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| 17:13 Uhr

Kranichbilanz im Naturpark Niederlausitzer Landrücken
Tausende Kraniche trotz Dürre

Vereinzelt sieht man sie noch auf Feldern und an Gewässern, doch der Großteil hat sich schon auf den Weg in südlichere Gefilde gemacht: Seit einigen Jahren treffen sich Kraniche in der Bergbaufolgelandschaft im Naturpark Niederlausitzer Landrücken. In Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen werden sie beobachtet – und gezählt.
Vereinzelt sieht man sie noch auf Feldern und an Gewässern, doch der Großteil hat sich schon auf den Weg in südlichere Gefilde gemacht: Seit einigen Jahren treffen sich Kraniche in der Bergbaufolgelandschaft im Naturpark Niederlausitzer Landrücken. In Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen werden sie beobachtet – und gezählt. FOTO: Ralf Donat
Wanninchen. Welche Einflüsse auf den Kranichbestand wirken, erklärt Ralf Donat von Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen. Von Liesa Hellmann

1071. Die Zahl steht mit weißer Kreide auf eine Tafel geschrieben, darunter stehen die Worte „Luckauer Becken“. Daneben steht „Borcheltsbusch: 0“. Die Zahlen geben an, wie viele Kraniche am 5. November an den beiden Orten gezählt wurden. An dem einen Rastplatz wurden also mehr als tausend Kraniche gesehen, an dem anderen kein einziger. Warum?

„Die Wasserfläche Borcheltsbusch ist wegen der Trockenheit im Sommer ausgetrocknet, deshalb hat kein Kranich dort übernachtet“, erklärt Ralf Donat, Leiter der Sielmann Naturlandschaft Wanninchen. Donat kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit und die naturschutzfachliche Begleitung in der Bergbaufolgelandschaft. Dazu gehört auch, die Kraniche zu zählen, die sich jedes Jahr in dem Gebiet für den Weiterflug nach Spanien und Frankreich sammeln.

Zirca 8000 Kraniche haben von September bis November 2018 im Naturpark Niederlausitzer Landrücken übernachtet. Sielmanns Naturlandschaft erstreckt sich im Naturpark über 3300 Hektar. Mit ihren Seen und Mooren und den umgebenden landwirtschaftlichen Gebieten bietet sie gute Bedingungen für Kraniche auf der Durchreise. „Es ist immer problematisch, wenn ein Schlafplatz wegfällt“, sagt Donat, „allerdings sind durch die Trockenheit auch Seen etwas ausgetrocknet, wodurch andere Flachwassergewässer entstanden sind, auf die die Kraniche ausweichen konnten.“

Ein größeres Problem sei die Dürre aber für die Brutkraniche. Viele der Kraniche, die im Herbst im Naturpark Station machen, kommen aus Nord- und Osteuropa, wohin sie im Frühjahr zum Brüten zurückkehren. In den vergangenen Jahren haben sich aber immer mehr Kraniche in der Region angesiedelt. Sie bauen ihre Nester auf von Wasser umgebenen Flächen und finden im Naturpark mit seinen Mooren und Weihern eigentlich gute Brutflächen. Wenn diese Wasserflächen jedoch austrocknen, können sie nicht mehr zum Brüten genutzt werden. „Die Nachwuchsrate der Kraniche ist bereits negativ. Wenn dann noch Brutflächen wegfallen, trifft es den Bestand noch mehr“, erklärt Donat. Sollten mehrere Jahre so trocken werden wie 2018, so Donat, würden die Moore geschädigt und Brutplätze der Vögel zerstört.

„Da Kraniche 20 Jahre alt werden können, fällt es nicht sofort auf, wenn mehrere Jahre kein Nachwuchs großgezogen wird. Nach mehreren Jahren kann der Bestand aber zusammenbrechen“, sagt Ralf Donat, „deshalb ist unsere wichtigste Aufgabe die Erhaltung von Lebensräumen zum Rasten, Schlafen und Brüten.“ Auch wenn der Naturpark gute Bedingungen für Kraniche auf der Durchreise bietet, seien die Lebensbedingungen in Südbrandenburg für Kraniche dennoch nicht optimal. „Die Jungen werden zum Teil nicht mehr satt, weil artenreiche Wiesen fehlen. Auch das Insektensterben spielt eine Rolle, und die Störungen nehmen zu“, erklärt Donat. Zu den Störern zählen beispielsweise Waschbären, die Gelege plündern und Wildschweine, die Kraniche aufscheuchen.

Manche Probleme sind auch menschengemacht: Immer wieder komme es vor, dass Kraniche in Windkraftanlagen zu Tode kämen, oder die Vögel durch Jagden, Feuerwerke und zu nahes Annähern gestört werden. „Wenn die Kraniche gestört werden, fliegen sie mehr herum, dadurch müssen sie auch mehr fressen, und damit belasten sie die Landwirtschaft mehr“, erklärt Ralf Donat. Denn Kraniche haben einen vielseitigen Speiseplan von der Maus bis zum Getreide und fressen im Herbst auch von neu angesäten Flächen. Donat wünscht sich deshalb, dass Landwirte Stoppelflächen länger stehen ließen, auf denen die Vögel ausreichend Nahrung finden: „Dann wäre der Druck auf aktive Felder geringer.“