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| 16:44 Uhr

In Walddrehna
Trübes Trinkwasser erhitzt die Gemüter

Einwohner Helmut Turowski macht am RUNDSCHAU-Stammtisch im Walddrehnaer Sportlerheim seinem Ärger  über schlechtes Trinkwasser nach der Abschaltung des Wasserwerkes in Schwarzenburg Luft.
Einwohner Helmut Turowski macht am RUNDSCHAU-Stammtisch im Walddrehnaer Sportlerheim seinem Ärger über schlechtes Trinkwasser nach der Abschaltung des Wasserwerkes in Schwarzenburg Luft. FOTO: Carmen Berg / LR
Walddrehna. Walddrehnaer drängen am RUNDSCHAU-Stammtisch auf Abhilfe. Experten gehen Ursachen weiter auf den Grund.

Es sind nicht nur vereinzelte Haushalte, die in Walddrehna noch immer Probleme mit der Trinkwasserqualität haben. Diese Erkenntnis hat Eckhard Wolter von der Dahme-Nuthe Wasser-, Abwasserbetriebsgesellschaft (DNWAB) vom RUNDSCHAU-Stammtisch am Dienstagabend mitgenommen.  Habe er auf der Anfahrt  dorthin kaum noch weiteren Handlungsbedarf gesehen, so müsse er sich darin revidieren, gibt der Fachmann zu.

Zahlreich sind die Bürger in das Sportlerheim gekommen, um in der Diskussionsrunde, moderiert von RUNDSCHAU-Reporterin Anja Brautschek, ihre Sorgen los zu werden. Dabei räumen sie ein, dass sich der Luckauer Trink- und Abwasserzweckverband (TAZV) und sein Betriebsführer DNWAB um Lösungen bemüht haben. Dennoch reichen die Resultate den Walddrehnaern noch nicht aus.

Die Probleme begannen im Jahr 2016: Seit das Wasserwerk in Schwarzenburg aus wirtschaftlichen Gründen vom Netz ging, beziehen die Orte Walddrehna, Schwarzenburg und Wehnsdorf ihr Trinkwasser aus dem 25 Kilometer entfernten Wasserwerk Schollen. Schon kurz nach der Umstellung beklagten Anwohner erhebliche Qualitätseinbußen beim Trinkwasser. War es zuvor glasklar, so kam nun eine braune, trübe Brühe aus dem Hahn. Sogar kleine Partikel waren zu erkennen. „Ursache dafür war die Veränderung der Fließrichtung“, so Eckhard Wolter. Dabei seien alte Ablagerungen in den Leitungen aufgewirbelt worden. Sie stammten vermutlich noch aus DDR-Zeiten, als in Schwarzenburg Rohwasser, also zum Teil unbehandeltes Wasser, gefördert wurde, erklärt er.

Intensivspülungen im Vorjahr sollten Abhilfe bringen. Wo es größere Probleme gab, wurden zudem die Hausanschlüsse gespült. Die zuvor erhöhten Eisen- und Manganwerte würden seither wieder eingehalten und Grenzwerte deutlich unterschritten, sagt Eckhard Wolter mit Verweis auf Laboranalysen. Auf einer eingerichteten Beschwerdehotline seien nach diesen Maßnahmen seit Ende Juli vier Anrufe eingegangen, wovon sich nur einer auf mangelhafte Wasserqualität bezog, so der DNWAB-Vertreter.

„Es ist viel passiert“, bestätigt  Ortsvorsteher Carsten Peters. Doch nach anfänglich deutlicher Besserung sei das Wasser inzwischen wieder schlechter. „Es hat eine leicht gelbe bis hellbraune Färbung“, berichtet er.

TAZV-Verbandsvorsteher Stefan Ladewig erläutert, dass das Wasser aus Schollen härter als vormals das Schwarzenburger Wasser sei und aufgrund anderer geogener Bedingungen von Natur aus eine gewisse Eigenfärbung habe. „Von der Qualität her ist es einwandfrei“, so der Verbandschef. Mit Trübungserscheinungen sei bei einer Änderung der Fließrichtung zu rechnen gewesen. Ungewöhnlich aber sei die Zeitdauer und die Massivität, räumt er zugleich ein.

Annette Turowski zeigt Handyfotos. „In letzter Zeit bilden sich am Abfluss der Badewanne wieder braune Ränder. Das ist eklig“, sagt die Anwohnerin der Bahnhofstraße. Ihrem Mann Helmut will sich nicht erschließen, wie die Färbung stärker werden kann, wenn die Wasserverordnung eingehalten werde. Auch Bernd Mohs, der an der Lindenstraße wohnt, hat Bilder mit: Sie zeigen eine braune Schlammbrühe in einem Eimer, aufgenommen im November, nachdem bei ihm drei Hausspülungen durchgeführt worden waren, wie er sagt. Er zweifelt an, dass die Laboranalysen sachgemäß erfolgt seien. Seine Frau Elfriede spricht die höheren Kosten für die Bürger durch das schlechtere Wasser an. „Wir brauchen mehr Chemie, müssen ständig entkalken. Geräte gehen schneller kaputt“, ärgert sie sich.

Eine Einwohnerin aus Schwarzenburg sagt angesichts der Schilderungen: „Vergleichsweise sind wir noch gut dran, bei uns ist das Wasser nur eingetrübt. Aber es ist schon befremdlich, wenn man mal Top-Wasser hatte, und aus Gründen der Wirtschaftlichkeit geht das nun nicht mehr.“

Die Bürger fordern, die Ursachen für die andauernden Probleme müssten endlich gefunden und abgestellt werden. „In Luckau wird das Wasser aus Schollen im Glas nicht gelblich. Es kommt bei uns nicht so an, wie es dort ist“, sagt Bernd Mohs. Anwohner fürchten, dass die Ursachen nicht nur im eigenen Ort liegen, sondern das Wasser womöglich schon unterwegs verschmutzt werde. „Vielleicht ist es in Langengrassau und Gehren schon nicht mehr in Ordnung“, vermutet Annette Turowski. Davon jedoch geht Verbandsvorsteher Ladewig nicht aus. Auch Eckhard Wolter sagt: „Es gibt bisher keine Hinweise, dass das Wasser schon in Gehren verschmutzt ist“. Als Zielstellung aus der Diskussion am RUNDSCHAU-Stammtisch nimmt er mit, dass die Ursachensuche ausgeweitet wird. „Wir werden in Walddrehna in die Einzelräume schauen.“ Das heißt:  Straße für Straße, Haus für Haus. Im Ergebnis soll ein individueller Zeit- und Maßnahmeplan aufgestellt werden, der dann  im Sommer mit den Einwohnern erörtert wird.

Heideblicks stellvertretender Bürgermeister Stephan Weide erinnert abschließend noch einmal an die Nummern, die die Walddrehnaer bei Trinkwasserproblemen direkt anrufen können: 03544 502416 sowie 03544 502419.

LR vor Ort 4c
LR vor Ort 4c FOTO: LR
Moderiert von Rundschau-Reporterin Anja Brautschek beantworteten auf dem Podium der stellvertretende Bürgermeister Stephan Weide, Ortsvorsteher Carsten Peters, TAZV-Verbandsvorsteher Stefan Ladewig und Eckhard Wolter vom Betriebsführer DNWAB (v.l.) die Fragen der Bürger.
Moderiert von Rundschau-Reporterin Anja Brautschek beantworteten auf dem Podium der stellvertretende Bürgermeister Stephan Weide, Ortsvorsteher Carsten Peters, TAZV-Verbandsvorsteher Stefan Ladewig und Eckhard Wolter vom Betriebsführer DNWAB (v.l.) die Fragen der Bürger. FOTO: Carmen Berg / LR