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| 18:15 Uhr

Tagung
Unter der Stadt Dahme liegen noch viele Geheimnisse

  Robert Grüttner (l.), ehrenamtlicher Boden- und Denkmalpfleger zeigte Lesefunde, die er im Raum Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming auf verschiedenen Begehungen steinzeitlicher Jagd- und Rastplätze aufgelesen hat.
Robert Grüttner (l.), ehrenamtlicher Boden- und Denkmalpfleger zeigte Lesefunde, die er im Raum Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming auf verschiedenen Begehungen steinzeitlicher Jagd- und Rastplätze aufgelesen hat. FOTO: Benjamin Wepprich
Dahme. Archäologentag präsentiert spannende Entdeckungen. Von Benjamin Wepprich

Archäologie ist die Wissenschaft von den sichtbaren Überresten alter Kulturen; Altertumsforschung und -wissenschaft, sagt der Duden. Daraus erschließt sich im ersten Augenblick jedoch nicht, dass man manch Anstrengung oder Wagnis eingehen muss, um spannende Funde sichtbar zu machen.

Ergebnisse und Geschichten über diese Entdeckungen wurden am Sonntag zum Archäologentag in Kemlitz präsentiert. In mehreren Vorträgen sprachen Profis über ihre Tätigkeiten der letzten Zeit. Für die Region besonders interessant der Vortrag von Anke Herrmann über Holz-, Stein- und Wasserstraßen sowie Stadtgräben in Dahme.

Die RUNDSCHAU berichtete bereits mehrfach über die Ausgrabungsfunde, die teilweise nach der Freilegung besonders starker Belastungen durch Hitze im Sommer 2018 ausgesetzt waren. Hier ergaben sich neue Erkenntnisse zur Entwicklung der Stadt Dahme. So zum Beispiel, wann die Stadtgräben angelegt wurden oder warum viele der Funde in Dahme erst jetzt entdeckt wurden. So wurde entdeckt, dass die Stadtmauer erst nach und nach entstanden ist, abhängig von Zuwendungen der Bürger.

Dass die vielen Funde erst so spät entdeckt wurden, lag an mehreren Faktoren, so der Kreisarchäologe der Unteren Denkmalschutzbehörde, Dr. Stefan Pratsch. Er sagte, dass man es sich eigentlich hätte denken können, dass noch so manche Entdeckung unter der Oberfläche in Dahme wartet. Früher gab es eine Dokumentation und Sammlung über die archäologischen Funde. Diese sind teilweise in den Wirren der Weltkriege verloren gegangen oder anderweitig abhanden gekommen. Pratsch lobte die Motivation der archäologischen Teams und berichtete über die Ausgrabungsfunde in Kemlitz, die bei Erdarbeiten für Gas und Strom zum Vorschein kamen und später gefördert wurden. Demnach war der älteste Fund eine Keramik aus dem 13. Jahrhundert. „Es konnten hier nur lineare Ausgrabung entlang der Versorgungsschächte vorgenommen werden. Man müsste noch weiter graben, um deutlichere Erkenntnisse zu bekommen“, sagte der Kreisärchäologe. „Die gesammelten Fundstücke befinden sich jetzt alle im Fundmagazin in Wünsdorf, und wenn es sich ergibt, dann werden diese auch ausgestellt“, ergänzte er.

Da es in Dahme damals eine fürstliche Sammlung von Fundstücken gab, und die Landesherren stolz waren auf ihre Geschichte, gibt es erneute Überlegungen, die noch vorhandenen Funde der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen. Das setzt aber eine professionelle Begleitung, pädagogische Konzepte und Vermarktung voraus, damit Besucher angelockt werden. „Das Potenzial ist da“, ist Pratsch sicher.

Eine weitere Präsentation befasste sich mit den Ausgrabungen slawischer Bestattungsplätze in Gehren. Archäologin Anja Grothe gab Einblicke in die Arbeit entlang der alten Opal- und sogleich neuen Eugal-Erdgaspipeline-Trasse. „Wir waren mit bis zu zwölf Personen an den Ausgrabungen beschäftigt“, erinnert sich Grothe. Schwierigkeiten der Ausgrabungen ergaben sich, weil die Ausgrabungsfelder teilweise genau auf der Trasse der Pipeline verliefen.

Die gemachten Ausgrabungsfunde sind der Bronzezeit und der jüngeren Bronzezeit der Lausitzer Kultur zuzuordnen. Grothe zeigte Fotos der Ausgrabungsstätten, Luftbildaufnahmen und Verteilungsskizzen der insgesamt 13 Gräber. Zu sehen waren Holzsarg­reste, gut und weniger gut erhaltene Skelette mit Münzbeigaben und Trachtenbestandteile die der Jahreszahl 1000 n. Ch. zuzuordnen sind. „Wir haben einen wahnsinnigen Erkenntniszuwachs durch die Ausgrabungen“ erläuterte Archäologin Grothe. Explizit sprach sie von den Münzfunden im Oberflächenbereich, welche von Fernbeziehungen bis in den arabischen Raum zeugen und für die weitreichenden Handelbeziehungen  stehen.