| 02:32 Uhr

Umweltschutz
Stoffbeutel statt Plastiktüte?

In der Adler-Apotheke in Dahme gibt es schon seit längerem keine Plastiktüten mehr zum Einkauf dazu. Inhaberin Karin Prietz hat stattdessen allen Stammkunden Stoffbeutel organisiert, die von vielen genutzt werden.
In der Adler-Apotheke in Dahme gibt es schon seit längerem keine Plastiktüten mehr zum Einkauf dazu. Inhaberin Karin Prietz hat stattdessen allen Stammkunden Stoffbeutel organisiert, die von vielen genutzt werden. FOTO: Daniel Friedrich
Luckau/Dahme. Viele Supermarktketten verzichten aus Umweltschutzgründen mittlerweile auf Plastiktüten oder stellen sie ihren Kunden in Rechnung. Wie sieht es bei den Einzelhändlern der Region aus? Daniel Friedrich

Plastiktüten haben seit einiger Zeit einen schlechten Ruf: Bilder von riesigen Müllbergen aus Plastik in den Ozeanen haben Unternehmen und Kunden aufhorchen lassen. Viele denken um, verbannen die Tüten, die meist direkt nach dem Einkauf in der Mülltonne landen, aus ihren Schränken und Regalen.

Seit über drei Jahren hat auch die Adler-Apotheke in Dahme Plastiktüten abgeschafft. "Jeder Stammkunde hat damals einen Baumwollbeutel bekommen, der mit unserem Logo bedruckt ist. So sollen die Kunden dazu animiert werden, bei ihrem Einkauf den Stoffbeutel nicht zu vergessen", sagt Inhaberin Karin Prietz. Die meisten würden den Beutel bis heute nutzen oder die Medikamente in die eigene Handtasche packen, so die Beobachtung der Apothekerin. Nur bei Bedarf gibt sie eine Papiertüte mit.

Gleich nebenan bedient Heike Deubner in der Parfümerie ihre Kunden. "Ich frage aktiv nach, ob meine Kunden eine Tüte haben möchten oder ob sie die Waren woanders verstauen können. Da ich für Plastiktüten 20 Cent berechne, ist der Verbrauch schon deutlich weniger geworden", sagt sie. Ähnliches berichten die Verkäuferinnen von Connys Hauswaren aus Dahme, bei denen kleine Plastikbeutel 5 Cent und große Tragetaschen 25 Cent kosten.

Sabine Goerlich vom Reformhaus in Luckau hat schon seit längerem auf recyclebare Mehrwegtüten umgestellt. "Die können unsere Kunden mehrmals nutzen. Für kleinere Einkäufe wie frisches Obst halte ich Papiertüten bereit", sagt die Inhaberin.

Auch bei Kaffee oder Speisen zum Mitnehmen fallen oftmals Verpackungen an, die nach dem Konsum schnell wieder im Mülleimer enden. Während viele Händler durch Preisaufschläge versuchen, die Kunden zu weniger Plastikmüll zu bewegen, sieht die Preisgestaltung bei Bäckerei Bubner genau umgekehrt aus: Hier erhalten Kunden, die sich in Luckau oder Calau ihr warmes Mittagessen in Plastik assiette und -tüte einpacken lassen, sogar fünf Prozent Rabatt. Grund dafür seien steuerliche Vorteile, die an die Kunden weitergegeben werden sollen, wie Unternehmenssprecherin Eva Kallinich mitteilt. "Aus hygienischen Gründen dürfen wir unsere Speisen auch nicht in selbst mitgebrachte Behältnisse füllen", sagt sie. Vorerst wolle man an dem - zumindest aus ökologischer Sicht - fragwürdigen Preiskonzept festhalten.

Auch die Golßener Fleisch- und Wurstwaren bieten auf Wunsch ihren warmen Mittagsimbiss zum Mitnehmen an - in Einwegschaumstoffbehältern und Plastiktüte ohne Preisaufschlag. Auf Nachfrage wollte sich das Unternehmen nicht dazu äußern.

Zum Thema:
Deutschland soll nach einer EU-Richtlinie bis Ende 2025 seinen Verbrauch auf höchstens 40 Tüten pro Einwohner (aktuell: 70 Tüten) senken. Supermarktketten wie Rewe, Lidl und Aldi haben bereits einfache Plastiktüten abgeschafft oder bieten sie nicht mehr gratis an. Die meisten Tüten bestehen aus Polyethylen, einem Plastik, das aus Erdöl hergestellt wird. Es zerfällt nur sehr langsam und gelangt über das Meer wieder zurück in die Nahrungskette.