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| 17:52 Uhr

Woge der Hilfsbereitschaft
Drei Wochen Ferienspaß in gesunder Luft in Dahme

 Voller Erwartung vor dem Aufstieg auf den Rathausturm: Die Kindergruppe mit Betreuerinnen, Monika Petras (r.) und Museumsleiter Tilo Wolf.
Voller Erwartung vor dem Aufstieg auf den Rathausturm: Die Kindergruppe mit Betreuerinnen, Monika Petras (r.) und Museumsleiter Tilo Wolf. FOTO: LR / Carmen Berg
Tschernobyl-Arbeitskreis hat für kleine Weißrussen vielseitiges Angebot vorbereitet. Von Carmen Berg

14 Jungen und Mädchen aus Weißrussland sind zu Pfingsten in der Flämingstadt eingetroffen. Vor den Kindern aus dem Gebiet Mogilow liegen drei spannende Wochen, zum 28. Mal organisiert vom ehrenamtlichen Tschernobyl-Arbeitskreis. Für einige Kinder ist es ein Wiedersehen mit deutschen Gastfamilien, für andere wie Madwej ist es die erste Reise. Sein älterer Bruder Wanja hatte ihm vom Schwimmbad vorgeschwärmt, und so wünschte sich der Achtjährige, das selbst einmal zu sehen. So oft es geht, genießt er mit den anderen aus der Gruppe jetzt das Tummeln in den Fluten, traditionell spendiert von der Stadt. Der ältere Bruder ist nicht an seiner Seite, er ist schwer krank. Wie Betreuerin Ina Urbanowitsch erzählt, ist bei Wanja eine Immunerkrankung ausgebrochen, wohl eine Spätfolge der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Er sei kaum belastbar, dürfe sich nicht anstrengen, müsse einmal jeden Monat ins Krankenhaus nach Minsk.

„Jahrzehnte nach dem Reaktorunglück stellen Wissenschaftler immer neue Schadstoffe fest, und neue Krankheiten treten auf“, sagt die Betreuerin. „Man kann die Gefahr nicht sehen, nicht riechen, und doch ist sie da. Viele Leute, besonders Kinder, haben ein angegriffenes Immunsystem, werden schnell schlapp“, berichtet Ina Urbanowitsch.

Für Monika Petras und ihre Mitstreiter vom Tschernobyl-Arbeitskreis ist das Motivation, in ihren Anstrengungen nicht nachzulassen. Ehrenamtliche wie Ilona Radünz, die bald 80 Jahre alt wird, oder die pensionierte Lehrerin Ilka Pietsch sind schon lange „und immer noch mit viel Herz dabei“, wie Monika Petras erzählt. „Wir brauchen aber auch jüngere Nachrücker“, so die Vertreterin des Arbeitskreises.

Ungebrochen sei die Woge der Hilfsbereitschaft in der Stadt und der Region, fügt sie an. Nur weil viele mitziehen, sei es möglich, für die Kinder ein abwechslungsreiches Programm zu bieten. So werden sie beispielsweise die Mühlenfreunde in Schöna-Kolpien besuchen, im Hort und bei der Feuerwehr zu Gast sein, im Wahlsdorfer Gutshaus Minigolf spielen und einen schönen Nachmittag beim Verein Wolfsstein in Mehlsdorf erleben. Baden mit den Pinguinen in Lübbenau sowie ein Spaziergang im Wildpark Johannismühle sind ebenfalls vorgesehen. Wie in Vorjahren wird die Gruppe von Wirten zum Essen eingeladen, Firmen, Gewerbetreibende und Privatleute unterstützen mit Geld- und Sachspenden.

Auch Unternehmer Matthias Kreißler gehört dazu. Er hat am Dienstagvormittag in den Dahmer Rathaussaal neben einer Geldspende leuchtend blaue Rucksäcke mitgebracht, die begeistert ausgepackt werden. Für ihn sei diese Hilfe Teil der sozialen Verantwortung. „Und vor dem, was die Frauen vom Arbeitskreis leisten, ziehe ich den Hut“, sagt Matthias Kreißler.

Der Besuch des Rathauses der Gastgeberstadt steht stets am Anfang der drei Ferienwochen. Mit Museumsleiter Tilo Wolf steigen die Kinder auf den Rathausturm. „Die Häuser sind hier so schön“, findet der elfjährige Kyrill. Er freut sich jetzt auf das Baden, die Ausflüge und das Spielen mit anderen Kindern. Kyrill ist der Erste aus seiner Familie, der nach Deutchland fährt und wird zu Hause viel zu erzählen haben.