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| 02:39 Uhr

TÜV filmt Radwanderwege und deckt Mängel auf

Ein spezielles Vermessungsfahrzeug des TÜV Rheinland überprüft die Radwege in Cottbus und vier Landkreisen.
Ein spezielles Vermessungsfahrzeug des TÜV Rheinland überprüft die Radwege in Cottbus und vier Landkreisen. FOTO: Nicole Nocon
Cottbus. Das Fahrzeug ist nicht größer als ein Golf-Caddy, aber es kann sehr viel mehr. Seit Montag ist auf den Fahrradwegen der Energieregion Lausitz ein Messwagen des TÜV Rheinland unterwegs, der Schäden und Unebenheiten erfasst. Die Stadt Cottbus und vier Landkreise investieren in den Erhalt des Radfernwegenetzes. Nicole Nocon

Die fünf Gebietskörperschaften der Energieregion Lausitz-Spreewald haben sich ein gemeinsames Ziel gesetzt. Sie wollen die Qualität ihres Radwegefernnetzes erhalten. In einem ersten Schritt haben die Stadt Cottbus und die Landkreis Spree-Neiße, Dahme-Spreewald, Oberspreewald-Lausitz und Elbe-Elster eine Arbeitsgruppe gebildet und den TÜV Rheinland beauftragt den Zustand des Radfernwegenetzes nach einheitlichen Kriterien zu erfassen. Begonnen wurde am Montag auf den Radwegen im Cottbuser Norden. Insgesamt 1700 Kilometer werden in den kommenden zwei Monaten von einem speziellen Messfahrzeug befahren.

Pflegebedarf bei Gelb

Michael Herrfurth, der Projektleiter Zustandserfassung und -bewertung des TÜV Rheinland, erklärt, wie die Vermessung funktioniert: "Das Fahrzeug Argus agil ist vorn und hinten mit Kameras ausgerüstet, die Übersichtsaufnahmen der Fahrbahn machen. Diese Aufnahmen werden am Computer ausgewertet und dem Messweg zugeordnet. Außerdem messen Lasersensoren in den Radspuren auf beiden Seiten des Fahrzeugs die Längsebenheit der Fahrbahn. Ein weiterer Laser erfasst die Rauheit und Griffigkeit der Fahrbahnoberfläche." Für jede der Gebietskörperschaften sei aus den erhobenen Daten abzulesen, wo es auf den Radwegen Risse, Wurzelhebungen, Flickstellen und bei Plattenwegen Versatzstufen gibt. Für jeden 100-Meter-Abschnitt werde ein Mittelwert errechnet, nach dem der Zustand bewertet und in den Wegekarten erfasst wird. "In blauen Abschnitten ist alles in Ordnung, in grünen ist der Zustand zufriedenstellend. Die Farbe Gelb zeigt an, dass sich Pflegebedarf abzeichnet und Erhaltungsmaßnahmen notwendig sind. Bei Rot besteht akuter Handlungsbedarf", erläutert Michael Herrfurth.

"Die erhobenen digitalen Datensätze dienen als Grundlage für die Entwicklung einer systematischen Erhaltungsstrategie der Radfernwege", informiert Norman Müller, der Geschäftsführer der Energieregion Lausitz-Spreewald. "Im zunehmenden Wettbewerb der Rad-Reiseregionen nimmt die Qualität der Radfernwege eine hohe Priorität ein. Denn die Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH vermarktet nur noch durch den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club zertifizierte Qualitätsrouten", sagt Müller. In Brandenburg gibt es derzeit 18 dieser Routen. Vier neue wurden erst im Frühjahr in die Liste aufgenommen, darunter der 260 Kilometer lange Gurkenradweg im Spreewald. Mit drei Sternen sind auch der Fürst-Pückler-Weg, die Niederlausitzer Bergtour und die Seenlandroute vertreten. Der Dahme-Radweg, der Spreeradweg und die Oder-Spree-Tour in der Euroregion Lausitz wurden sogar mit vier Sternen bewertet.

Einheitliche Qualität wichtig

Doch viele der vor zehn bis 15 Jahren gebauten Radwege weisen inzwischen Mängel auf und entsprechen nicht mehr den Qualitätsanforderungen. "Im Tourismus steckt viel Potenzial. Die Angebote und das Qualitätsniveau innerhalb des Rad-, Wasser- und Kulturtourismus gilt es, stetig auszubauen. Die einheitliche Zustandserfassung ist ein Ansatz hin zu einem einheitlichen Qualitätsmanagement in der Euroregion", betont Norman Müller. 60 000 Euro lässt sich die Energieregion dieses Projekt kosten.

Kostenfrage noch offen

Noch ist zu klären, wer die Kosten für notwendige Erhaltungsmaßnahmen trägt. "Das wird von Gebietskörperschaft zu Gebietskörperschaft unterschiedlich sein. Zum Teil sind die Straßenmeistereien, zum Teil die Ämter und Gemeinden zuständig. Außerdem werden wir beim Land anfragen, ob es nicht bereit ist, einen Zuschuss zu geben", sagt Norman Müller.