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| 12:58 Uhr

3500 Kilometer voller Emotionen
„Wir fühlten, wir sind am Ziel“

„Mit dem SachsenZweyer quer durch Europa“ lautet der Arbeitstitel des Vortrages von Sylvia Burza und Matthias Greupner. In zehn Jahren legte das Pilgerpaar den Jakobsweg von Görlitz bis Santiago de Compostela zurück, durchquerte vier Länder und absolvierte dabei 3541 Kilometer.
„Mit dem SachsenZweyer quer durch Europa“ lautet der Arbeitstitel des Vortrages von Sylvia Burza und Matthias Greupner. In zehn Jahren legte das Pilgerpaar den Jakobsweg von Görlitz bis Santiago de Compostela zurück, durchquerte vier Länder und absolvierte dabei 3541 Kilometer. FOTO: Uwe Hegewald
Lübbenau. Sylvia Burza und Matthias Greupner erzählen von ihren Erlebnissen auf dem Jakobsweg Von Uwe Hegewald

Da standen sie nun und umarmten sich, an diesem denkwürdigen Herbsttag vor einem Jahr. Vor ihnen die Kathedrale von Santiago de Compostela, das Ziel des berühmten Pilgerweges. „Die Tränen flossen, und wir fühlten: wir sind angekommen“, blicken Sylvia Burza und Matthias Greupner auf die emotionalen Momente zurück. Eine Ära war zu Ende gegangen, die 2007 in Görlitz begonnen hatte.

Zehn Jahre (2013 gab`s eine Pause) folgte das Paar den Symbolen der gelben Muschel auf blauem Grund. „Wir sind durch vier Länder gelaufen, haben 135 Etappen zurückgelegt, 130 Betten oder Matratzen kennen gelernt und jeweils vier paar Wanderschuhe verschlissen“, erzählt Matthias Greupner. 3541 Kilometer hat das Paar insgesamt zurückgelegt, das beruflich und auch privat gemeinsame Sache macht.

„Die Pilgerreise hat uns noch fester zusammengeschweißt“, erzählt Sylvia Burza. Ihr ist es zu verdanken, dass die wichtigsten Augenblicke zu Papier gebracht wurden. Akribisch führte sie Tagebuch, mitunter bis tief in die Nacht und unter spärlichen Lichtverhältnissen. Ihre Aufzeichnungen, gepaart mit Fotos aus einem tausendfachen Fundus und hunderten Eindrücken schmolzen am Freitagabend in der Bunten Bühne zu einem kurzweiligen Vortrag zusammen.

„Die gesamten Eindrücke in zwei Stunden zusammenzufassen, ist eigentlich unmöglich“, sagt Matthias Greupner. Beim Pilgern würden Begebenheiten anders wahrgenommen. Vermeintlich kleine Episoden gewinnen an Bedeutung, wie der frische Kuchen beim Bäcker in Panschwitz-Kuckau (Oberlausitz), das Überwinden des Hutberges in Kamenz oder der nicht enden wollende Regen bei Wurzen. „Kannenweise“ notierte Sylvia Burza in ihr Tagebuch, wie auch Frage eines Herberg-Wirtes, warum sie das alles auf sich nehmen.

Auch aus dem Grund, das herauszufinden hatte sich das Paar immer wieder neu motiviert und auf den Weg gemacht. „Nicht alles verlief reibungslos“, räumt das Pilgerpaar ein und erzählt von einer Episode in der Schweiz. „Plötzlich war Matthias verschwunden, der nur mal kurz eine Dampflok besichtigen wollte. Zuerst war ich wütend, dann beunruhigt, später verzweifelt, weil er nicht zum vereinbarten Treffpunkt kam“, schildert Sylvia Burza ein unvergessenes Erlebnis. Matthias Greupner sieht die Schuld noch immer nicht bei sich: „Du hättest mich noch mal fragen sollen, ob ich dich zwecks Treffpunkt auch verstanden habe“, flüchtet er in eine typisch männliche Ausrede. Aber auch Blasen an den Fußsohlen, überteuerte Quartiere oder Mistwetter machten die Pilgertour so manches Mal zur Tortur.

Entschädigt wurden sie durch den Zauber, den passionierte Wanderer mit „Land und Leute kennenlernen“ umschreiben. „In Deutschland war es die Vertrautheit, in der Schweiz die Bergwelt mit ihren türkisfarbenen Seen, in Frankreich die kulinarischen Genüsse und in Spanien die gigantischen Naturerlebnisse“, führen Burza und Greupner stellvertretend an. Und da waren noch die Begegnungen mit den Menschen – in Klöstern, Kirchen, Herbergen oder am Wegesrand. „Mit vielen stehen wir noch immer in Kontakt. Sie wollten natürlich wissen, ob wir unsere zehnjährige Tour vollendet haben und wie es uns vor der Kathedrale von Santiago de Compostela ergangen ist“, erklärt das Lausitzer Pilgerpaar. Und dann erzählen sie von dem unvergessenen Herbsttag vor einem Jahr und von kullernden Tränen, blicken aber auch auf Situationen zurück, als es unterwegs gefährlich wurde.

Wie es Sylvia Burza nach einem Sturz am Berg ergangen ist, wie eine Attacke von sechs zähnefletschenden Hunden ausging oder der Stich eine Wespe im Rachen von Matthias Greupner endeten, soll an dieser Stelle nicht erzählt werden. Wn es dennoch interessiert, der kann an diesem Freitag, 26. Oktober (18 Uhr) ins Bürgerhaus nach Vetschau kommen, wo das Pilgerpaar seinen Vortrag wiederholt. Weitere Termine an der Bunten Bühne: Sonntag, 4. November (16 Uhr) und Dienstag, 6. November (19.30 Uhr).