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Um der Freude Willen

Otto-Fabian Voigtländer, Pfarrer im Pfarrbereich Prösen, Region Süd im Kirchenkreis Bad Liebenwerda
Otto-Fabian Voigtländer, Pfarrer im Pfarrbereich Prösen, Region Süd im Kirchenkreis Bad Liebenwerda FOTO: Alexander Schmidt
In vielen Kirchen wurde am vergangenen Wochenende Erntedank gefeiert. Und in einigen Kirchen folgt dieses Fest an diesem Wochenende.

In meiner Region haben wir dieses Jahr Erntedank auch ganz praktisch mit dem Genuss der Gaumenfreude verbunden. Kaffee und Kuchen in den einen Kirchen, Gulasch mit Kartoffeln oder Kartoffelsuppe mit frischem Brot in anderen, dazu etwas frisches Obst vom Altarschmuck, und natürlich wurde der Rest Wein vom Abendmahl geteilt.

Große Freude bei denen, die da waren. Im Augenblick des Feiern ist alles gut. Hinterher höre ich oft "schön war es wieder".

Ganz anders aber sind die Vorbereitungen. Es braucht einen langen Atem, solche kleinen Feste zu organisieren. Natürlich gibt es immer helfende Hände, und viele Menschen geben ganz treu ihre Zeit und Kraft. Sie schmücken, tragen Stühle, telefonieren, decken ein, räumen auf…

Und wozu das Ganze? Um der Freude Willen!

Wenn wir als kleine Kirchengemeinden Feste, Gottesdienste, Konzerte oder Lesungen organisieren, dann kommt die Frage hoch: Wozu das Ganze und für wen mühen wir uns so ab? Hat das Ganze überhaupt einen Sinn?

Die Antwort braucht einen langen Atem, aber sie ist ganz simpel: All die Anstrengungen lohnen sich. Es geht nicht um die Kollekte, die da gesammelt wird, sondern es geht um die Menschen, die da kommen.

Wir mühen uns, um anderen eine Freude zu bereiten, um vielleicht ein wenig Kultur auf den kleinen Dörfern zu ermöglichen. Wir bieten eine Plattform, auf der Menschen sich treffen können, nicht nur zum Beten - das aber auch, sondern, um sich zu sehen.

Um der Freude Willen. Die Freude bei anderen, aber eben auch die eigene Freude, wenn es hinterher dann wieder heißt "schön war es".

Solange diese Freude da ist, lohnt sich jeder Aufwand. Und wenn es einmal anders wird, dann finden sich neue Wege.

Ende diese Monats übrigens wird der Handglockenchor aus Gotha in den kleinen Dörfern Oschätzchen und Gorden zu hören sein. Und auch da wird es dann wieder heißen: "Kommen und hören, genießen und einander sehen, im Vorfeld vorbereiten, um Freude in dieser Welt zu verbreiten."

In diesem Sinne wünsche ich allen einen gesegneten Sonntag.