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| 01:06 Uhr

Steinerne Zeugen der Eiszeit

Wanninchen.. Die Bagger in den Tagebauen legten nicht nur die Braunkohle frei. Noch mehr Wertvolles lag verborgen im Boden der Niederlausitz. Eine neue Ausstellung im Heinz Sielmann Naturparkzentrum zeigt diese „Schätze der Bergbaufolgelandschaft und Zeugen der Eiszeit“ . Nicole Freyler

Das Eröffnungsprogramm bietet am heutigen Samstag Vorträge von Experten und morgen um 10 Uhr einen Ausflug mit Förster Dieter Mudra zum Naturlehrpfad. Treffpunkt ist dann der Luttchensberg bei Zinnitz.
„Unsere Region ist steinreich - und das im wahrsten Sinne des Wortes. Findlinge und Feldsteine sind weit verbreitet“ , weiß Ralf Donat vom Naturparkzentrum in Wanninchen. „Es sind Gesteine aus Skandinavien, die mit den riesigen Eismassen während der letzten Eiszeit vor etwa 128 000 Jahren in unsere Breiten gelangten.“ Nur wenige große Findlinge liegen an der Erdoberfläche, und so gaben die Steinriesen wie etwa der Teufelsstein bei Gehren den Menschen in früheren Zeiten Rätsel auf. Sie konnten sich die Herkunft der Steine nicht erklären. Nicht selten lieferten die Findlinge Stoff für Märchen und Sagen.

Findlingsfunde dokumentiert
Mit dem Abbau der Braunkohle kamen viele Findlinge zum Vorschein. „Als störende Hindernisse für die Fördertechnik wurden sie auf Halden geschüttet, und die größten leider gesprengt“ , bedauert Ralf Donat. Bei der Sanierung der ehemaligen Tagebauflächen seien viele Findlinge wieder verschüttet, andere zur Gestaltung der neuen Landschaft verwendet oder auch verkauft worden. 1995 gründete sich in Cottbus im Förderverein „Niederlausitzer Kulturlandschaft“ der Arbeitskreis „Zeugen der Eiszeit“ , dessen Mitglieder sich der Dokumentation der Verwendung von Findlingen, dem Aufbau und der Betreuung von Findlingsgärten und Lehrpfaden sowie dem Anlegen von Gesteinssammlungen widmen.
Ein Teil dieser Sammlung, aber auch Exponate aus dem Museum für Natur und Umwelt in Cottbus, sind von heute an im Rahmen der neuen Ausstellung im Heinz Sielmann Naturparkzentrum in Wanninchen zu sehen. „Gezeigt werden Findlinge, so genannte nordische Geschiebe. Das sind zum Beispiel Porphyre, Gneise, Granite oder Sandsteine, die vom Eis von Skandinavien aus in unsere Region geschoben wurden. Aber auch versteinerte Korallen, Moostierchen, Seeigel, Donnerkeile und Schwämme sind zu sehen, die darauf hindeuten, dass es hier früher ein Meer gab. Zu bestaunen gibt es zudem Schmuck- und Edelsteine wie Achate oder Amethyste, die von der Elbe von Süden heraufgebracht wurden“ , zählt Ralf Donat auf. „Einige der Ausstellungsstücke dürfen die Besucher auch in die Hand nehmen, damit sie die Struktur der Steine genauer untersuchen können“ , kündigt Donat an. Wer noch mehr über die Herkunft und Geschichte der Steine erfahren möchte, der kann sich heute Nachmittag von Experten informieren lassen.
Um 14 Uhr spricht der Geologe Dr. Wilfrid Schneider über „Das Tertiär - Zeitalter der Braunkohle“ . Um 16 Uhr folgt ein Vortrag von Werner Nowel, der erklären wird, wie die Eiszeiten im Quartär die Landschaften verändert haben, und um 18 Uhr referiert Dr. Dieter Schwarz zum Thema „Lausitzer Achate“ .
Auch Kinder können sich heute ab 14 Uhr mit Steinen beschäftigen. Sie haben zum Beispiel die Möglichkeit, Fossilien unter dem Mikroskop zu untersuchen

Einzigartige Fotodokumente
Der Geologe Werner Nowel ist Mitglied des Arbeitskreises „Zeugen der Eiszeit“ und hat die Ausstellung in Wanninchen mit vorbereitet. Von ihm stammen viele Fotos der insgesamt 500 Aufnahmen umfassenden Sammlung. Sie dokumentiert, wie die Eiszeiten die Lausitzer Landschaft geprägt haben und welche Spuren - zum Bespiel in Form von Findlingen - heute noch zu entdecken sind. Auf 30 Bildtafeln werden einige der Fotos auch in Wanninchen zu sehen sein. „Bei den Aufnahmen aus den Tagebauen handelt es sich zum Teil um einzigartige Dokumente“ , betont Werner Nowel. „Denn was der Bagger aufriss und freilegte, schüttete er danach auch wieder zu.“