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| 16:18 Uhr

Besonderer Gottesdienst in Golßen
Zwei Auserwählte, zwei Bestseller und eine Prophezeiung

 Alina Erdem und Ulrike Garve (v.l.) ließen Bibelworte, Zitate und Filmszenen sprechen, um Parallelen zwischen Jesus und Harry Potter aufzuzeigen.
Alina Erdem und Ulrike Garve (v.l.) ließen Bibelworte, Zitate und Filmszenen sprechen, um Parallelen zwischen Jesus und Harry Potter aufzuzeigen. FOTO: Birgit Keilbach
Golßen. Außergewöhnlicher Gottesdienst in Golßen zeigt interessante Parallelen zwischen der Bibel und der Harry-Potter-Saga auf. Von Birgit Keilbach

Aufschlussreiche Einblicke ermöglichte ein etwas anderer Gottesdienst am Freitagabend in der Golßener Stadtkirche. Er rückte  Harry Potter und Jesus von Nazareth in den Blickpunkt und zeigte Parallelen zwischen der Zauberer-Saga und der Bibel auf.

Die Pfarrerinnen Alina Erdem (Golßen) und Ulrike Garve (Lübbenau) brachten dies mit Zitaten und Filmausschnitten auf den Punkt. Kantor Focko Hinken schuf mit der Filmmusik die passende Atmosphäre für die mehr als 50 Zuhörer aus der Region in den Kirchenbänken, unter ihnen rund 20 Kinder.

Die Prophezeiung

Beide Geschichten beruhen auf der Prophezeiung, dass ihre Helden die Auserwählten sind, Jesus als der Messias und Harry Potter als derjenige, der den dunklen Lord besiegen wird. „Eine Prophezeiung ist ein Hervorsage, sie bringt etwas ans Licht, was schon da ist“, erläuterte Alina Erdem. Sichtbar werde dies jedoch erst, wenn die Auserwählten ihr Schicksal auch annehmen. Damit hätten beide zunächst gehadert, sich dann jedoch dafür entschieden, ihre Prophezeiung zu erfüllen. „Es sind unsere Entscheidungen, die unser Leben gestalten“, sagt Professor  Dumbledore in einem der Filmausschnitte.

Eine weitere Parallele bilde die Liebe. „Für Jesus war sie die stärkste und wichtigste Kraft, die es gibt“, sagte Ulrike Garve. Die sich selbst aufopfernde Liebe seiner Mutter habe Harry Potter das Leben gerettet.

Auch die innige Freundschaft mit Hermine und Ron, in der sich alle drei für den jeweils anderen aufopfern, folge dem Gesetz Christi: „Einer trage des anderen Last.“ Das bedeute für jeden Einzelnen nichts anderes, als für jene Menschen da zu sein, die einem wichtig sind.

Man muss darum bitten

Andererseits könne jeder auch auf die Hilfe anderer Menschen zählen, er müsse nur darum bitten. Und dabei stets im Blick behalten, anderen so zu begegnen, wie man selbst behandelt werden möchte. Als Beispiel aus dem Film spielen die Pfarrerinnen eine Szene ein, in der Harry Potter den Hauself Dobby nicht als Untergebenen, sondern auf Augenhöhe behandelt.

„Es ist schon interessant, wie sich die Geschichten von Harry Potter und Jesus ähneln“, sagte Alina Krause. „Es gibt viele Potter-Fans, und so kann man auch Leute bewegen, die Kirche zu besuchen, die sonst eher nicht hineingehen“, ergänzte die 13-jährige Lübbenerin. Ihre Freundin Leni Wenzel fand es interessant, wie die zwei Helden in Verbindung stehen. Faszinierend war für sie die Erkenntnis, „dass nicht die Fähigkeiten zeigen, was wir sind, sondern unsere Entscheidungen.“

13-Jährige beeindruckt

Die 13-jährige Miriam Wilke aus Sellendorf sagte: „Mir ist noch nie aufgefallen, dass sich Jesus und Harry Potter ziemlich ähnlich sind.“ Ihre Zwillingsschwester Katja fand den Gottesdienst „ziemlich ideenreich. Er hat Spaß gemacht und die Musik war richtig toll.“ Eine originelle Idee war der Gottesdienst auch für Annegret Leißner aus Mahlsdorf. Freundschaft, Kameradschaft und Füreinander da sein, diese in der Bibel vermittelten Werte, spielen auch in der Geschichte um Harry Potter eine große Rolle.

Pfarrerin Alina Erdem ist erst im vergangenen Jahr auf die Zauberer-Geschichte gestoßen. „Beim Lesen sind mir diese und viele weitere Parallelen zur Bibel sofort aufgefallen“, sagte sie. Mit ihrer Kollegin aus Lübbenau habe sie sich darüber ausgetauscht und gemeinsam den Gottesdienst entwickelt. „Viele Kinder und Jugendliche kennen zwar Harry Potter genau, aber die Bibel nicht so gut, um diese selbst zu entdecken.“

Der Gottesdienst zu diesem Thema ist am 9. August in Luckau und am 30. August in Lübbenau nochmals zu erleben; jeweils in der dortigen Nikolaikirche.