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Für Bedürftige
Neben Essen bald auch Kleider

Die Helferinnen Ilona Liebach (l.) und Inge Meier bereiten die Ausgabe vor. Verteilprobleme, wie sie beispielsweise in Essen Schlagzeilen machten, kennen die Ehrenamtlichen in Golßen nicht.
Die Helferinnen Ilona Liebach (l.) und Inge Meier bereiten die Ausgabe vor. Verteilprobleme, wie sie beispielsweise in Essen Schlagzeilen machten, kennen die Ehrenamtlichen in Golßen nicht. FOTO: Carmen Berg / LR
Golssen. Golßener Tafel wird nach Wiedereröffnung rege genutzt und erweitert ihr Angebot. Von Carmen Berg

Es ist Dienstagmorgen. Eine Stunde vor Öffnung herrscht bei der Tafel am Stadtwall 16 reger Betrieb. Die ehrenamtlichen Helfer laden Kisten mit Lebensmittelspenden aus und füllen die Regale. Im neuen Ausgaberaum sind die Abläufe noch ungewohnt. „Es ist etwas weniger Platz, aber das wird schon“, sagt Helferin Ilona Liebach. Die Ausgabe ist innerhalb des Hauses umgezogen. Wo bislang die Lebensmittel an Bedürftige verteilt wurden, entsteht eine Kleiderkammer.

Auf Initiative des Golßener Bürgermeisters Hartmut Laubisch (SPD) wurde die Tafel vor ein paar Monaten wieder in die Stadt zurückgeholt, nachdem eine Zeitlang Luckau Anlaufstelle für Bedürftige war „Wir haben festgestellt, dass der Weg  für viele aus der Golßener Umgebung doch zu weit war und haben darauf reagiert“, sagt Manuela Krawietz. Sie ist beim Betreiber, dem Albert-Schweitzer-Familienwerk Brandenburg, Koordinatorin für die Tafeln in Lübben, Luckau und Golßen.

Alle drei Einrichtungen werden rege angenommen. In Lübben kommen laut Betreiber rund 420, in Luckau 400 Abholer im Monat. Die Tafel in Golßen verzeichnet monatlich 110 Abholer aus dem gesamten Umland bis Petkus und Baruth.

„Anfangs war es für mich schlimm, zur Tafel zu gehen“, sagt Seniorin Gudrun Pötzschke, die nur eine kleine Rente hat. „Ich habe mein Leben lang gearbeitet und hätte nie gedacht, dass ich mich mal für Essen anstellen muss“, gesteht sie. Doch die Helfer seien nett, und sie treffe hier auch Bekannte zum Reden. „Inzwischen warte ich schon darauf, dass wieder Dienstag ist“, so Gudrun Pötzschke.

Jutta Wolter und die Enkel Jennifer (12) und Thomas (8) wohnen im Paplitz. Auch ihre Familie hat ein sehr kleines Budget. Sie würde gern in den Ferien mal ins Erlebnisbad nach Luckenwalde, doch das sei viel zu teuer, erzählt Jennifer. Ihre Großmutter sagt, die Lebensmittelspenden seien eine große Hilfe. „Daraus wird bei uns manche schöne Mahlzeit gemacht.“

Worte, die Christine Kranhold gut nachvollzeihen kann. Sie sei selbst Klientin bei der Tafel gewesen, so die Mutter zweier Söhne. Jetzt wolle sie ihre Elternzeit nutzen, um ehrenamtlich anderen etwas zurückzugeben, erzählt sie.

Demnächst werden Bedürftige im Haus am Stadtwall auch die  Kleiderkammer nutzen können. Gegründet vom Golßener Willkommensbündnis für Geflüchtete, kommt in neuer Trägerschaft das Angebot nun allen zugute, die es brauchen. Helferin Christa Schmidt  ist dabei, den Raum herzurichten. „Wir haben wirklich sehr schöne Sachen für Kinder und Erwachsene“, freut sie sich beim Auspacken der Kartons. Die Idee ist es, dass Klienten der Tafel Wartezeiten nutzen, um in den Kleiderständern zu stöbern. Wer noch gut erhaltene Kleidung, Geschirr oder Haushaltstextilien abgeben möchte, kann dies ebenfalls während der Öffnungszeit der Tafel dienstags ab 10 Uhr tun. „Auch bei den Tafeln in Lübben oder Luckau ist die Abgabe von Spenden für die Golßener Kleiderkammer möglich“, sagt Manuela Krawietz. Ende April, so schätzt Christa Schmidt, wird die Kleiderkammer fertig sein.

Zur Tafel in Golßen gehört künftig eine Kleiderkammer. Helferin Christa Schmidt sagt: Wir haben für die Bedürftigen schöne Sachen.
Zur Tafel in Golßen gehört künftig eine Kleiderkammer. Helferin Christa Schmidt sagt: Wir haben für die Bedürftigen schöne Sachen. FOTO: Carmen Berg / LR