Von Anja Brautschek

Kerzengerade schießt das Wasser auf dem Luckauer Marktplatz in die Höhe. Verschieden hohe Wasserfontänen sorgen für ein harmonisches Bild. Gebogene Wasserstrahlen ergänzen das Ensemble. Ein solches Wasserspiel könnte künftig die Blicke auf den Luckauer Marktplatz ziehen. Doch nicht alle Luckauer sehen die Planungen positiv. Auf der Einwohnerversammlung am Montagabend haben Stadtverordnete, Gewerbetreibende und interessierte Einwohner auch kritische Stimmen dazu geäußert.

„So ein modernes Wasserspiel passt einfach nicht zu unserem historischen Marktplatz“, bringt Gästeführerin Martina Werner die Kritik auf den Punkt. Touristen, die den alten Stadtkern erkunden, ziehe es als erstes auf den Marktplatz und zur alten Handpumpe. Diese soll jedoch im Zuge der Marktplatzumgestaltung näher an das Rathaus heranrücken. Die Gästeführerin fürchtet daher: „Besucher werden enttäuscht sein.“

Ähnlich sieht es auch Jutta Dzielak. Sie ist Vorstandsmitglied im Gewerbeverein „Wir für Luckau“ und hofft auf ein Umdenken. „So ein Wasserspiel ist kein Alleinstellungsmerkmal. Das gibt es bereits in vielen anderen Städten“, beklagt sie. Aus ihrer Sicht habe es an Alternativvorschlägen gemangelt. „Vielleicht wäre ja auch ein Wasserspiel im Kurvenbereich, der die Ortsteile widerspiegelt, möglich gewesen“, nennt sie ein Beispiel.

Bürgermeister Gerald Lehmann betont jedoch mehrfach, dass Meinungen der Bürger bei der Gestaltung des Marktplatzes einbezogen wurden. In drei Bürgerworkshops konnten sie Ideen und Anregungen einbringen. Der überwiegende Tenor, der an die Stadtverwaltung herangetragen wurde: ein auffäliges Gestaltungelement, das vom Charme der Häuserfassaden ablenkt, soll es nicht werden. „Wir möchten auf dem Marktplatz ein Kleinod für Familien schaffen, der zum Verweilen einlädt“, erklärt Bürgermeister Gerald Lehmann. Um das Ambiente dennoch nicht zu verändern, sollte es klein und eher unauffällig werden. So entstand die Idee des Wasserspiels. „Andere historische Städte haben es bereits vorgemacht. Von 31 Stadtkernen der AG historische Stadtkerne haben 19 ein Wasserspiel. Und keiner ist daran untergegangen“, sagt Harry Müller (UWG/FDP).

Für das geplante Wasserspiel in Luckau sollen insgesamt 14 Wasserdüsen bündig in den Boden eingelassen werden. Sie können das Wasser bis zu 1,5 Meter vertikal nach oben befördern. Eingebaute LED-Spots – farblich angepasst an die Straßenbeleuchtung – sollen zudem bei Dämmerung für ein elegantes Lichtspiel sorgen. Sind die Fontänen nicht in Betrieb, kann der Markplatz weiterhin für Veranstaltungen und den Wochenmarkt genutzt werden. Alles soll ebenerdig mit dem Pflaster abgeschlossen sein. In einem kaum wahrnehmbaren Schlitz wird das Wasser im Pumpenschacht gesammelt. Maximal 1,5 Kubikmeter Wasser fasst dieser. Das Wasser wird umgewälzt und muss in regelmäßigen Abständen ausgetauscht werden. „Um den Aufwand gering zu halten, wird auf eine Aufbereitung verzichtet. Sonst wäre ein größerer Schulungsbedarf des Personals notwendig“, erklärt Jeannine Oehlschläger. Sie ist Expertin für Brunnen und Wasserspiele und hat das Luckauer Modell entworfen. Von April bis Oktober könnte das Wasserspiel erfrischendes Nass zum Sprudeln bringen. Über eine Programmsteuerung können die Pumpen geregelt werden. Ähnlich einer Zeitschaltuhr bleibt der Platz somit an Markttagen trocken. Oehlschlägers Rat an die Stadt: tägliche Kontrollen erhalten die Technik langfristig.

„Aber wer soll das übernehmen? Die Kapazitäten des Bauhofes sind begrenzt. Und die Unterhaltungskosten summieren sich“, gibt Olaf Schulze (CDU) zu bedenken. Rund 120 000 Euro werden für den Bau des Wasserspiels notwendig sein. 80 Prozent davon können über die Stadtbauförderung finanziert werden. Expertin Jeannine Oehlschläger rechnet mit Kosten zwischen 10 000 und 12 000 Euro pro Jahr für Wartung und Unterhaltung der Technik. „Um die Aufenthaltsqualität zu verbessern, müssen wir auch mutig sein. Hätten wir nur das Finanzielle im Blick, so wäre das Freibad nicht so schön wie jetzt oder die Kultukirche“, entgegnet der Bürgermeister. Er will jedoch gemeinsam mit den Planern die Folgekosten und die Organisation der Kontrollwege noch einmal überdenken.

Sanierung des Marktplatzes Luckau Eine Frage der richtigen Balance