hätten, häufige Besitzerwechsel des Gutes deuteten darauf hin, dass es den jeweiligen Gutsherren schwer fiel, die Ländereien einträglich zu bewirtschaften.

“Caule war eine klassische Kuhbläke, ein Dorf, aus dem man lieber wegzog„, beschreibt Lothar Treder-Schmidt die Situation Anfang der 1990er Jahre. Als sich der aus Luckau Stammende entschloss, in das halb verfallene Dorf zu ziehen, habe er sich oftmals fragen lassen müssen, ob denn da überhaupt noch jemand wohne. Vier Häuser oder Haushälften hätten leer gestanden. Die Bausubstanz aller Gebäude sei stark in Mitleidenschaft gezogen gewesen. Die Dorfstraße war noch immer ein lehmiger Sandweg, staubig bei Trockenheit, voller Pfützen stehend bei Regenwetter. “Doch Caule erlebte eine Mauser und hat sich herausgeputzt„, so Treder-Schmidt.

Ruhe in der Abgelegenheit

Mit seiner Abgelegenheit und der damit verbundenen Ruhe habe das Dörflein Interesse bei einem weiteren Einheimischen und mehreren Berlinern gefunden, die nach und nach die alten Häuser kauften und restaurierten. Heute wohnen rund 20 Menschen im Dorf. Neun Häuser sind liebevoll restauriert und zwei davon als Baudenkmale eingetragen. Die Dorfstraße ist mit Granitpflaster befestigt und das Trinkwasser kommt inzwischen aus dem Wasserwerk Zieckau.

Buch zur Ortsgeschichte

Anlässlich der 550-jährigen Wiederkehr der Ersterwähnung beschäftigte sich Lothar-Treder Schmidt mit der Geschichte des Dorfes. Verknüpft mit den historischen Ereignissen in der Niederlausitz und den in umliegenden Dörfern erforschten Daten hat er zur Ortsgeschichte ein 200 Seiten umfassendes Buch herausgebracht. Interresante Details brachte er den Heimatfreunden in Luckau während des einstündigen Vortrages nahe. So unter anderem, dass es in dem von vielen Hungersnöten, mehreren Heimsuchungen durch Kriegsherden, von Heuschreckenplage und Pest gezeichneten Dorf eine Guts herrschaft gab, die sich knapp 200 Jahre lang behaupten konnte. Von 1632 bis 1824 gehörte das Gutsdorf der Familie von Exß. Diese hatte das Gutshaus bauen lassen und errichtete später auch Tagelöhnerhäuser, “mit denen die Gutsherren damals die Tagelöhner anlockten. Es muss damals schon schwer gewesen sein, Landarbeiter für das Gut zu bekommen„, vermutet Treder-Schmidt. Bauern mit eigener Wirtschaft habe es in Caule nie gegeben, aufgeführt seien nur 1655 zwei Kossäten (Bauern mit eigenem Haus und Gartenland), später seien nur noch Häusler und Tagelöhner in der Statistik der Einwohner zu finden.

Jahrelanger Rechtsstreit

Am wertvollsten sei Caule um 1884 gewesen, als die neuen Calauer Herren, die Familie von Thermo mit Sitz in Bornsdorf, die Bewohner aus der Gießmannsdorfer Kirche aus- und in der Zieckauer eingepfarrt haben wollte. Auf fast 3000 Mark hatten die Gießmannsdorfer den Schaden angesetzt, der ihnen mit dem Wegfall der regelmäßigen Zahlungen der Cauler Patronatsherren entstünde. Der Pfarrer samt Gemeindekirchenrat habe einen jahrelangen Rechtsstreit geführt, der bis zur Revisionsklage vor dem Reichsgericht in Leipzig führte, erläuterte Lothar-Treder Schmidt. Erst als dieses den Gießmannsdorfern keine Erfolgsaussichten beschied, hätten diese 1887 ihre Bestrebungen nach Schadenersatz eingestellt, fügte er an. bkh1