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Tourismus-Perle am Tagebaurand

Noch gut in Erinnerung: Viele Freiwillige aus dem Dorf hatten bei der Vorbereitung des 11. Dorf- und Erntefestes Hand angelegt.
Noch gut in Erinnerung: Viele Freiwillige aus dem Dorf hatten bei der Vorbereitung des 11. Dorf- und Erntefestes Hand angelegt. FOTO: fza1
Fürstlich Drehna. Unlängst hat Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) den Fürstlich Drehnaern Tafeln für ihre Ortseingänge mit der Aufschrift "Historischer Dorfkern" überreicht. Damit ist der Luckauer Ortsteil aufgenommen in die Arbeitsgemeinschaft Historische Dorfkerne Brandenburgs. Carmen Berg

Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, ländliche Dorfstrukturen und historische Bausubstanzen zu erhalten. Fürstlich Drehna - ein Ort am Rande des ehemaligen Tagebaus - hat eine Menge davon. Aufwendig sanierte Gebäude wie das zum Hotel umgebaute Wasserschloss, der Gasthof "Zum Hirsch", das Café Alte Schule oder die Bockwindmühle, die 2010 vom Kippenrand auf den Mühlenberg zurückgekehrt ist, ziehen Touristen an. "Besonders am Wochenende ist richtig was los. Ich hätte nicht gedacht, dass sich der Tourismus mal so entwickeln würde", gesteht Ortsvorsteherin Annegret Haupt.

Anteil daran haben neben der schönen Kulisse die Bewohner des 300-Seelen-Dorfes, die mit Herz in vielen Freizeitstunden Veranstaltungen auf die Beine stellen. Noch in bester Erinnerung ist das Dorf- und Erntefest im Jahr 2014. Ob beim Moto-Cross mit Tausenden Besuchern, beim Mühlentag oder bei Kultur-Events im Park: "Wir unterstützen uns gegenseitig", sagt Ardo Brückner, Vorsitzender des Heimatvereins. Auch Hoteldirektorin Andrea Scholz lobt das Zusammenspiel mit Gewerbe und Dorf. Hotelgäste nutzen gern die Kabarettabende im Gasthof "Zum Hirsch", der Heimatverein bietet Parkführungen und Themenabende an.

Das örtliche Gewerbe profitiere von den Gästen. Und weil was los sei, kommen junge Leute wieder in die Heimat zurück, bauen sich hier Häuser, sagt Annegret Haupt.

Fakt ist: Fürstlich Drehna ist zu einer Perle geworden. Doch sie am Glänzen zu halten, bedeutet für die Ehrenamtler hohen Aufwand, "oft bis an die Grenzen der Belastbarkeit", so die Ortsvorsteherin. Deshalb wird beim RUNDSCHAU-Forum am 21. September auch darüber zu reden sein, wo die Fürstlich Drehnaer Hilfe brauchen.

Eine solche Sache sind Orientierungshilfen für Touristen auf den Wegen außen um das Dorf. "Ich wohne am Rand des Tagebau-Sperrgebietes. Oft stehen Gäste vor meiner Tür und fragen, wie sie weiterkommen", sagt Annegret Haupt. Zwar habe der Naturpark Niederlausitzer Landrücken Rad- und Wanderwege ausgeschildert, doch es bleiben Lücken. Die wollen die Fürstlich Drehnaer gern auf eine Weise schließen, die zum Charakter des Dorfes passt. "Steine mit Aufschriften sind unsere Idee, aber vielleicht haben Profi-Touristiker ja noch eine bessere", hofft die Ortsvorsteherin. "Schön wäre es auch, jemanden zu finden, der uns eine App entwickelt", fügt sie an.

Gäste, wenn sie unterwegs sind, müssen mal aufs stille Örtchen. In Fürstlich Drehna ein Problem. "Es gibt öffentliche Toiletten inklusive Behinderten-WC, die von der Schlössergesellschaft in der Remise des Gärtnereihauses eingebaut wurden.

Doch es fand sich bisher kein Weg, sie durchgängig zu bewirtschaften. Touristen in Not sind auf die Lokale angewiesen. "Die Wirte sind zwar hilfsbereit, doch das kann nicht die Lösung sein", sagt Annegret Haupt.

Eine Belastung anderer Art seien Laster auf historischem Pflaster, die zur Brauerei oder zum Schloss fahren. Deshalb wollen die Fürstlich Drehnaer erreichen, dass ihr Dorf zur Tempo-30-Zone wird.

Über das und mehr, über Chancen des Tourismus und auch über Herausforderungen, die er mit sich bringt, wollen wir mit kompetenten Gästen und mit den Bürgern von Fürstlich Drehna beim RUNDSCHAU-Forum "Vor Ort" ins Gespräch kommen.