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| 02:58 Uhr

U-Boot im Schwielochsee und Tretboot auf der Spree

Kein Missbrauch von Sandsäcken, sondern ein Kunstwerk von Grzegorz Loznikow aus Polen: Dieses Wasserbecken ist ein Exponat der Aquamediale und steht an der Spree-Lagune in Lübben. Foto
Kein Missbrauch von Sandsäcken, sondern ein Kunstwerk von Grzegorz Loznikow aus Polen: Dieses Wasserbecken ist ein Exponat der Aquamediale und steht an der Spree-Lagune in Lübben. Foto FOTO: A. Staindl/asd1
Dahme-Spreewald. 22 Künstler präsentieren ihre Arbeiten auf der neunten Aquamediale. Sie kommen aus verschiedenen Ländern und bringen Kunst aufs weite Land. Die Exponate stehen im öffentlichen Raum. Sie wurden von Künstlern und Kurator Christian Gracza während einer Tour zum Auftakt der internationalen Kunstausstellung vorgestellt. Andreas Staindl/asd1

Eine nackte Frau sitzt am Ufer auf der Schlossinsel in Lübben. Sie schaut zum Wasser, während zwei Herren in schwarzen Fräcken und mit Krawatten lebhaft zu debattieren scheinen.

Das Trio ist Teil der Aquamediale. Robin Zöffzig (Deutschland) hat das Kunstwerk geschaffen. Er hat es so gestaltet, dass ein dreidimensionaler Effekt entsteht, wenn Betrachter etwa mit dem Kahn vorbeifahren. Die Vorbeifahrt lohnt sich mehrmals in den nächsten Monaten: Zöffzig hat Kürbisse inmitten des Trios gepflanzt und hofft, dass sich das Gemüse mit seinen Figuren vereint.

Computermodell als Tretboot

Bernhard Schipper (Deutschland) hat eine andere Vision. Er hat ein Computermodell als nutzbares Tretboot umgesetzt. Das außergewöhnliche Wasserfahrzeug soll den Anschluss der Spree an die Weltmeere symbolisieren und ein Fingerzeig darauf sein: Wenn schon kein Flughafen im Landkreis Dahme-Spreewald, dann wenigstens eine Art Flugzeugträger - so utopisch, wie das Tretboot aussieht. Es ankert am Ufer der Schlossinsel und kann bei der Tourismus, Kultur und Stadtmarketing (TKS) GmbH ausgeliehen werden.

Dem Boot fast gegenüber scheint eine Badende aus dem Wasser zu steigen. Emilie Gotmann (Frankreich) hat die Skulptur geschaffen. Eine genaue Betrachtung lohnt, denn die Figur ist außergewöhnlich ausgearbeitet. Auch abseits der Schlossinsel sind Exponate zu sehen. An der Bogenbrücke hängen bunte Bänder ins Wasser. Cecylia Malik (Polen) hat dieses Kunstwerk geschaffen und mit 400 Freiwilligen etwa fünf Kilometer Kordel verknüpft. Eine Aktion, mit der die Künstlerin schon in ihrem Heimatland erfolgreich gegen Umweltsünden protestiert habe.

Laurent Golon (Frankreich) verbindet mit seinem Kunstwerk am Strandcafé den Spreewald mit dem Norden seiner Heimat. Er sieht in beiden Regionen Parallelen. Hector Solari (Ukraine) hat dem Spreewald australische Urwaldtöne gewidmet. Sie erklingen, wenn Kahngäste vorbeifahren. Dieses Exponat ist ebenso wie das hölzerne Plumpsklo von Jozsef Szolnoki (Ungarn) auf dem Grundstück von Ferdinand Muschick in der Lindenstraße in Lübben installiert. Wer die Klotür öffnet, hört eine philosophische Abhandlung über Wasser und Fäkalien beispielsweise, kann das stille Örtchen aber nicht benutzen. Das Wasserbecken aus Sandsäcken am Rande der Spree-Lagune scheint der aktuellen Hochwassersituation geschuldet. Christian Gracza versichert jedoch, dass der polnische Künstler Grzegorz Loznikow die Idee dafür schon lange vor dem Hochwasser hatte: "Hier wurden keine Sandsäcke für die Kunst verschwendet."

Kängurus in Schönwalde

Die diesjährige Aquamediale findet auch im Umland statt. Etwa in Schönwalde (Unterspreewald). Nikola Faller (Kroatien) hat dort 150 Kängurus auf einer Wiese nahe dem Bahnhof platziert. Er würdigt damit den Australienforscher Ludwig Leichhardt.

Tamas Komoroczky (Ungarn) hat sich für ein "Gefangenes Auge" entschieden. Er macht damit auf die weltweite Medienpräsenz aufmerksam - und das ausgerechnet im beschaulichen Pretschen (Märkische Heide). Der Schriftzug ist an einem alten Schornstein des Gutshofs angebracht und leuchtet in der Dunkelheit.

Gleich mehrere Kunstwerke gibt es am Schwielochsee (Lieberose-Oberspreewald). Jim Whiting (Großbritannien) lässt am Bootssteg in Zaue ein U-Boot ab- und wieder auftauchen - und das zu jeder vollen Stunden. Carsten Busse (Deutschland) hat ganz in der Nähe 900 Tischtennisbälle unter Wasser montiert. Die sechs Felder leuchten - allerdings nur, wenn die Sonne scheint. Filomena Thorday (Ungarn) hat ein Labyrinth auf einem Feld bei Go yatz aufgebaut, Micha Brendel (Deutschland) ein erklärendes rotes Leichhardt-"L" am Schwielochsee in Goyatz.

Ein weiteres "L" ankert im Wasser und soll in etwa vier Wochen auf Reisen gehen. "Es soll sich einfach treiben lassen, idealerweise bis Australien", sagt der Künstler. Am Bahnhof in Goyatz stehen zwei Kunstwerke. Allan Siegel (USA) hat Piktogramme von früher und heute an einer Säule gegenübergestellt, inklusive Verweis auf Videos im Internet.

Und Lis Woijtek (Polen) hat eine provisorische Eisenbahn mit Bildern verschiedener Loks aus der polnischen Partnerregion Wolsztyn auf die Gleise am stillgelegten Bahnhof gestellt.

Weitere Künstler präsentieren sich in den nächsten Monaten. Ein kleiner Kunstführer der neunten Aquamediale soll laut Kurator in Kürze erscheinen.