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Tourismuswerbung für Golßen

Golßen. Fast 20 000 Übernachtungen weist die Statistik für das vergangene Jahr in Herbergen von Golßen und dem Umland aus. Über den Dahme- und den Gurken-Radweg kommen zudem Tagesausflügler in die Stadt. Carmen Berg

"Das ist erfreulich", so Hartmut Lehmann, in der Verwaltung des Amtes Unterspreewald zuständig für Tourismus und Vereine. Doch vor dem Bildungs- und Kulturausschuss jüngst räumte er auch ein: Zwar bestehen einzelne attraktive Angebote. "Aber bei nüchterner Betrachtung sind Golßen und Umgebung noch keine touristisch entwickelte Region." Der Ausschuss hatte bereits in seiner November-Beratung Defizite bei der Vermarktung moniert. Geworben wird vorwiegend über Broschüren, die vom Tourismusverband Spreewald erstellt werden. Eine eigene Homepage der Stadt, seit Jahren im Gespräch, soll jetzt ans Netz gehen, kündigte Hartmut Lehmann an. Sie solle sowohl Touristen als auch Neubürgern bei der Orientierung helfen. Die Inhalte seien gefüllt und die Seite sei technisch so angelegt, dass sie auch per Smartphone abrufbar ist, sagte er.

Die Stadt und ihre Ortsteile werden vorgestellt, ebenso soll es einen Überblick zu Schule, Kitas und Vereinen geben. Geplant sei weiter ein Bereich für die Wirtschaft, auf den sich Firmen verlinken können.

Knackpunkt: Der Internetauftritt wird wegen Golßens knapper Kasse eine Sparvariante mit der Option auf einen künftigen Ausbau sein. 600 Euro stellt die Stadt laut Verwaltung zur Verfügung.

Oliver Franck, sachkundiger Einwohner, forderte: "Von einer Webseite erwarte ich Aktualität, ständig wechselnde Fotos, eine Verknüpfung mit facebook, Einladungen zu den wechselnden Events. Sonst bietet sie nichts Neues und bleibt staubig." Seiner Schätzung zufolge würden dafür rund 2000 Euro gebraucht. Der Ausschuss regte an, nach Finanzierungswegen zu suchen, beispielsweise über Anzeigen Gewerbetreibender. Sei das nicht gewollt, müsse die Stadt sich positionieren.

Aus Sicht der Verwaltung sind Werbung und Marketing in erster Linie Sache jedes einzelnen Anbieters. Ausschuss-Vorsitzende Yvonne Menzel sagte dazu, viele Gewerbetreibende seien bereits im Netz präsent. "Aber wer auf dem Marktplatz landet, was essen will oder eine Übernachtung braucht, möchte einen schnellen Überblick und sich nicht durch verschiedene Links klicken." Golßens stellvertretende Bürgermeisterin Annett Schmidt erklärte: "Dass die Golßener Seite in Angriff genommen wird, ist ein guter Anfang. Darauf kann man aufbauen."

Für ausbaufähig hielt das Gremium außerdem die Beschilderung in der Stadt. Das Schwimmbad, das jeden Badegast dringend braucht, sei nicht so leicht zu finden, es sollte auffälliger ausgeschildert sein. Auch hier verwies Hartmut Lehmann auf die finanzielle Machbarkeit. 3000 Euro seien für einen Golßen-Flyer und Schilder vorgesehen gewesen, doch die Ausgabe musste auf 2018 verschoben worden.

Heinz Brzezinski, Betreiber einer Pension in der Golßener Schulstraße, ärgerte sich: "Über die Schilder reden wir schon ewig." Er erzählte von einer Radlergruppe, die ratlos gesucht habe, wo es zum GurkenRadweg geht. Der Herbergswirt erneuerte ein Angebot an das Rathaus von vor zehn Jahren: "Ich bezahle ein Schild und den Pfahl dazu, das macht keine 100 Euro. Sicherlich würden auch andere mitziehen."

Hartmut Lehmann griff die Anregungen auf und legte zugleich den Finger auf die Wunde. Zunächst einmal müsse sich Golßen grundsätzlich entscheiden, wo der Tourismus hingehen soll, ob es gewünscht sei, dasss mehr Touristen aus dem Spreewald den Marktplatz bevölkern. Im Gegensatz zu Nachbarorten habe die Stadt kein Tourismuskonzept. Doch das von professionellen Büros konzipieren zu lassen, sei teuer. Sein Vorschlag deshalb: Ein Wirtschaftsstammtisch mit örtlichen Anbietern, um Defizite konkret zu machen und gemeinsam Lösungen zu erörtern.