ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:45 Uhr

Steile Kurve macht Bürgern Angst

Sehr zahlreich sind die Gießmannsdorfer gekommen, um auf die gefährliche Kurve an der B 96 aufmerksam zu machen.
Sehr zahlreich sind die Gießmannsdorfer gekommen, um auf die gefährliche Kurve an der B 96 aufmerksam zu machen. FOTO: be
Gießmannsdorf. Wer die Kreuzung Lindenallee/B 96 queren möchte, lebt gefährlich. Grund ist eine steile Kurve. Passanten aus der westlichen Lindenallee sehen Fahrzeuge, die sich auf der Bundesstraße aus Richtung Golßen nähern, auf den letzten Drücker. Den Kraftfahrern geht es umgekehrt ebenso. Carmen Berg

Unlängst hatte der neunjährige Sohn von Monique Strauch mächtig Glück. Ein Brummifahrer konnte gerade noch bremsen. Er war offenbar vorsichtig unterwegs, was den Gießmannsdorfern zufolge nicht selbstverständlich ist. Sie kämpfen für eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer im Abschnitt zwischen Gaststätte und nördlicher Ortseinfahrt. Mehrere vergebliche Anläufe haben sie bei der Straßenverkehrsbehörde von Dahme-Spreewald schon unternommen und in dieser Woche aufgrund aktueller Verkehrsmessungen ihre Forderung erneuert. 158 Unterschriften aus dem 210-Seelen-Dorf übergab Ortsbeiratsmitglied Uwe Vogt dazu an die Kreisverwaltung.

Dem Straßenverkehrsamt zufolge ist Gefahren nur dort mit Einschränkungen zu begegnen, wo sie "für einen sorgfältigen Verkehrsteilnehmer nicht oder nicht rechtzeitig erkennbar sind". Laut Ortsvorsteher Thomas Weichert trifft das für die Kreuzung Lindenallee zu. Uwe Vogt ergänzt, aus der westlichen Lindenallee sei die Kurve nur 20 bis 25 Meter einsehbar. Selbst bei nur leicht erhöhter Geschwindigkeit sei der Bremsweg im Gefahrenfall länger. Vogt verweist auf Verkehrsmessungen aus dem vergangenen Mai, wonach durchschnittlich 85 Prozent der Fahrzeuge zu schnell waren.

Einwohnerin Jutta Zittlau erzählt, die Lindenallee werde von Fußgängern und Radfahrern als Weg zum Friedhof und zum Glascontainer rege genutzt. "Wenn man an der Bundesstraße steht, braucht man gute Ohren. Ich orientiere mich nur nach Gehör." Gisela Lehmann wagt sich in ihrem Elektrorollstuhl nicht über die Kreuzung. "Autos kommen um die Kurve gepfiffen, da habe ich mit meinen sechs Stundenkilometern keine Chance", beklagt die Seniorin und legt den Finger auf eine weitere Wunde. "Es gibt an der Bundesstraße nicht mal einen ordentlichen Gehweg."

Birgit Menze und Thomas Limpinsel sorgen sich als Eltern um ihre Kinder. Sie nehmen ihre fünfjährige Tochter Karley an der Kreuzung auf den Arm. Auch Anke Reichel passt noch mehr als sonst auf ihre Kinder auf. "Mein Sohn ist acht, in dem Alter kann er Geschwindigkeiten doch noch gar nicht einschätzen." Zumindest ein Verkehrsspiegel könnte helfen, sagt sie. Thomas Weichert erinnert sich daran, als während des Ausbaus der Kreisstraße nach Zieckau die Lindenallee Ausweichstrecke war. "Damals hatten wir hier Tempo 30, das hat sich positiv bemerkbar gemacht."

Wie Janet Grund von der Kreisverwaltung auf RUNDSCHAU-Nachfrage informiert, ist die Gießmannsdorfer Unterschriftensammlung im Straßenverkehrsamt eingegangen und wird dort derzeit geprüft.

Zum Thema:
Der Ortsbeirat verweist auf 2505 Fahrzeuge pro Tag, das sind etwa so viele wie im Jahr 2010. Der Anteil der Lastzüge stieg jedoch von 354 auf 467 täglich. Als durchschnittliche Geschwindigkeit wurden insgesamt 52 km/h ermittelt. Rechne man aber langsame Gefährte wie Fahrräder und Traktoren heraus, so waren 85 Prozent der Fahrzeuge aus Richtung Luckau durchschnittlich mit 58 und aus Richtung Golßen mit 61 Stundenkilometern unterwegs, erklärt Uwe Vogt. Aus der westlichen Lindenallee lässt sich die Kurve nur 20 bis 25 Meter einsehen. Bei 58 km/h, so argumentiert der Ortsbeirat, liegt selbst der kürzeste Anhalteweg, der für einen Pkw auf trockener Straße zutreffen würde, bei 31,5 Metern.