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| 18:37 Uhr

Folgen des Dürre-Sommers
Durststrecke der Bauern hält an

 Die langen Regenperioden der vergangenen Wochen täuschen. Die Feuchtigkeit ist laut Landwirte meist nur oberflächlich. Tiefere Bodenschichten seien nach wie vor von der Trockenheit gezeichnet.
Die langen Regenperioden der vergangenen Wochen täuschen. Die Feuchtigkeit ist laut Landwirte meist nur oberflächlich. Tiefere Bodenschichten seien nach wie vor von der Trockenheit gezeichnet. FOTO: Adi Wawro
Der Regen der letzten Wochen konnte nur kurzfristig Erleichterung bringen. Die finanziellen Auswirkungen der Dürre werden laut Landwirte deutlich zu spüren sein. Von Anja Brautschek

Vertrocknete Felder, ausgedörrte Teiche und Bäche, karge Wiesen: Der überdurchschnittlich heiße und trockene Sommer des vergangenen Jahres war für Mensch und Natur eine Herausforderung. Vor allem die Landwirte haben mit den Herausforderungen nach wie vor zu kämpfen. Der Regen der vergangenen Wochen konnte dabei nur kurzfristig Erleichterung bringen.

 Die anhaltende Trockenheit des Sommers hat in der Landwirtschaft zu Ernteausfällen und Qualitätseinbußen geführt.
Die anhaltende Trockenheit des Sommers hat in der Landwirtschaft zu Ernteausfällen und Qualitätseinbußen geführt. FOTO: dpa / Sven Hoppe

„Auch wenn es im Dezember und Januar stellenweise rund 100 Liter geregnet hat, so sind wir bei den Bodenwasservorräten noch nicht auf Normalniveau angekommen“, erklärt Norbert Zittlau von der Agrargenossenschaft Uckro. Der jetzige Regen sei gut und wichtig. Die Vegetation habe sich erholt, Gräben und Teiche sind wieder mit Wasser gefüllt. Dennoch: Der Boden ist meist nur oberflächlich mit Wasser gesättigt. „Es fehlt in den tieferen Schichten nach wie vor an Feuchtigkeit“, fasst Borjana Dinewa-Zelt vom Bauernverband Südbrandenburg die Problematik zusammen. Stellenweise stoße man in einer Tiefe von rund 20 Zentimetern wieder auf trockenen Boden. Dabei wird eine durchgehende Bodendurchfeuchtung vor allem für das jetzt wachsende Wintergetreide benötigt. Denn die Feinwurzeln können bis zu einem Meter Tiefe erreichen. Dabei hängen Winterweizen oder -roggen vielerorts wegen des trockenen Herbstes schon jetzt dem normalen Wachstum hinterher. Und auch viele Wiesen sind noch immer in schlechtem Zustand, die Grassnarbe ist strapaziert.

Einbußen werden auch beim Raps erwartet. Einige Felder wurden bereits umgebrochen, da das Saatgut kaum aufgegangen und lückenhaft ist. Andere Betriebe haben die Aussaat wegen der erwarteten Ausfälle schon im Herbst reduziert. „Aufgrund der Trockenheit haben wir 110 Hektar weniger an Raps angesät. Von den geplanten 235 Hektar Raps sind noch etwa 42 Hektar übrig“, beschreibt Norbert Zittlau die Situation.

„Die Auswirkungen der Dürre werden wir im Frühjahr besonders spüren“, erklärt Heiko Terno, Geschäftsführer des Awo Reha-Gutes in Kemlitz. Die finanziellen Einbußen werden dann so richtig deutlich. Denn Geld werden in diesem Jahr auch für zusätzliche Ausgaben benötigt. Unter anderem ist das Futter für die Tiere nach wie vor knapp. Häufig muss zugekauft werden, da Mais und Gras aus dem Vorjahr nicht ausreichen. „Wir hatten noch einige Reserven aus der Saison 2016/2017. Selbst damit reicht unser Futter nicht bis zur nächsten Ernte aus“, erklärt Norbert Zittlau. Auch die Qualität sei aufgrund der Trockenheit schlechter, Silage für die Tiere weniger nahrhaft, was sich vor allem auf die Milchproduktion auswirke.

 Die Folge: Eine kostendeckende Produktion ist für einige Landwirtschaftsbetriebe kaum möglich. Denn auch der Milchpreis ist derzeit auf niedrigen Niveau. „ Wenn Milch und Butter ein paar Cent teurer werden, wäre das für alle auszuhalten. Wir brauchen kostendeckende Preise“, appeliert Heiko Terno und ergänzt. „Auch die Bürokratie bremst uns aus. Gibt es nach ein paar schlechten Ernten wieder ein gutes Jahr, können wir aufgrund der Düngeverordnung weniger düngen.“

Die Landwirte hoffen daher auf ein nasses Frühjahr. Denn eine kontinuierliche Wasserversorgung über Wochen könnte den Pflanzen auf den Feldern zu einem Wachstumsschub verhelfen und den Wasserhaushalt im Boden wieder normalisieren. „Die für Landwirte entscheidendste Phase ist in der Regel die Zeit vor dem ersten Schnitt im Mai. Dann sollte es im Idealfall ausreichend regnen und nicht zu warm sein“, erklärt Borjana Dinewa-Zelt.

Der vergleichsweise milde Winter habe laut Bauernverband bislang kaum Auswirkungen auf die kommende Ernte. Problematisch werden könnte jedoch ein Kälteeinbruch ohne isolierenden Schnee. Durch die sogenannten Kahlfröste leiden die ohnehin noch zarten Pflänzchen.

Für die kommenden Tage sind laut Wetterbericht bislang nur leichte Frosttemperaturen angesagt. Auch trocken soll es weiter bleiben. „Nach mittlerweile drei schwierigen Jahren hoffen wir, dass unsere Landwirte 2019 von weiteren Wetterextremen verschont bleiben“, drückt Carmen Lorenz, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Südbrandenburg, die Daumen.