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| 02:41 Uhr

Stifter, Kunst und Knast in Luckau

Marina Gadomski mit dem Niederlausitzschen Gesangbuch, das in der Ausstellung zum Reformationsjubiläum zu sehen sein wird.
Marina Gadomski mit dem Niederlausitzschen Gesangbuch, das in der Ausstellung zum Reformationsjubiläum zu sehen sein wird. FOTO: be
Luckau. Von spektakulärer Textilkunst über die Reformation bis zum Knast in der DDR reicht das Themenspektrum der Sonderausstellungen, die das Luckauer Niederlausitz-Museum unter seiner neuen Leiterin Marina Gadomski in diesem Jahr zeigen wird. Carmen Berg

Marina Gadomski, die zuvor zwei Jahre wissenschaftliche Mitarbeiterin im Hause war, ist seit Januar die Chefin des Luckauer Niederlausitz-Museums in der Kulturkirche. Ihr zur Seite steht mit Sebastian Kulling ein neuer Mitarbeiter. Für das Stammpublikum attraktiv bleiben, aber auch neue Gäste ansprechen, beschreibt Marina Gadomski die Herausforderung für das junge Tandem. Drei große Sonderschauen werden vorbereitet, die sehr unterschiedliche Themenfelder bedienen.

Den größten Umfang im Kalender nimmt eine Exposition zum 500. Jahrestag der Reformation ein. Sie betrachtet dabei ein bedeutendes Stück Luckauer Stadtgeschichte, die Entwicklung des Stiftungswesens. Bis in die Gegenwart profitiert die Gartenstadt von Menschen, meist ehemaligen Luckauern und deren Nachfahren, die mit ihrem Vermögen Gutes tun. Aus dem Nachlass von Margarete Köppchen wurden unter anderem altersgerechte Wohnungen am Kirchplatz finanziert, den Erhalt der vormaligen Stadtbibliothek ermöglichte die Ninnemann-Stiftung. Wie Marina Gadomski sagt, hat es schon vor der Reformation in Luckau ein reges Stiftungswesen gegeben, wenngleich aus anderen Motiven. Damals glaubten die Gebenden, sie könnten sich Seelenheil im Jenseits und womöglich eine Verkürzung der Zeit im Fegefeuer erkaufen, so die Museumsleiterin. Für den Stifter der Marienkapelle, heute Christuskapelle, in der Nikolaikirche mussten sechs Priester dort jeden Tag ein Stundengebet halten, nennt sie ein Beispiel. Kurios: Wenngleich der Hintergrund dafür mit der Reformation entfiel, existierte das Stundengebet bis zum Ende des 18. Jahrhunderts weiter. Lehrer und Schüler der benachbarten Schule übernahmen die Tradition von den Priestern, sagt Marina Gadomski.

Die Schau wird sich auch mit Persönlichkeiten befassen, die hinter den Stiftungen standen. Familien wie die Adamis prägten über Jahrhunderte das Luckauer Leben. Einer von ihnen, Johann Christian Adami (1689 bis 1753), wirkte als bedeutender lutherischer Theologe in der Stadt, zuletzt als Oberpfarrer und Schulinspektor. Sein Bild gehört zu den Pastorengemälden der Nikolaikirche, die mit Spendenhilfe restauriert werden. Neben einem Lutherbildnis wird es in der Sonderausstellung nach Jahren erstmals wieder zu sehen sein, kündigt die Museumsleiterin an.

Premiere in der Heimat

Ebenfalls eine Heimkehr, wenngleich ganz anderer Art, wird zuvor bereits vom 12. Februar bis zum 17. April die Sonderausstellung "Zwei Herzen hab ich…" mit textilen Collagen und Skulpturen von Brigitte Kopp. Die in Luckau lebende Künstlerin zeigt Arbeiten aus den letzten Jahren erstmalig in ihrer Heimat. Ihre Skulpturen und Wand-Objekte aus textilem Material wurden bereits in renommierten Museen in Europa und den USA ausgestellt und mit Preisen ausgezeichnet. Aus verschiedenen Lagen Stoff werden Reliefs, die man berühren möchte. Beeindruckend aber seien auch Brigitte Rupps "Zeichnungen", entstanden nicht mit dem Stift, sondern mit der Nähmaschine, macht Marina Gadomski neugierig.

Geschichte hinter Gittern

Ihr Kollege Sebastian Kulling, der in seiner früheren Tätigkeit die Dauerausstellung "Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus" mit konzipiert und gestaltet hat, legt Luckauer Museumsbesuchern schon jetzt die Sonderausstellung "DDR-Soldaten hinter Gittern" ans Herz. In der Wanderausstellung des Stadtmuseums Schwedt geht es vom 19. November über den Jahreswechsel bis zum 4. Februar 2018 um den Armeeknast in Schwedt als einen Ort der Repression. Für diese Schau biete die Luckauer Kulturkirche eine besonders passende Kulisse, weil sie über die Jahrhunderte bis in die jüngste Vergangenheit selbst Teil eines Gefängnisses war. Es liege nahe, den Bogen zu schlagen zur Dauerausstellung über die Luckauer JVA, die im Erdgeschoss der Kulturkirche zu besichtigen ist, sagt er.

Zum Thema:
Zur Finissage der Sonderausstellung "Zinngießer in der Niederlausitz - ein verschwundenes Handwerk" lädt das Museum für Sonntag, 29. Januar, um 14.30 Uhr ein. Es wird ein Begleitbuch vorgestellt, das auch im Museumsshop erworben werden kann.Höhepunkte im Veranstaltungskalender sind der Internationale Museumstag am 21. Mai, die Luckauer Museumsnacht am 2. Juni sowie das Museum im Abendlicht am 9. September.