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Achtung Wild
Auf den Straßen wird es wilder

An einigen Stellen warnen Verkehrsschilder vor Wildwechsel. Doch Autofahrer sollten jetzt im Herbst überall besonders vorsichtig fahren.
An einigen Stellen warnen Verkehrsschilder vor Wildwechsel. Doch Autofahrer sollten jetzt im Herbst überall besonders vorsichtig fahren. FOTO: Patrick Pleul / dpa
Luckau. Die Gefahr von Wildunfällen steigt. Im Raum Luckau sind Tiere besonders häufig unterwegs. Von Anja Brautschek

Jetzt im Herbst sind wieder verstärkt Rehe, Wildschweine und andere Waldbewohner an den Straßen anzutreffen. Besonders in der Morgen- und Abenddämmerung sind die Tiere unterwegs, um ihre Futterplätze zu erreichen. Ines Filohn, Pressesprecherin der Polizeidirektion Süd, rät daher gerade jetzt zu besonderer Vorsicht.

Denn der Raum Luckau sei im Landkreis Dahme-Spreewald Spitzenreiter bei den Wildunfällen. Allein in Luckau gab es im vergangenen Jahr 126 Wildunfälle. 2015 waren es sogar 153. Ähnliche Zahlen werden auch für dieses Jahr erwartet. „Dort überquert besonders viel Wild die Straßen. Das liegt an der landwirtschaftlichen Prägung der Region“, erklärt Ines Filohn. Jetzt, wo die Felder abgeerntet sind, sind häufig Wildschweine oder Rehwild auf den Flächen zu sehen. Sie fressen übrig gebliebene Kartoffeln, Mais oder Getreide. Hinzu kommt, dass sich die Tiere jetzt im Herbst zu einer größeren Gruppe zusammenschließen, so die Polizeisprecherin. Damit müssen auch Autofahrer nun rechnen.

Wenn ein Reh, Wildschwein oder Hirsch die Straße überquert, sollten Autofahrer demnach abbremsen, besonders achtsam sein und langsam vorbeifahren. Auch abblenden ist sinnvoll. Denn es können noch weitere Tiere folgen. „Gerade in der Dunkelheit sollten Autofahrer eine angemessene Geschwindigkeit wählen. Und das ist nicht unbedingt die erlaubte Höchstgeschwindigkeit“, sagt Ines Filohn. Denn durch feuchtes Laub oder Bodenfrost verlängert sich der Bremsweg. Ein Aufprall kann schon bei geringer Geschwindigkeit zu enormen Schäden führen. Wenn ein 17 Kilogramm schwerer Rehbock bei 50 km/h auf ein Auto trifft, entspricht das einer Aufschlagskraft von 425 Kilogramm. Bei 70 Stundenkilometern sind es schon 850 Kilogramm. Kollidiert ein Auto mit einem 80 Kilogramm schweren Keiler bei 70 km/h, erreicht die Aufschlagskraft sogar 4000 Kilogramm, rechnet Ines Filohn vor.

Darum rät auch Frank Kuhnert von der Kreisverkehrswacht jetzt in der dunklen Jahreszeit zum besonders vorausschauenden Fahren. „Lieber etwas eher losfahren und dafür langsamer und aufmerksamer als sonst unterwegs sein“, appelliert er an alle Autofahrer. Zwar sind die Tiere besonders oft in der Dämmerungszeit unterwegs, da sie dann die Äsungsplätze zum Fressen aufsuchen. Allerdings sollte zu jeder Tageszeit mit Wildwechsel gerechnet werden. „Tiere kennen keine Verkehrsschilder und können überall und jederzeit die Straßen überqueren“, gibt er zu bedenken. So wurde beispielsweise in Lübben vor einigen Jahren bereits einige Meter im Ort ein Reh gesichtet.

Im Raum Luckau wird Wild besonders häufig auf der B 96 in Richtung Goßmar, in Richtung Falkenberg sowie zwischen Luckau und Langengrassau gesichtet, berichtet Wolfram Schwarzer vom Kreisjagdverband Luckau. Nicht nur Autofahrer, auch Wanderer und Spaziergänger könnten aus seiner Sicht dabei helfen, dass weniger Wild auf den Landstraßen unterwegs ist. Wer in den Wald geht, sollte auf gekennzeichneten Wegen bleiben. „Daran sind die Tiere gewöhnt. Doch wenn jemand querfeldein läuft, ist da so, als käme ich durch ein fremdes Wohnzimmer“, erklärt er. Die Tiere fühlen sich in ihrem Revier bedroht und laufen davon, auf der Suche nach einem neuem Einstand, eine Art Ruhezone. Auch Traktoren oder Jäger können die Wildtiere aufschrecken. Aus diesem Grund ist besonders vom Spätsommer bis Winter mit viel Wildwechsel zu rechnen.

Lässt sich ein Aufprall nicht mehr verhindern, sollte der Autofahrer das Lenkrad festhalten und die Spur halten. „Nicht dem Tier hinterher schauen, sonst lenkt man unbewusst in diese Richtung“, erklärt Frank Kuhnert. Nicht selten können durch Ausweichmanöver schlimmere Konsequenzen, wie eine Kollision mit einem Baum oder dem Gegenverkehr, entstehen. Bei einem Wildunfall gilt wie bei allen Unfällen: Die Stelle absichern und die Polizei verständigen. Die Polizeibeamten benachrichtigen dann den zuständigen Jäger, damit tote Tiere fachmännisch entsorgt werden. „Das Wild auf keinen Fall mitnehmen. Das ist eine Straftat“, sagt Ines Filohn.