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| 02:53 Uhr

Stundentakt und kürzere Fahrtzeit

Mitglieder der Bürgerinitiative "Pro Bahnhof Drahnsdorf" begrüßten den Landtagsabgeordneten Michael Jungclaus (r.) am Bahnhof.
Mitglieder der Bürgerinitiative "Pro Bahnhof Drahnsdorf" begrüßten den Landtagsabgeordneten Michael Jungclaus (r.) am Bahnhof. FOTO: bkh1
Drahnsdorf. Der bündnisgrüne Landtagsabgeordnete Michael Jungclaus besucht zurzeit jene Bahnhöfe im Land, an denen täglich weniger als 50 Fahrgäste ein- und aussteigen. Gestern machte er in Drahnsdorf Station. Knapp 30 Bürger nutzten die Gelegenheit, ihm ihre Sicht auf die der Dinge darzulegen. Birgit Keilbach / bkh1

So einen "großen Bahnhof" habe er nicht erwartet, scherzte der Landtagsabgeordnete angesichts der großen Gruppe, die zur Begrüßung auf den Bahnsteig gekommen war. Die Bürgerinitiative "Pro Bahnhof Drahnsdorf" hatte aufgerufen, die Gelegenheit zum Gespräch zu nutzen. Sie hatte im September 2013 eine Protestaktion gestartet, als aus Potsdam Schließungspläne für kleinere Bahnhöfe verlauteten. Diese wurden zwischenzeitlich zwar vom damaligen Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) wieder zurückgenommen. In der Gesprächsrunde mit Michael Jungclaus im Drahnsdorfer Gutshaus wurde jedoch deutlich, dass die Kuh längst nicht vom Eis ist. So habe Vogelsängers Amtsnachfolgerin Kathrin Schneider (parteilos) zwar erhebliche Verbesserungen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) angekündigt. "Doch es gibt keine Verbesserung ohne Kürzung an anderer Stelle. Das steht nach wie vor im Raum", so Jungclaus.

Laut einem Gutachten der Brandenburger Bündnisgrünen gehe es vielmehr um eine Verbesserung des Angebotes im ÖPNV. Statt über mangelnde Fahrgäste zu jammern, müsse über die Potenziale geredet werden, die mit einer besseren Verkehrsanbindung erschlossen werden. "Wie viele Menschen könnten mit der Bahn fahren? So muss die Frage lauten", sagte Jungclaus. In Drahnsdorf könnten es deutlich mehr sein, wenn der Zug zumindest in den Hauptzeiten des Berufsverkehrs morgens und abends stündlich hält. Denn für eine Reihe von Zuzüglern aus Berlin sei der nahe gelegene Bahnhof als Verbindung zum Arbeitsort ein wichtiges Entscheidungskriterium gewesen, sagte Lothar Treder Schmidt aus Caule. Es gebe genügend Berliner, die statt einer teuren Mietwohnung in der Hauptstadt ein Häuschen im Grünen - und nicht im Speckgürtel - vorziehen würden, ergänzte der Neu Drahnsdorfer Cyrus Khazaeli. Doch nur wenn die Bahnverbindung zum Arbeitsort stimme, dann könnten sie auch aufs Land ziehen.

"Aktuell hat sich die Fahrtzeit seit dem letzten Fahrplanwechsel um 20 Minuten verlängert", kritisierte seine Lebenspartnerin Andrea Weigt. 15 Minuten davon stehe der Zug in Zossen, um auf den Intercity zu warten. Eine Zuzüglerin fahre deshalb jetzt täglich nach Brand, "weil der Zug dort stündlich hält und sie schneller in Berlin ist." Das jedoch könne nicht der Weg sein. Die Strecke von Senftenberg nach Wittenberge (RE 2) habe schon die Grenze der Belastbarkeit erreicht, "die Kapazität dort ist am Limit", argumentierte der Lübbener Andreas Rieger.

Die Strecke von Elsterwerda nach Stralsund (RE 3) hingegen liege abseits der Kreisstädte und finde deshalb in den Gremien der Landkreise zu wenig Beachtung, benannte Lothar Treder-Schmidt ein weiteres Problem. "Der Landkreis Teltow-Fläming hält sich völlig raus, obwohl wir mehrere Dörfer haben, aus denen die Leute nach Berlin pendeln", hat der Besitzer der Bachmühle in Görsdorf, Frank Zelmer festgestellt. Auch für den Tourismus sei der Zwei-Stunden-Takt des RE 3 in Drahnsdorf von Nachteil. Radler aus Berlin würden deshalb in Uckro aussteigen, um zur Dahmequelle zu gelangen.

Die Bürgerinitiative hat ihre Forderungen nach dem Ein-Stunden-Takt und kürzerer Fahrtzeit in einem offenen Brief dargelegt und bereits 1000 Unterschriften dafür gesammelt. Diese sollen ergänzend zur Resolution für den Nahverkehr ans Brandenburgische Infrastrukturministerium gehen. Wer sich an der Aktion beteiligen möchte, kann sich unter pro.bahnhof.drahnsdorf@gmail.com melden.

Zum Thema:
Michael Jungclaus besuchte zuvor auch den Bahnhof in Walddrehna. Auch dort fordern die Bürger einen Halt im Stundentakt während der Berufspendlerzeiten. Weil bereits Bahnhöfe in der Umgebung geschlossen wurden, habe sich das Einzugsgebiet von Walddrehna vergrößert. Sowohl Touristen als auch die seit in Walddrehna untergebrachten Asylbewerber seien auf den Zug angewiesen.