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| 15:52 Uhr

Tödliche Gefahr für Rehkitze

Zehntausende Wildtiere wie Rehe, Feldhasen und Kiebitze sterben jährlich den "Mähtod", kritisieren Tierschützer.
Zehntausende Wildtiere wie Rehe, Feldhasen und Kiebitze sterben jährlich den "Mähtod", kritisieren Tierschützer. FOTO: Deutsche Wildtier Stiftung/LR/Schubert
Gießmannsdorf. Weil junge Rehe für Fressfeinde leichte Beute sind, verstecken sie sich im hohen Gras und werden dabei häufig Opfer von Mähmaschinen. Doch es gibt Möglichkeiten, das zu verhindern. Daniel Friedrich

Eine Ricke steht am Wiesenrand und ruft vergeblich nach ihrem Jungen. Doch das Kitz kann sie nicht mehr hören. Das hohe Gras, in dem das junge Reh eigentlich Schutz vor Füchsen und Wölfen suchte, wurde ihm zum Verhängnis - eine Mähmaschine hat das Tier erfasst.

Ingrid Stephan sind die Schreie der Rehmutter vor einigen Tagen noch gut im Gedächtnis: "Jedes Jahr im Sommer widerfährt ihnen das gleiche Schicksal. Die Kitze werden wortwörtlich geschreddert, das ist schrecklich", sagt die Rentnerin, die an einem Feld in Gießmannsdorf wohnt. Einige Landwirte würden getötete Rehe skrupellos in Kauf nehmen und sie anschließend auf der Wiese liegen lassen.

Der Amtstierärztin des Landkreises Dahme-Spreewald, Jana Guth, ist das Thema bekannt: "Von uns werden die Landwirte regelmäßig darauf hingewiesen, sich mit den Jagdpächtern vor der Ernte zu verständigen, um gemeinsam eine Lösung zu finden." Allerdings sei ihr keine gesetzliche Regelung bekannt, die die Landwirte zum Absuchen der Felder vor der Mahd verpflichtet. "Das ist, angesichts der Flächengrößen und der nötigen Engmaschigkeit der Absuche, sicher auch nicht leistbar - weder durch Landwirte noch durch den Einsatz von uns bekannter Technik." Zudem seien die Mähwerke inzwischen so breit, dass ein Landwirt beim Mähen mitunter ein verletztes Reh gar nicht bemerke.

Juristisch gesehen greife in diesem Fall das Jagdrecht, so die Amtstierärztin: "Da das Reh ein Wildtier ist, hat nur der Jäger das Recht, es zu bejagen oder zu erlegen." Der Landwirt dürfte dem Tier, auch aus tierschutzrechtlicher Sicht, also nicht einmal helfen. Er müsste zwingend den Jagdpächter informieren.

Damit es gar nicht erst dazu kommt, wurden verschiedene Präventionsmaßnahmen entwickelt. Kamen in der Vergangenheit mancherorts Wärmebildkameras an den Mähwerken zum Einsatz, sind es heute Kamera-Drohnen, die ein Feld vorab nach Rehkitzen absuchen. Teils werden auch Hunde mit Maulkorb und langer Leine in die Felder geschickt. Allerdings kosten diese Maßnahmen Zeit und Geld.

Wolfram Schwarzer vom Jagdverband Luckau kennt noch andere Möglichkeiten: "Ich empfehle, zwei Nächte vor der Mahd Plastiksäcke am Wiesenrand zu befestigen. Das Rascheln bei Nacht vergrämt die Tiere und sorgt dafür, dass die Ricke ihr Kitz wegführt oder es gar nicht erst in der Nähe ablegt." Eine ähnlich abschreckende Wirkung hätten auch gelbe Warnlampen, wie man sie von Straßenbaustellen kennt. "Grundsätzlich ist es immer sinnvoll, dem Jäger tagesaktuell mitzuteilen, welcher Schlag gemäht wird. Das funktioniert je nach Landwirt mal mehr und mal weniger gut", berichtet Schwarzer.

Für welche Variante sich die Landwirte auch immer entscheiden, Ingrid Stephan ist vor allem eines wichtig: "Tiere sind unsere Mitgeschöpfe und ich wünsche mir einfach etwas mehr Mitdenken."