| 02:42 Uhr

Urnenwand für Friedhöfe gewünscht

Eine Urnenwand auf dem Hartmannsdorfer Friedhof aufzustellen, das regt Annett Kaiser vom Kultur- und Sportverein des Lübbener Ortsteils an. Sie könnte auf der rechten (hier im Bild) oder der linken Seite des Friedhofs errichtet werden.
Eine Urnenwand auf dem Hartmannsdorfer Friedhof aufzustellen, das regt Annett Kaiser vom Kultur- und Sportverein des Lübbener Ortsteils an. Sie könnte auf der rechten (hier im Bild) oder der linken Seite des Friedhofs errichtet werden. FOTO: Ingvil Schirling
Lübben. Könnte es künftig auf dem Friedhof des Lübbener Ortsteils Hartmannsdorf eine Urnenwand geben? Mit dieser Anregung ist die Hartmannsdorferin Annett Kaiser an die Lübbener Stadtverordneten herangetreten. Seit 2015 ist sie Vorsitzende des Kultur- und Sportvereins 1998. Ingvil Schirling / is

"Die Friedhofs-Kultur ändert sich", machte sie auf eine allgemeine Entwicklung aufmerksam. Wer keine Angehörigen habe, die in der Nähe wohnen und das Grab regelmäßig pflegen könnten, und aus diesem oder anderen Gründen die Entscheidung fällt, die letzte Ruhe in einer Urnenwand zu finden, der müsste demnach auf den Lübbener Hauptfriedhof ausweichen. "Wir wollen die Möglichkeit bieten, dass auch diese verstorbenen Menschen im Ort bestattet werden können." Der Hartmannsdorfer Kultur- und Sportverein hat sich auch zur Umsetzung schon Gedanken gemacht. "Wir haben bei einem einheimischen Steinmetzbetrieb angefragt und einen Kostenvoranschlag für eine erweiterbare Wand machen lassen. Das wäre doch eine gute Ergänzung", warb sie für die Idee. Konkret würde die Urnenwand 24 Plätze umfassen und gut 10 000 Euro kosten.

Für Frank Neumann als stellvertretendem Bürgermeister ist die Idee nicht neu. "Urnenwände werden seit geraumer Zeit auf den Ortsteil-Friedhöfen gewünscht", sagte er auf die Anfrage der Hartmannsdorferin. "Wir wollen sie bei Interesse für jeden Ortsteil einrichten." Ihm zufolge sollen die finanziellen Aufwendungen für 2018 in den Lübbener Stadthaushalt mit eingestellt werden.

Auf LR-Nachfrage erklärte Pressesprecherin Dörthe Ziemer den aktuellen Stand noch etwas ausführlicher. "Grundsätzlich gibt es in den Friedhöfen aller Ortsteile die Möglichkeit der Urnenbestattung in Urnenfamiliengräbern mit zwei bis vier Urnen pro Grabstelle", informiert sie. "Wer sich in einer Urnenwand oder anonym in der Urne bestatten lassen will, musste bisher auf den Hauptfriedhof ausweichen", bestätigt sie Annett Kaisers Aussage. Die Hartmannsdorferin wiederum kommt als Trauerrednerin mit dem Thema häufig in Berührung und weiß, dass die Nachfrage auch auf dem Lübbener Hauptfriedhof steigt und die Wartezeiten entsprechend wachsen.

"Das Argument der Verwaltung war bisher, dass die Zahl der gewünschten Urnenbestattungen in den Ortsteilen so gering ist, dass der Aufwand nicht gerechtfertigt wäre", so Dörthe Ziemer weiter. 2016 habe es in allen Ortsteilen 19 Bestattungen gegeben, davon sieben in Urnen - in manchen also nur eine oder gar keine. "Es wäre auch gestalterisch schwierig, eine Stele mit beispielsweise vier Fächern aufzustellen, wenn pro Jahr nur eine Urne hinzukommt und die anderen Fächer länger leer bleiben." Deshalb, so Annett Kaiser, werde in Hartmannsdorf eine erweiterbare Urnenwand und keine Stele gewünscht. Die geringe Nachfrage erklärt sie auch damit, dass es diese Möglichkeit bisher nicht gibt.

Den Bedarf sieht indessen auch die Stadtverwaltung. Daher hatte Bürgermeister Lars Kolan (SPD) schon in der vergangenen Haushaltsdiskussion vorgeschlagen, die Kosten für den Bau von Stelen oder Urnenwänden jeweils mit zu berücksichtigen und sie nach und nach in den Ortsteilen zu errichten. Nun soll es Frank Neumann zufolge in die künftige Haushaltsdiskussion wieder einfließen.

Das Finanzpapier für 2018 wird letztlich von den Stadtverordneten beschlossen. Welcher Ortsteil wann eine Urnenwand bekäme, ist noch nicht bekannt.

Zum Thema:
Das Thema Friedhöfe bewegte in der jüngsten Versammlung noch in einem anderen Aspekt. Bezugnehmend auf die Anfrage von Annett Kaiser wollte Marco Sell (CDU/Grüne) wissen: "Wie sieht es mit dem Lübbener Hauptfriedhof aus - gibt es ein Friedhofsentwicklungskonzept? Wenn ja, bezieht das die Ortsteile ein?" Der Friedhof werde vom Baubetriebshof bewirtschaftet, sage Frank Neumann. Es gebe ein Belegungskonzept, aber keine eigentliche Friedhofskonzeption. Es sei der Wunsch der früheren Stadtplanerin Brunhilde Hamann gewesen, ergänzt Dörthe Ziemer, doch daran werde aus personellen Gründen derzeit nicht gearbeitet. (is)