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Umjubelter Mozart in der Paul-Gerhardt-Kirche

LÜBBEN.. Ein Konzert mit Seltenheitswert hat es am Sonntag in der Lübbener Paul-Gerhardt-Kirche gegeben. Bereits 45 Minuten vor dem musikalischen Auftakt waren die besten Plätze in der Kirche vergeben. Wer zu spät kam, dem sind Hörplätze auf der Empore geblieben. Alle waren gespannt auf die Premiere des Mozart-Projektes des Waldowers Michael Zumpe mit seinem großen Chor. Torsten Richter


Ungewöhnliches führte beim Chor, dem Brandenburgischen Orchester Cottbus und bei Michael Zumpe zum Lampenfieber. Die szenische Umsetzung von Mozarts beliebtester Oper, der im Todesjahr des Komponisten 1791 uraufgeführten "Zauberflöte", sollte gut beim Publikum ankommen. Ebenso das „Requiem“ , das Mozart unvollendet hinterließ und das als eines der anspruchsvollsten Werke des Meisters gilt. Würde das zu schaffen sein? Seit Dezember hatten Sänger aus der ganzen Brandenburger Lausitz immer und immer wieder geprobt.
Die 128 Mitglieder des "Zumpe-Chores", die Solisten in der speziellen heiter-unterhaltsamen szenischen Fassung der "Zauberflöte" und das 28 Musiker starke Orchester sorgten an sich schon für ein besonderes Flair des Konzertabends. Lübbens Konzert-Kalender ist bunt, abwechslungsreich, aber kann Veranstaltungen mit großem symphonischen Orchester selten anbieten. Auch das war deshalb für die Musikfreunde aus Lübben und Umgebung ein großer Anziehungspunkt.
Die "Zauberflöte" in Kurzfassung von guten 50 Minuten gab es in Lübben wohl noch nie zu hören. Michael Zumpe schaffte das Kunststück, dieses populäre Werk mit verbindenden Texten, den beliebten Chören und Arien heiter ins Publikum zu tragen. Er selbst war Jahre am Cottbuser Staatstheater ein beliebter "Papageno", und er bewies, dass der Komödiant und Sänger erfreuen kann.
Ihm zur Seite standen Peter Ewald als Prinz Tamino und eine stimmlich wie gestalterisch begeisternde Pamina von Christiane Kapelle. Maria Meckel als Papagena war der lustige und gesanglich schöne Gegenpart zum Papageno, und der Hohepriester Sarastro im tiefen Bass von Burkhard Kosche machte das Gute im Stück glaubhaft. Immer wieder aber erfreuten die großen Chöre von der Empore wie "Es lebe Sarastro" und der Schlusschor "Dank sei euch Geweihten".
Die eigentliche Stunde des Chores kam mit Mozarts "Requiem". Da bewies sich, wie nachhaltig die vielen harten, langen Proben gewesen sind. Mozarts mächtiges, aber auch filigranes Meisterwerk in lateinischer Sprache bestach durch kraftvolle, aber sauber gesungene, oft in ihrer Melodik an Schwierigkeit kaum zu überbietende Interpretation.
Michael Zumpe führte seinen großen Chor mit Sängern von Ruhland bis Lübben, von Finsterwalde bis in den Oberspreewald förmlich mit Fingerzeig. Das barocke "Kyrie" in Fugen-Form, gefürchtet selbst bei Profi-Chören, kam lupenrein. Und bei Mozarts letzten Takten im "Lacrimosa" sang der Chor, dass Rührung im Publikum aufkam. Dabei waren die Solisten, die zuvor in der "Zauberflöte" agierten, zuverlässige Partner: Peter Ewald (Tenor), Christiane Kapelle (Sopran), Burkhard Kosche (Bass) und neu hinzugekommen die Altistin Kerstin Domrös. Nach dem Konzert freuten sich Chorsänger wie der Lübbener Reinhard Hoffmann mit ihrem Leiter über den Erfolg des Konzertes, das das Publikum mit stehenden Ovationen, sogar mit "Bravo"-Rufen gefeiert hatte. Der Beifall galt ebenfalls dem jüngsten Dirigenten des Konzertabe nds: Robert Lillinger hatte erstmals während der "Zauberflöten"-Aufführung die musikalische Leitung und den Taktstock übernommen.
Er war es auch, der sich am Sonntag zum ersten Mal als Begleiter des "Requiem" an der romantischen Schuke-Orgel versuchte - erfolgreich. (-ds/dh)