| 16:27 Uhr

Buch vorgestellt
Kultkicker trainiert Gefangene in Duben

Torsten Mattuschka (links) erfüllt Gefangenen Autogrammwünsche. Der Kultkicker war in der Justizvollzugsanstalt Luckau-Duben zu Gast.
Torsten Mattuschka (links) erfüllt Gefangenen Autogrammwünsche. Der Kultkicker war in der Justizvollzugsanstalt Luckau-Duben zu Gast. FOTO: Andreas Staindl
Duben. Ex-Fußballprofi Torsten Mattuschka war im Knast zu Gast.

Der Ex-Fußballprofi und gebürtige Cottbuser Torsten Mattuschka war im Knast. Nicht weil er straffällig geworden ist, sondern Gefangene dort trainiert hat. Die Trainingseinheit in der Justizvollzugsanstalt (JVA) kürzlich in Luckau-Duben war quasi das Aufwärmprogramm für die folgende Lesung. Mattuschka – der unter anderem für Energie Cottbus und Union Berlin die Schuhe schnürte – wurde dabei von Matthias Koch begleitet.

Der Sportjournalist hat die Biografie des Fußballers geschrieben. „Torsten Mattuschka – Kultkicker mit Herz und Plauze“ heißt das Buch. Doch bevor gelesen und Anekdoten preisgegeben wurden, rollte der Ball. Neun männliche Strafgefangene hatten Lust, mit dem Ex-Profi zu trainieren. „Ich bin Tusche“, machte der gleich zu Beginn klar. „Alles easy, ganz locker.“

Gefangene schoben sich die Bälle hin und her. Eine große Herausforderung war das noch nicht. Torsten Mattuschka erhöhte die Schwierigkeit. Den Ball annehmen und mit dem Oberschenkel weiter auf den Kopf befördern. Das brachte den einen oder andern Inhaftierten schon an seine Grenzen – nicht aber Marcel. Er hielt problemlos mit, nahm den Ball geschickt an und leitete ihn gekonnt weiter.

Dem Kultkicker ist das Talent des Gefangenen nicht entgangen. Er hat sich mit ihm die Bälle zugespielt. „Macht Spaß mit Tusche“, wird Marcel später sagen. Und erzählen, dass er in Herzberg (Elbe-Elster) aktiv Fußball gespielt, dort in der Landesliga gekickt hat. Aktuell kann er seinem Hobby nur eingeschränkt nachgehen, auch wenn in der JVA regelmäßig Fußball gespielt wird, wie der junge Gefangene sagt.

Doch mit einem früheren Profi-Fußballer spielen, das ist dann doch etwas Besonderes. Dass Marcel und die anderen Häftlinge zwar Respekt vor Torsten Mattuschka haben, ihn dennoch aber nicht freiwillig gewinnen lassen, wurde im abschließenden Spiel deutlich. Tusche, der sich ins Tor seiner Mannschaft gestellt hatte, um das Spiel von hinten heraus zu dirigieren, musste schon nach wenigen Sekunden das erste Mal den Ball aus dem Netz holen. Vor allem Marcel zog immer wieder ab, erzielte einen Treffer nach dem anderen.

Auch bei anderen Gefangenen blitzte Talent auf. Der Spaß war ohnehin offensichtlich. Den hatte Torsten Mattuschka offenbar auch während seiner sportlichen Karriere. Wie die verlaufen ist, hat Matthias Koch in der Biografie des Fußballers festgehalten. Die Karriere des jungen Mattuschka wäre fast schon zu Ende gewesen, bevor sie überhaupt richtig begonnen hatte. Obwohl fußballerisch überzeugend, flog er mit 15 Jahren von der Sportschule in Cottbus – wegen mangelnder schulischer Leistungen. Die zehnte Klasse hatte er nach elf Schuljahren geschafft. Mattuschka sagt heute, dass er wohl „fleißiger hätte sein müssen und weniger Blödsinn machen sollen“.

Und doch bekam er die Chance, sein Talent zu zeigen. Für Energie Cottbus durfte Tusche in der 1. und 2. Bundesliga spielen. Auch mit Union Berlin spielte er in der zweithöchsten deutschen Spielklasse. Dort war der 37-Jährige Publikumsliebling und Identifikationsfigur-Kultkicker halt. Inzwischen spielt er für den Oberliga-Aufsteiger VSG Altglienicke, trainiert dort auch die A-Jugend.

Matthias Koch begleitet dessen Karriere seit vielen Jahren. Dem Sportjournalisten ist es gelungen, ein sehr authentisches Bild des Kultkickers zu zeichnen. Familienangehörige, Freunde, Mitspieler und Trainer kommen in dem Buch zu Wort. Auch Torsten Mattuschka selbst gibt vieles preis. Einiges verrieten er und der Autor während der Lesung im Knast. Sie machten locker und unterhaltsam Lust auf das Werk. Einige Gefangene werden jetzt darin stöbern. Sie haben die Biografie des Fußballers erworben, sich zudem Autogrammkarten von ihm mit persönlichen Widmungen unterschreiben lassen. Auch der Anstaltsleiter Hanns Christian Hoff hat sich ein Autogramm mit Widmung besorgt-für seine Tochter, die ebenfalls Fußball spielt wie er erzählt. Für Torsten Mattuschka und Matthias Koch war es jetzt die zwölfte gemeinsame Lesung wie sie sagen. Der Kultkicker zumindest würde gern wiederkommen: „Jederzeit, auch für ein Turnier.“