Dietmar Becker stammt aus christlichem Elternhaus. Bevor er 1972 seine erste Lehrerstelle in Uckro antrat, wurde er Mitglied der Ost-CDU. Ein Schachzug, wie er sagt, um als Jungpädagoge nicht in die SED gedrängt zu werden. "Politisch engagiert habe ich mich zu DDR-Zeiten nicht", erzählt Dietmar Becker. Er sei gerne Lehrer gewesen, habe Erfüllung in der Arbeit mit den Schülern gefunden. Als Mitte der 1980er-Jahre in Uckro die Stelle des stellvertretenden Schulleiters neu zu besetzen war, habe sein Chef zuerst an ihn gedacht. "Dann kam der Rückzieher, man wollte doch lieber einen Genossen", sagt Dietmar Becker.

An den Abend des Mauerfalls am 9. November 1989 kann er sich noch gut erinnern. Nach einer Versammlung an der Schule war er mit Eltern noch in die Gaststätte gegangen. "Dort war alles in heller Aufregung. Es hieß, die Mauer ist weg", so der Waltersdorfer. Was das bedeutet, sei ihm aber nicht klar gewesen.

Eine erste Ahnung bekam er, als ihn christdemokratische Freunde ermutigten, bei den ersten freien Wahlen im Mai 1990 für den Kreistag des Altkreises Luckau zu kandidieren. Dietmar Becker wurde nicht nur Abgeordneter, sondern auch erster Kreistagspräsident.

Im Rückblick ist er stolz auf entscheidende Weichen, die das neue Gremium stellte. Als Beispiele nennt Dietmar Becker die Rückkehr des Abiturs nach Luckau oder die Vergabe des vormaligen Kreiskrankenhauses an das Evangelische Diakonissenhaus Berlin-Teltow. "Wir waren 40 Abgeordnete und mussten alle Politik erstmal lernen. Entscheidungen waren sachbezogener als heute und nicht so von Parteiinteressen geprägt", vergleicht er.

War Dietmar Becker vor der Wende eine Karriere im Schuldienst verwehrt, so sollte er Anfang der 1990er-Jahre ins Bildungsministerium nach Potsdam berufen werden. "Das klang lukrativ", gibt er zu. Als er aber hörte, dass für das Luckauer Bohnstedt-Gymnasium ein neuer Schulleiter gesucht wird, bewarb er sich lieber auf diese Stelle. "Potsdam war weit weg von allem, was für mich meinen Beruf ausmacht", so Dietmar Becker.

Wie auf einem anderen Stern

Jede Möglichkeit habe er genutzt, das Bildungswesen in den alten Bundesländern kennenzulernen. Seine erste Reise führte ihn an eine Schule nach Koblenz. "Von der technischen Ausstattung her war das wie auf einem anderen Stern", sagt er. "Aber pädagogisch hatte ich das Empfinden, unsere Kollegen zu Hause sind engagierter, was Angebote für die Schüler am Nachmittag und die Zusammenarbeit mit den Eltern betraf. Sie machten vieles, ohne die Stunden dafür aufzurechnen." Als die Westkollegen wissen wollten, was ein Schulleiter im Osten verdiene, reichte Dietmar Becker seinen Gehaltszettel herum. Die Westler glaubten, es sei die Abrechnung für eine Woche. Auf dem Lohstreifen standen 1021 D-Mark.

Schulchef und Bauleiter

Während seiner Zeit am Bohnstedt-Gymnasium von 1994 bis zur Verabschiedung in den Ruhestand 2010 erlebte Dietmar Becker mit, wie die Luckauer Bildungseinrichtung zu neuer Blüte kam. "Ich war viele Jahre Schulleiter und Bauleiter zugleich, das hat Riesenspaß gemacht", sagt er. Das Hauptgebäude wurde saniert, die Einrichtung um Anbauten und eine neue Turnhalle erweitert, als letzter Abschnitt kam die frühere Berufsschule hinzu. Der 1993 nach der Kreisgebietsreform entstandene Landkreis Dahme-Spreewald habe klug gehandelt und seine Gymnasien erhalten. "Andrere Kreise haben Häuser geschlossen und zusammengelegt", sagt Dietmar Becker.

Für ihn sind die 25 Jahre seit der Wiedervereinigung die spannendsten in seinem Leben gewesen. In Ost und West denke er nicht mehr. "Wohl auch, weil ich Glück hatte." Er sei auf kollegiale Berater und neue Verwaltungsbedienstete aus dem Westen getroffen. "Mit einigen bin ich bis heute befreundet", erzählt der Waltersdorfer.