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| 02:49 Uhr

USA erhalten Post aus Zöllmersdorf

Karl-Heinz Ludwig aus Zöllmersdorf hat personalisierte Ansichtskarten entworfen, die bis nach Amerika versendet werden.
Karl-Heinz Ludwig aus Zöllmersdorf hat personalisierte Ansichtskarten entworfen, die bis nach Amerika versendet werden. FOTO: Rüdiger Hofmann
Luckau/Zöllmersdorf. Das gesamte Dorf nennt ihn liebevoll "Kulle". Karl-Heinz Ludwig ist Ortschronist, Koch und leidenschaftlicher Fotograf. Sehenswürdigkeiten sowie alte und neue Gesichter in Zöllmersdorf hat er zu einer Fotogalerie verarbeitet, die im Gemeindehaus aushängt. Aus den besten Motiven hat der 54-Jährige nun personalisierte Postkarten gefertigt. Sie werden sogar bis in die USA zugestellt. Rüdiger Hofmann

Seit Jahren fotografiert der gebürtige Zöllmersdorfer Karl-Heinz Ludwig Aktivitäten im Dorf und hat inzwischen hunderte Bilder zusammengetragen. Er möchte mit den Fotografien die Entwicklung des Ortes festhalten. So finden sich neben den alten Gebäuden auch gleich die aktuellen Häuser als Motive. "Ich habe schon zu DDR-Zeiten sehr gerne Fotos geschossen", denkt Ludwig zurück. Anfangs waren es noch Diaaufnahmen. "Sie waren billiger als Farbfotos", sagt Ludwig. Nach der Wende hat "Kulle" mit der rasanten technischen Entwicklung Schritt gehalten und sich regelmäßig einen aktuellen Fotoapparat zugelegt. Dabei ist er kein professioneller Fotograf, sondern arbeitet als Koch auf der Bowlingbahn in Görlsdorf. "Mein Beruf ist Koch, mein Hobby das Fotografieren", sagt der Zöllmersdorfer.

Durch die vielen Fotomotive ist "Kulle" im vorigen Jahr auf die Idee gekommen, neben der Bildergalerie auch personalisierte Ansichtskarten anzufertigen. Selbst gestaltet am heimischen PC mit Bildern von jedem Grundstück. Entstanden sind Postkarten aus Zöllmersdorf mit historischen und aktuellen Schnappschüssen zu verschiedenen Jahreszeiten, wie es sie wohl in keinem Zeitungsladen gibt. Zumindest nicht aus einem 100-Seelen-Dorf. Die Zöllmersdorfer können somit Ansichtskarten mit dem eigenen Haus, der Dorfkirche oder einer gesamten Ortsansicht verschicken. "Die weiteste Karte ging bisher nach Amerika", sagt Karl-Heinz Ludwig. Eine Tochter aus dem Ort lebt inzwischen in den USA, ihre Eltern sind in Zöllmersdorf geblieben. Sie haben eine von "Kulle" gefertigte Postkarte mit Aufnahmen des Elternhauses über den großen Teich in die USA gesendet. "Meine Ansichtskarten sind für Bekannte und Verwandte auf privater Basis gedacht", erläutert Ludwig. Innerhalb Deutschlands gingen Karten bereits nach Berlin und Bonn.

Doch "Kulle" ist nicht nur Fotograf, sondern hat in den letzten Jahren auch die Geschichten der "Alten" aufgeschrieben und eine Dorfchronik unter dem Titel "650 Jahre Zöllmersdorf 1363 bis 2013" erstellt. "Allein für die Gestaltung habe ich mindestens ein halbes Jahr gesessen", sagt Ludwig. Die Herkunft und Bedeutung des Ortsnamens Zöllmersdorf hat er vom Namensforscher Prof. Jürgen Udolph recherchieren lassen. "Zöllmersdorf stammt aus dem Slawischen und bedeutet Frieden und Ruhe", erläutert Ludwig. Erstmals wurde der Ort im Februar 1363 urkundlich erwähnt. 1854 ist das Dorf nahezu vollständig abgebrannt. Lediglich die Kirche ist verschont geblieben, berichtet "Kulle" aus der Chronik. Der 54-Jährige informiert auch über neue Ereignisse. Dieses Jahr im Frühjahr hat sich die Edelmond Chocolatiers GmbH in Zöllmersdorf angesiedelt. Die Manufaktur verarbeitet Bio-Kakaobohnen aus Ursprungsländern und veredelt sie zu Schokoladenprodukten.

Karl-Heinz Ludwig hält alles in Bild und Text fest, hat für seine Chronik Archive durchforstet, spricht mit den Einwohnern, trifft sich mit Nachfahren bereits verstorbener Dorfbewohner. "Ich bewundere seine Hartnäckigkeit", meint Ina Müller vom Ortsbeirat. "Kulle erhält Gedanken und Bilder aus der Vergangenheit für die Nachwelt, die sonst wohl verloren wären", so Müller. Und Ortsbeiratsmitglied Karla Goldmann ergänzt: "Er ist bei allen Dorfaktivitäten wie Frühjahrsputz, Zampern und der Feuerwehr dabei und regt die Gespräche im Dorf über Generationen hinweg an."

"Kulle" plant derzeit eine weitere Neuheit. Seine bisherige Chronik soll mit den Ausführungen "Von der Ur- und Vorgeschichte bis 1959" der ehemaligen Bewohnerin Erna Kohlschmidt ergänzt und um aktuelle Fotos und Ereignisse erweitert werden. "Ich nutze nun die Wintermonate, sitze vor allem abends und schreibe an dem Wälzer", sagt Karl-Heinz Ludwig. Es wird im wahrsten Sinne des Wortes ein Jahrhundertwerk.