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| 02:43 Uhr

Surfen, Streamen und digital Fernsehen

Stets besetzt war der interaktive Rennwagen. Wie Nico Rosberg konnte sich darin auch Philippa Gerber am Lenkrad fühlen, die mit ihren Schwestern Elena und Anna viel Spaß dabei hatte.
Stets besetzt war der interaktive Rennwagen. Wie Nico Rosberg konnte sich darin auch Philippa Gerber am Lenkrad fühlen, die mit ihren Schwestern Elena und Anna viel Spaß dabei hatte. FOTO: Birgit Keilbach
Schlabendorf am See. Superschnelles Internet mittels Mobilfunk funktioniert auch auf dem Land. Praktisch vorgeführt wurde dies am Samstag im Forscherlabor "Kinderreich" in Schlabendorf am See. Birgit Keilbach / bkh

Ein kleiner weißer Kasten hängt an der Hauswand. Er empfängt das drahtlose Breitbandsignal vom Sendemast in Garrenchen. 40 mal 40 Zentimeter groß ist diese spezielle Empfangsanlage. "Der Montageaufwand ist ähnlich wie bei einer Satellitenschüssel", erläutert Nokia-Mitarbeiter Dirk Bornemann. Dazu gehört ein spezieller Router. Das ist schon alles, was ein Haus im ländlichen Raum braucht, um eine hoch leistungsfähige Breitbandverbindung zu haben, wie sie in Ballungsräumen und vielen Städten bereits Standard ist. Statt zu jedem Gebäude über weite Entfernungen ein Glasfaserkabel zu verlegen, muss diese Verbindung nur zu einem Sendemast hergestellt werden.

Von dort aus können mittels hoher LTE-Frequenzen von 1,8 und 2,6 Gigahertz große Datenmengen gezielt an die Empfangsanlagen gesendet werden. Eine stabile Datenübertragungs-Geschwindigkeit von mehr als 70 Megabit je Sekunde (Mbit/s) im Download wird damit erreicht. Nachweisbar stabil ist diese von Garrenchen aus laut Dirk Bornemann nicht nur im 3,4 Kilometer nahen Schlabendorf (Stadt Luckau), sondern auch im 8,5 Kilometer entfernten Groß Jehser (Stadt Calau) und im 11 Kilometer weit gelegenen Gehren (Gemeinde Heideblick).

Diesen Beweis treten die beteiligten Projektpartner am Samstag in Schlabendorf an. An verschiedenen Orten werden unterschiedliche Anwendungen vorgeführt. Alle nutzen die eine drahtlose Internetverbindung. Im Haus erläutert und demonstriert Regina Funk von der Firma Minhoff, wie ein Smartboard, geläufiger als interaktives Whiteboard, für den Schulunterricht genutzt werden kann. Birgit Kalz bringt nahe, wie interaktive Anwendungen für das Forscherlabor nutzbar sind. In einem umgebauten Bus führt Antje Minhoff Software- Anwendungen für Unternehmen vor. Online-Konferenzen sowie gleichzeitiges, interaktives Arbeiten an einem Projekt von verschiedenen Orten aus sind Beispiele. Das macht Homeoffice auch im ländlichen Raum möglich. Im Zelt beeindruckt ein ruckelfreies, gestochen scharfes, teils sogar dreidimensionales Bild auf einem Fernseher der neuesten Generation (4K). Dieser Tag in Schlabendorf zeigt: Mit einer hochwertigen Breitbandverbindung über LTE wird fortschritttliche Technologie auch im ländlichen Raum nutzbar.

"Moro digital" nennt sich das bundesweite Forschungsprojekt, das Alternativen zu teuren Glasfaserkabeln entwickelt hat. Weiße Flecken auf der digitalen Landkarte sollen damit verschwinden. Davon gibt es auch in Ortsteilen von Luckau und Calau noch etliche. Beide Städte schlossen eine Kooperationsvereinbarung mit den Forschern ab und wurden eine von sieben Modellregionen für "Moro digital".

Beide Städte verbinde das Interesse, die Einwohner in den Ortsteilen zu halten. "Sie müssen schon viele Abstriche bei Infrastrukutur und Versorgung machen. Deshalb wollen wir ihnen eine zeitgemäße Kommunikation ermöglichen, damit sie dort bleiben können und nicht wegziehen müssen", sagt Calaus Bürgermeister Werner Suchner (parteilos). Die Einwohner von Groß und Klein Mehßow hätten in einer Unterschriftensammlung mit Nachdruck auf das Problem aufmerksam gemacht. "Auch für den Tourismus ist das schnelle Internet notwendig. Besucher wollen heute eine interaktive Karte zum Wandern nutzen und WLAN sollte auch in Hotels und Pensionen verfügbar sein", nennt Werner Suchner weitere Punkte.

Aus Groß und Klein Mehßow waren Einwohner zum Informationstag gekommen. "Wir sind der einzige Ortsteil der Stadt Calau, der noch nicht erschlossen ist", sagt Gerd Kasprick. Dass die Technik funktioniere, stimme optimistisch. "Für uns ist das eine Option, diese Technologie nutzen zu können", resümiert der Groß Mehßower. Auch Katja und Cordan Börkey aus Berlin begrüßen die Initiative der Städte.

Bei der Urlaubsplanung spiele die Frage nach vorhandenem WLAN am Urlaubsort eine entscheidende Rolle. "Wir waren schon häufig im Spreewaldurlaub. Leider meist ohne Internetverbindung. Das ist aber wichtig, denn ich muss auch dann berufliche E-Mails checken", sagt Katja Börkey. Auch die digitalen Bücher und Filme seien bei Regenwetter nur über ein funktionierendes Internet abrufbar, ergänzt ihr Mann Cordan.

Zum Thema:
Der Testbetrieb des Modellprojektes "Moro digital" läuft laut Hubertus von Manstein noch bis Juni dieses Jahres. Er hat als Projektleiter die Partner zusammengebracht. Als nächster Schritt steht die Entwicklung wirtschaftlich tragbarer, kommerzieller Angebote auf dem Programm. Neben Unternehmen wie Telefonica und Enviatel sind auch regionale Anbieter interessiert, darunter die Firma Antennen Schulze aus Dahme. "Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat Fördermittel zugesichert, wenn sich Firmen finden, die die Ausstattung der Funkmaste und Häuser mit entsprechender Technik übernehmen", sagt Hubertus von Manstein.