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Umrahmt von Töpfen oder Weiden

Lübben/Luckau. Die Hochzeitshochburg im Süden des Landkreises Dahme-Spreewald ist unbestritten Lübben. Bis zum 12.August sind von den drei Standesbeamtinnen der Stadt 112 Eheschließungen vorgenommen worden, wie Steffi Balke beim Blick in die Statistik feststellt. Ingrid Hoberg

Insgesamt rechnet sie mit 160 bis 170 Trauungen. Zwei Termine sind von Frauen für das Eintragen der Lebenspartnerschaft angemeldet. Am 1. Oktober tritt das Gesetz zur Öffnung der Ehe für Homosexuelle in Kraft.

"2017 ist für uns bisher statistisch ein normales Jahr", sagt Steffi Balke. Und wenn auch jede Hochzeit etwas Besonderes ist, so bleiben doch manche Tage besonders in Erinnerung. "Am 7. Juli hatten wir sechs Trauungen, darunter eine Doppelhochzeit", sagt sie. Zu diesem beliebten Hochzeitsdatum gab es für die Brautpaare und ihre Gesellschaften noch eine unerwartete Überraschung. Die Drehorgelspieler aus Oer-Erkenschwick, der Lübbenauer Partnerstadt in Nordrhein-Westfalen, spielten zu all diesen Hochzeiten. "Das war klasse!", freut sich auch die Lübbener Standesbeamtin über diesen kostenlosen Service.

Auf dem neu gestalteten Schlosshof ist genügend Platz für solche Aktionen. Die Reaktion auf die neue Anlage ist bei den Hochzeitsgesellschaften unterschiedlich. "Das ist Geschmackssache", stellt Steffi Balke fest. Während die einen den Verlust von Gemütlichkeit und weniger Grün bemerken, ist der Platz für andere ein Hingucker. Mit dem Eheschließungszimmer im Schloss, dem Wappensaal, der für größere Gesellschaften gebucht werden kann, und Lehnigksberg bietet Lübben drei Orte für das Bekunden des gemeinsamen Lebenswegs an.

Mit dem Trauzimmer im Rathaus, der historischen Georgenkapelle auf dem Marktplatz, in der bis zu 70 Gäste Platz finden, und dem zunehmend beliebteren Klostersaal in der Kulturkirche verfügt auch Luckau über drei Orte zu Heiraten in stilvollem Ambiente. Außerdem kann in Fürstlich Drehna im Wasserschloss geheiratet werden. "Wir hatten bis zum heutigen Tage 33 Eheschließungen", sagt die Luckauer Standesbeamtin. "Wir sind noch mitten drin, der September wird inzwischen auch gut angenommen", ergänzt Gabriele Tributh. Der Juli des Jahres 2017 ist bisheriger Spitzenreiter mit zehn Hochzeiten. "Die wohlklingenden Daten waren dabei am meisten gefragt: der 1. Juli, der 7. und der 17.", sagt die Standesbeamtin. Große Hochzeitsgesellschaften und auch kleine gab es, mit historischen Fahrzeugen wird in Luckau gern angereist, aber auch per Kutsche. In diesem Jahr gab es noch kein Salut schießen - aber was nicht ist, kann ja noch werden.

15 Eheschließungen weist die Statistik der Gemeinde Heideblick vom 1. Januar bis 7. August aus. Darin enthalten sind auch die Termine auf dem Höllberghof. Dort hat Johanna Blobel im Jahr 2002 die erste Trauung auf dem historischen Dreiseitenhof vorgenommen, im Juni gab es nun schon die 100. Der Bräutigam stammte aus der Nachbargemeinde Wüstermarke und die Braut aus Chemnitz. Das Trauzimmer befindet sich im "Kuhstall" und wird vom Höllberghof-Team mit Blumen und Grün aus dem Bauerngarten geschmückt. So wird bäuerliche Tradition erhalten und für das Brautpaar ein einmaliges Ambiente für den schönsten Tag im Leben geschaffen. "Auf dem Höllberghof heiraten Auswärtige gern - sie kommen aus Berlin oder Dresden. Auch aus den USA hatten wir schon Brautleute", sagt Johanna Blobel. "Jede Hochzeit ist bei uns individuell." Gemeinsam mit Sarah Jacobza nimmt sie die Trauungen in der Gemeinde vor.

Der Trend zum außergewöhnlichen Ambiente wird auch im Amt Unterspreewald beobachtet. So kann in Golßen im Sitzungssaal geheiratet werden, doch "der Knaller ist der Weidendom in Schlepzig", stellt Standesbeamter Daniel Graßmann fest. Bis zum 8. August gab es 77 Eheschließungen, 60 davon in Schlepzig. "Das sind jetzt schon mehr als 2016 insgesamt", sagt er und erwartet, dass sich der Weidendom als Ort zum Heiraten noch mehr herumsprechen wird. Dort können sich Paare in den Monaten April bis Oktober das Ja-Wort geben. Am 7. Juli war das vier Mal der Fall, aber auch der 17. Juni hält da mit. 17. Juni 17 ist eben auch ein Datum, das (hoffentlich) keiner der Beteiligten vergisst.

Zu den kleinen Standesämtern gehört Märkische Heide. Maret Kurrar und ihre Kollegin Katrin Piesker haben durchschnittlich im Jahr zehn Eheschließungen im Kalender stehen: Im Juli waren es zwei, im ganzen Jahr bisher sieben und drei bis vier Anmeldungen liegen bereits vor. Damit verspricht 2017, auf dem gewohnten Stand zu bleiben. Als Trauzimmer steht der Sitzungssaal in der Verwaltung in Groß Leuthen zur Verfügung. "Wir suchen noch nach neuen Orten", sagt Maret Kurrar. Denn auch wenn in diesem Jahr fünf heiratswillige Paare aus der Gemeinde kamen, gibt es ebenso Auswärtige, die es in die Märkische Heide zieht. "Manchmal sind es Leute, die vorher als Urlauber hier waren und die Ruhe lieben, oder Großstädter, die fernab von allem Trubel heiraten wollen", sagt die Standesbeamtin. Und wenn Berliner in der Hauptstadt keinen Termin bekommen, dann ist der Weg nach Groß Leuthen nicht weit. Hier kann auch kurzfristig eine Trauung stattfinden - wenn alle notwendigen Papiere vorliegen.

Eines der kleinen Standesämter ist in Lieberose/Oberspreewald zu finden. Dort sind 2017 bis zum 8. August zehn Ehen geschlossen worden. In den Verwaltungen in Lieberose und Straupitz sowie auf der Hafenterrasse am Schwielochsee können Paare getraut werden. Die besonders markanten Termine waren allerdings nicht so nachgefragt. Es gab lediglich am 17. Juli eine Eheschließung, teilt das Standesamt mit.

Ob kleines oder größeres Amt, alle Standesbeamten bereiten mit individueller Beratung und auf die Familiensituation zugeschnittene Reden den Boden dafür, dass der Tag im Leben der Paare unvergesslich bleibt.