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| 02:46 Uhr

Stimmung mit den Zempermiezen

Die Zempermiezen sind Mittwoch und Donnerstag kostümiert in Dahme von Haus zu Haus gezogen.
Die Zempermiezen sind Mittwoch und Donnerstag kostümiert in Dahme von Haus zu Haus gezogen. FOTO: Andreas Staindl/asd1
Dahme. Die Frauen zogen kostümiert von Haus zu Haus. "Ein Motto gibt es bei uns nicht", sagt Monika Lehmann, "schön bunt muss es aussehen. Andreas Staindl / asd1

" Sie war schon vor mehr als 30 Jahren dabei, als die Zempermiezen erstmals durch Dahme gezogen sind: "Es macht noch immer großen Spaß." Die Zempermiezen sind nicht zu übersehen, zu überhören auch nicht. Sie haben zwei Musiker dabei, führen zudem eine eigene Musikanlage mit. Die liegt in einem der beiden Kinderwagen, die die Frauen mitführen. Auch die eine oder andere Flasche Alkohol wandert dort hinein. "Die Leute sind großzügig, freuen sich schon immer auf uns", sagt Monika Lehmann.

In der VR Bank in der Hauptstraße wird das närrische Volk schon erwartet. Es gibt Sekt und Schnaps und Pfannkuchen. "Das machen wir immer so", sagt Manja Gernke, eine der beiden Beraterinnen. "Wir finden das cool, was die Zempermiezen machen. Zudem sind wir selbst gern lustig." Die Närrinnen wissen das. Sie schunkeln vor dem Bankschalter, stimmen ein Lied an: "Wo ist mein Geld nur geblieben?" Vielleicht im nächsten Haus? Die Mittelbrandenburgische Sparkasse (MBS) hat dort eine Filiale. Können die Zempermiezen dort auf Schlipsjagd gehen? Das gehört schließlich zur Weiberfastnacht dazu. Die Gruppe hat Glück. Adelheid Matzke hatte sich einen Schlips umgebunden. "Extra für die Zempermiezen", erklärt die Mitarbeiterin der MBS. "Wir haben ja keine Männer bei uns." Schnipp war ihr Schlips ab. Wie eine Trophäe wurde er an einem der Kinderwagen befestigt, in Nachbarschaft zahlreicher anderer abgeschnittener Schlipse aus mehr als drei Jahrzehnten.

Der Schalterraum der MBS-Filiale wurde inzwischen zur Tanzfläche. Polonaise war angesagt. Als Belohnung für die Stimmungsmacherinnen gab es Eierlikör. Prost Weiberfastnacht! Wo die Zempermiezen auch hinkommen, sie verbreiten gute Laune. Das war schon vor mehr als 30 Jahren so. Elly Liepe und Rosemarie Ohmenzetter waren die Gründerinnen der lustigen Gruppe. Ihnen kam während einer Weihnachtsfeier des Demokratischen Frauenbund Deutschland die Idee, Brauchtum wieder aufleben zu lassen. Seitdem wird immer donnerstags vor Rosenmontag in Dahme gezempert. Heidi Thieme ist von Beginn an dabei: "Den Spaß lass´ ich mir nicht nehmen." Doch ist es mit 76 Jahren nicht anstrengend, an zwei Tagen hintereinander stundenlang durch das Stadtgebiet zu ziehen? "Nein", sagt die rüstige Seniorin, "das hält mich fit." Und wie zum Beweis schunkelt und singt sie mit den anderen Frauen. Je länger die Zempermiezen unterwegs sind, umso mehr füllt sich ihre Geldbüchse. Das Geld wird nicht etwa versoffen - Zungenlöser gibt es ja genügend während des Zemperns. "Mit einem Teil der Spende verschönern wir unsere Stadt", sagt Monika Lehmann. "Wir haben schon Blumen gepflanzt, Bänke gestrichen, Rasenflächen gestaltet. Damit entlasten wir den Haushalt der Stadt." Und noch etwas ist Tradition, eine nette Geste auf jeden Fall. Einen Tag nach der Weiberfastnacht gehen die Zempermiezen auf den Friedhof in Dahme und besuchen dort die Gräber verstorbene Mitstreiterinnen. "Das ist uns genauso wichtig wie das Zempern zur Weiberfastnacht", sagt Monika Lehmann.

Zum Thema:
Die Zempermiezen zogen 1983 erstmals durch Dahme, damals noch als Ortsgruppe des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands (DFD). Wunsch der DFD-Führung war es, an Traditionen anzuknüpfen und das Zempern in Dahme aufleben zu lassen. Das Vorhaben ist gelungen. Etwa 20 Frauen ziehen seit mehr als 30 Jahren immer am Donnerstag vor Rosenmontag durch Dahme. Weil die Stadt so groß und die Frauen nicht mehr so schnell zu Fuß sind, wird inzwischen schon mittwochs begonnen.