Von Birgit Keilbach

Einen spannenden Exkursionstag erleben die Drittklässler der Dahmer Grundschule am Dienstag rund um den Höllberghof. Niklas, Toni, Josephine, Carolina und fünf weitere Kinder sitzen in einer Senke am Waldrand. Hier krabbeln Käfer, Wanzen und Spinnen. Eine kleine Heuschrecke hüpft über Füße und Rucksäcke. Doch die Scheu davor verfliegt schnell. Wildnispädagoge Michael Hauptvogel hat interessante Entdeckungen für sie im Gepäck und bringt ihnen so manche Besonderheit der Natur nahe. Das Thema im Jubiläumsjahr des Projektes lautet „Naturphänomene“. Zuerst gibt er ihnen Tierrätsel auf. Nachdem sie den Hirsch erraten haben, holt er ein Geweih aus seinem Rucksack. Die Mädchen und Jungen erfahren, dass es ein Knochen ist, dürfen es anfassen, von allen Seiten betrachten und sollen beschreiben, wie es sich anfühlt. Nur vier Monate brauche ein Hirsch, um sein Geweih auszubilden. „Wie ihm das in so kurzer Zeit gelingt, ist ein Naturphänomen, das noch immer nicht ganz erforscht ist“, erläutert Michael Hauptvogel. Die Kinder streicheln über das Fell von Steinmarder und Dachs, fühlen die Krallen der Tiere und erkennen Unterschiede. „Warum kriegt der Specht keine Gehirnerschütterung beim Hämmern?“ Spannende Frage. Die Kinder erfahren, dass der Zimmermann des Waldes hinter dem Schnabel eine Muskulatur und eine besonders lange Zunge besitzt, die als Stoßdämpfer wirken.

Eine weitere Gruppe ist indes mit den Naturwacht-Rangern Ulf Bollack und Hans-Christian Funk zum Höllbergteich gewandert und keschert dort verschiedene Wasser­insekten aus dem Nass; Wasser­skorpion, Rückenschwimmer und Wasserläufer zum Beispiel. Beim Quiz zu den Arten des Jahres erfahren die Drittklässler Wissenswertes über Feldlerche, Flatterulme und Reh.

Biologin Carolin Schild entführt die Mädchen und Jungen auf dem Höllberghof in die Welt der Fledermäuse, ihr nächtliches Jagen und klärt die Frage, warum die fliegenden Säuger beim Schlafen verkehrt herum hängen.

Seit zehn Jahren engagieren sich die Energieversorger enviaM und Mitgas für dieses Umweltbildungsprojekt und ermöglichen kostenfreie Exkursionstage für Schulklassen in der Natur. „Bis zum 6. September finden sie in diesem Jahr statt. Projektpartner sind 13 Naturhöfe in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt“, erläutert Susanne Weiß, die für Bildungsprojekte bei enviaM zuständig ist. Partner in Brandenburg seien der Verein  Lausitzer Wege und der Höllberghof. Im Freilichtmuseum werden in den nächsten Wochen 16 Klassen mit insgesamt 381 Schülerinnen und Schülern aus Grundschulen in Golßen, Finsterwalde, Schönwald, Herzberg, Falkenberg/Elster sowie Wildau die Natur hautnah erleben, ergänzt Mandy Werner, Projektleiterin „Natur zum Anfassen“.

Aus Sicht der Klassenlehrerinnen der Dahmer Grundschüler Ute Fischer und Dietlind Stugk bietet das Erlebnis in der Natur für die Kinder eine sehr gute Ergänzung zum Sachkundeunterricht. „Es fördert außerdem den Gemeinschaftssinn und die Entwicklung der sozialen Kompetenzen, weil hier auch Teamarbeit gefragt ist“, sagt Ute Fischer.

Für Carolina Neuendorf war die Entstehungsgeschichte der Höllenberge in der Eiszeit interessant. Auch eine Spinne ließ sie über ihren Arm krabbeln. „Das war kitzelig“, erzählt das Mädchen. „Spinnen sind gar nicht so eklige Tiere, wie man immer denkt“, nimmt auch Josephine Graf eine neue Erfahrung von diesem Tag mit nach Hause.