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Tagespflege in Gebersdorf steht nicht infrage

Gebersdorf. Landrätin erteilt durchgehender Betreuung von Kindern bis zu sechs Jahren eine Absage. Möglich sind jedoch Ausnahmeregelungen. bkh1

Es war eine sachliche und ausführliche Gesprächsrunde, zu der sich Eltern, Tagesmütter und die Teltow-Fläming-Landrätin Kornelia Wehlan (Die Linke) zusammenfanden. Seit einem Jahr kämpfen die Eltern dafür, dass in der Kindertagespflege "Am Storchennest" im Dahmer Ortsteil Gebersdorf auch in Zukunft Kinder bis zum Schulalter betreut werden können.

Aufgrund einer Richtlinie des Kreises, abgeleitet vom Kinder- und Jugendhilfegesetz, ist dies jetzt nur noch bis zum Alter von drei Jahren möglich. Das können die Eltern nicht nachvollziehen, weil in den vergangenen 16 Jahren die Kinder von den Tagesmüttern bis zum Schuleintritt betreut wurden. "Wir sind als Eltern angetreten, weil wir unsere Kinder hier behalten wollen. Sie werden hier genauso gut gefördert, wie in den Kitas", erklärte Iris Schulze. Dies würden auch die Rückmeldungen von den Schulen bestätigen.

Zudem werde beispielsweise im Landkreis Potsdam-Mittelmark das Gesetz nicht so eng ausgelegt wie in Teltow-Fläming, brachten sie ein weiteres Argument ein. In dessen Richtlinie sei die Möglichkeit einer Tagespflege-Betreuung bis zu sechs Jahren enthalten.

Die Richtlinie folge dem Gesetz, stellte Landrätin Kornelia Wehlan (Die Linke) fest. Dem grundsätzlichen Anliegen der Eltern, dass Kinder im Alter von null bis sechs Jahren durchgehend in einer Tagespflege betreut werden, erteilte die Landrätin eine Absage. Als neue Erkenntnis nehme sie aus Gebersdorf mit, dass erstens gar nicht so viele neue Nachfragen zur Betreuung von Kindern durch die Tagesmütter in Gebersdorf vorliegen. Zweitens die Tatsache, dass aufgrund von Baumaßnahmen in Dahmer Kitas die Kapazitäten dort erschöpft sind. Darüber hatte die Dahmer Kämmerin Bärbel Schmidt informiert. "Es werden allerdings immer Einzelentscheidungen mit Ausnahmecharakter sein, die im Interesse des Kindes entsprechend der jeweiligen persönlichen Situation getroffen werden", stellte die Landrätin heraus.

Niemand stelle die Qualität der Tagespflege in Gebersdorf infrage, betonte auch Sozialdezernentin Kirsten Gurske. Die Kreisverwaltung habe bei allen Brandenburger Landkreisen und kreisfreien Städten nachgefragt, wie sie mit dieser Problematik umgehen. Die Aussagen dazu seinen nahezu einhellig: "Der besondere Bedarf eines Kindes muss in jedem einzelnen Fall beschrieben werden, warum es nicht für die Kita geeignet ist."

Mit ihrem Kollegen im Landkreis Potsdam-Mittelmark habe sie persönlich gesprochen. Dort sei die Betreuung bis zum Alter von vier Jahren möglich, dann jedoch sollte das Kind in eine Vorschulsituation - also eine Kita - kommen.

Darüber hinaus will die Kreisverwaltung zeitnah die kritisierte Richtlinie überarbeiten. Alle Tagesmütter und Eltern hätten dazu Fragebögen erhalten. "Was dort aufgeschrieben ist, wird in der Diskussion zur neuen Richtlinie Berücksichtigung finden", versicherte Kornelia Wehlan. Aus ihrer Sicht sei es außerdem notwendig, die Arbeit der Tagesmütter insgesamt aufzuwerten. Eine Möglichkeit, die Kinder in Gebersdorf weiterhin bis zum Schulalter zu betreuen, sei der Zusammenschluss mit einer größeren Kita in Dahme. Das Storchennest wäre dann eine sogenannte Filialkita, regte Sozialdezernentin Kirsten Gurske an.