Die Luckauer sind am Samstagvormittag überrascht worden. Am Marktplatz flatterten Polizeibänder. Viele Luckauer sind da gerade unterwegs, wollen zum Bäcker oder zum Einkaufen.

Um kurz vor 10 Uhr hat die Polizei die Straße vor dem Rathaus abgesperrt. Eines der verdächtigen Päckchen liegt vor dem Rathaus, direkt unter dem Briefkasten. Ein weiteres vor der Post, dort auf einem Briefkasten. Beide ähneln sich: In Plastiktüten, ähnlich wie Gefrierbeutel, ist ein braunes, grobkörniges Pulver.

Die Feuerwehr rückt an. Der Verkehr wird umgeleitet, weg vom Rathaus, weg vom Marktplatz, weg von der Post. Sicherheit geht vor. Inzwischen sind auch Wehren aus umliegenden Orten, aus Lübben und aus Königs Wusterhausen angerückt.

Einige Polizisten und Feuerwehrmänner gehen von Haus zu Haus, klingen und fordern die Bewohner auf, sich in Sicherheit zu bringen. Mehrere Häusern werden evakuiert. „35 Menschen haben ihre Wohnungen verlassen müssen“, sagt Polizeisprecher Thorsten Wendt. Das Ordnungsamt spricht von 50 Personen. In der Grundschul-Turnhalle ist eine Sammelstelle eingerichtet worden. „Die Sicherheit der Anwohner hat oberste Priorität. Es darf und soll niemandem etwas passieren“, sagt Thorsten Wendt. Eine gehbehinderte Dame wird für den Nachmittag in eine Notunterkunft gebracht. Die meisten Anwohner ziehen es aber vor, bei Verwandten oder Freunden unterzukommen.

Die Polizei setzt Suchhunde ein. Aber die zwei Hunde schlagen nicht an, sie haben offenbar keinen Sprengstoff gewittert. Am Nachmittag kommt ein Fahrzeug mit Anhänger vom Landeskriminalamt (LKA) mit Experten der Abteilung „Entschärfung unkonventioneller Spreng- und Brandvorrichtungen (USBV)“ auf den Marktplatz. Die Experten sichern die Beutel mit dem ominösen Inhalt, verladen sie und transportieren sie schließlich nach Eberswalde ab, um sie dort zu untersuchen.

Gegen 16.45 ist der Spuk vorbei. Die Polizei hebt die Sperrung in der Innenstadt auf. Gastronom Khalid Hussain ist erleichtert. „Der Einsatz war in Ordnung“, sagt er. Er arbeitet in der Pizzeria Sonne, die direkt am Marktplatz und somit in der Sperrzone liegt. Kurz vor 11 Uhr hatte seine Frau angefangen zu arbeiten, von da an kam immer mehr Polizei. „Wir durften das Restaurant nicht verlassen, waren aber laufend informiert“, berichtet Khalid Hussain. Die Einsatzkräfte kehrten im Tagesverlauf immer wieder bei ihm ein, weil der Gastwirt selbstverständlich seine Sanitäranlagen zur Verfügung stellte.

Gerald Lehmann ist Bürgermeister von Luckau und Feuerwehrmann. „Ich bin wie alle anderen Feuerwehrleute ganz normal alarmiert worden“, sagt er. „Mir war es wichtig, dass die Evakuierung gelingt.“  Mit Blick auf seine Kameraden sagt er: „Knapp 120 ehrenamtliche Feuerwehrleute waren im Einsatz. Ich sage von Herzen danke, dass wir so viele Ehrenamtliche haben“.

Bildergalerie Verdächtige Päckchen in Luckau gefunden