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Traum vom Luckauer Bienendorf

Am Vorabend hat Andreas Petschick 50 Bienenkästen an einem Rapsfeld aufgestellt. Jetzt schaut er nach, wie die Tiere die neue Umgebung angenommen haben. Sie sind schon fleißig auf Erkundungsflug.
Am Vorabend hat Andreas Petschick 50 Bienenkästen an einem Rapsfeld aufgestellt. Jetzt schaut er nach, wie die Tiere die neue Umgebung angenommen haben. Sie sind schon fleißig auf Erkundungsflug. FOTO: be
Luckau. Mit flotten Bienen und leckerem Honig will Karche-Zaackos Ortsvorsteher Andreas Petschick Touristen "in Versuchung" führen. Für seine Idee eines Bienenradwegs sucht der Imker noch Mitstreiter in Luckau und den Dörfern der Umgebung. Carmen Berg

In der Kernstadt wird derzeit rege über Tourismuskonzepte diskutiert. "Bei Luckau denkt jeder zuerst an die historische Altstadt, an den Schlabendorfer See oder das Wasserschloss mit Park in Fürstlich Drehna", sagt Andreas Petschick. Doch auch die Dörfer ringsum, die so etwas nicht haben, seien einen Abstecher wert, findet er. Um aber Touristen neugierig zu machen, reiche Landschaft allein nicht aus. "Man braucht eine spannende Geschichte", so der Ortsvorsteher.

Die Geschichte zur Idee

Andreas Petschick hat so eine Geschichte in seinem Wohnort Schollen ausgegraben, einem Flecken, der zum Luckauer Ortsteil Karche-Zaacko gehört. Insgesamt leben in dem Dörfer-Dreigestirn etwa 200 Menschen. Der Ortsname Schollen, so haben Forschungen aus dem Jahr 1918 erbracht, komme nicht vom deutschen Wort "Scholle", sondern aus der wendischen Vorzeit. Er bezeichne einen Ort der Gesundheit oder einen Platz, an dem Bienen sind. "Also hat Luckau ein Bienendorf", bringt es Andreas Petschick auf den Punkt und ist zuversichtlich: "Daraus lässt sich doch eine Menge machen."

Die Idee des Imkers ist ein Radweg rund um Luckau, der zwischen 30 und 50 Kilometern lang sein könnte. An Stationen unterwegs sollen Touristen Wissenswertes zu den fleißigen Nektarsammlern erfahren. So beispielsweise, wie es im Bienenstock zugeht, welche Bäume und Pflanzen den nützlichen Insekten Nahrung geben und was mit Honig alles möglich ist. Stopp könnte an einer alten Robinien- oder Lindenallee ebenso sein wie in einem Gasthof mit schönem Obstgarten und Honigspezialitäten auf der Karte.

Erste Vorstellungen zur Route hat Andreas Petschick im Kopf. "Allein aber kann ich das nicht stemmen, ich brauche Mitstreiter", sagt er. Deshalb will der Karche-Zaackoer Ortsvorsteher bei Nachbarn "auf die Tippeltappel-Tour gehen". Darüber hinaus sei jeder, der Lust zum Mitmachen habe, mit seinen Angeboten bei ihm willkommen, sagt er.

Im Luckauer Rathaus haben die Schwarz-Gelb-Gestreiften bei Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos) und seiner Mannschaft schon erste Fans. "Es ist im Gespräch, den Bienenkasten im Laga-Park wieder mit Leben zu füllen. Dazu soll in der kommenden Woche ein Vor-Ort-Termin stattfinden", erzählt Andreas Petschick.

Er selbst war vor etwa zehn Jahren eher durch Zufall auf Maja und Co. gekommen. Beruflich hatte er mit Personalprojekten zu tun, bei einem davon sei es um die Imkerei und die Aufarbeitung von Gerätschaften gegangen. Irgendwann hatte er dann das erste eigene Bienenvölkchen auf dem Hof. Heute sei er neben seiner Tätigkeit im Luckauer Büro des Arbeitgeberzusammenschlusses Südbrandenburg dabei, schrittweise eine wirtschaftliche Imkerei aufzubauen. Rund 100 Bienenvölker hat Andreas Petschick. Sein Honig ist als Spreewaldprodukt zertifiziert. Es gibt ihn pur und als Aufstrich in verschiedenen verfeinerten Sorten in der Sagritzer Kanow-Mühle und andernorts im Spreewald.

Das Engagement, die Biene touristisch zu vermarkten, sei nicht ganz uneigennützig, gibt Andreas Petschick gern zu. "Doch wenn es klappt, haben auch viele andere in der Region etwas davon", sagt er. Als praktisches Beispiel nennt der Ortsvorsteher Wege, für die sich die Bürger eine Instandsetzung wünschen. "Wenn sie aber nur drei Leute benutzen, wird keiner dafür Geld in die Hand nehmen", erklärt er.

Ansporn Waldviertel

Gerade Landstriche, die Bevölkerung verlieren, müssten sich etwas einfallen lassen, so seine Devise. Dass dabei auch zunächst abwegig Scheinendes funktionieren kann, sei im Waldviertel in Niederösterreich zu sehen. Was in Luckau und Umland die Biene erst noch werden soll, sei dort bereits der Mohn. "Eine ganze Region im Waldviertel lebt vom Mohndorf als Marke", sagt Karche-Zaackos Ortschef und fühlt sich angespornt.