| 14:26 Uhr

Abwasser
Stefan Ladewig ist der alte Neue

Stefan Ladewig ist seit dem 1. Januar im Amt als Verbandsvorsteher des Luckauer TAZV.
Stefan Ladewig ist seit dem 1. Januar im Amt als Verbandsvorsteher des Luckauer TAZV. FOTO: Carmen Berg / LR
Luckau. Nach vielen Jahren Provisorium hat Luckaus Abwasserverband einen gewählten Chef.

Seit Jahresbeginn ist Stefan Ladewig Verbandsvorsteher des Luckauer Trink- und Abwasserzweckverbandes (TAZV). Er war Ende 2017 von der Verbandsversammlung gewählt worden.   Damit geht ein rund neunjähriges Provisorium an der Verbandsspitze zu Ende. Denn die Aufgaben, die der 43-Jährige als Verbandschef zu meistern hat, sind für ihn nicht neu.

Stefan Ladewig, 1974 in Hoyerswerda geboren, verheiratet und Vater zweier Kinder, ist Diplomingenieur der Umweltverfahrenstechnik und erwarb zudem an der Brandenburgischen Kommunalakademie den Abschluss als  geprüfter Kommunalfachwirt. Am 1. Januar 2007 kam er als Abwasseringenieur zum TAZV Luckau. Die Haushaltslage damals war desaströs, der Verand hoch verschuldet.

Im Mai 2009 wurde der TAZV Gesellschafter der Dahme-Nuthe Wasser- Abwasserbetriebsgesellschaft (DNWAB) mit Sitz in Königs Wusterhausen, die fortan die kaufmännische und technische Betriebsführung sowie die rund 30 Mitarbeiter des TAZV übernahm.

Rechtlich blieb der  Luckauer Verband eigenständig und Stefan Ladewig dessen einziger Beschäftigter.

Die Kommunalaufsicht beauftragte den Ingenieur mit der Führung des Verbandes. Eine Maßnahme, gedacht als Übergangslösung bis zum Beitritt des TAZV zum Märkischen Abwasser- und Wasserverband (MAWV).  Zu der Hochzeit kam es bekanntlich nicht. Mit rund 36 Millionen Euro in den Miesen war der TAZV keine begehrenswerte Braut. Er wurde in das Sanierungsprogramm des Brandenburger Schuldenmanagementfonds aufgenommen, verbunden mit strikten Auflagen. Die Menschen spürten das an ihren Portemonnaies.

„Die Aufarbeitung der Beitragsproblematik sorgte für erheblichen Unmut in der Bevölkerung“, drückt Stefan Ladewig zurückhaltend aus, was sein Job an der Verbandsspitze bedeutete: ein  „heißer Stuhl“.

Um so mehr, als 2015 Nachforderungen an Altanschließer die Wogen hochschlagen ließen. „Kritik nicht als Angriff auf die Person  sehen, sondern als Benennen von Problemen, die gelöst werden müssen“, beschreibt Stefan Ladewig seine Herangehensweise.

Inzwischen sieht er den Verband wieder „auf einem ordentlichen Weg“. Soll heißen: Seit dem Vorjahr hängt der TAZV nicht mehr am Schuldentropf des Landes. Dem Verband wird mit der abschließenden Sanierungsrechnung bescheinigt, sich wirtschaftlich selbst tragen zu können. Damit kann er künftig weiter eigenständig existieren. Konsequenz daraus war  die Wahl eines Verbandsvorstehers für die nächsten acht Jahre durch die Verbandsversammlung.

Im technischen Bereich, bei Wasserwerken und Kläranlagen, sieht Stefan Ladewig den TAZV gut aufgestellt. Jetzt gehe es darum, die Sanierung der Kanalnetze abzurunden. „Eine komplette Kanalnetzbefahrung hat unlängst gezeigt, wo noch Schwachstellen sind“, sagt er.

Für 2018 war die Mengengebühr fürs Abwasser leicht gesenkt worden. Prognosen zu möglichen weiteren Senkungen seien schwierig, so der Verbandsvorsteher. Sie hängen zum einen davon ab, ob die Verbrauchsmengen wie in den vergangenen beiden Jahren stabil bleiben oder sogar leicht steigen. Zum anderen seien die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen entscheidend, die durch die Politik gesetzt werden. Dabei wünscht sich Stefan Ladewig mehr Verlässlichkeit.

So basieren die Kalkulationen darauf, dass nach dem Altanschließerbeschluss des Bundesverfassungsgerichtes rund 16 Millionen Euro vereinnahmte Anschlussbeiträge dem Verband weiter zur Verfügung bleiben, nennt er ein Beispiel.

Eine Arbeitsgruppe sucht gegenwärtig nach einer gerechteren Gestaltung für die Grundgebühr, die pro Zähler, also pro Hausanschluss, erhoben wird. Damit zahlt ein Eigenheimbesitzer so viel wie ein ganzer Block. Abhilfe könnte eine Berechnung von Privatnutzern nach Wohneinheiten bringen, wozu es  an Brandenburger Gerichten teils entgegengesetzte Auffassungen gab, sagt Stefan Ladewig. Hilfreich kann aus seiner Sicht ein Urteil des Bundesgerichtshofes aus dem Vorjahr sein, das unterschiedliche Maßstäbe für unterschiedliche Nutzer für zulässig erklärt hat.

Durch solide Arbeitsweise will der Verbandschef das Vertrauen der Bürger in den TAZV zurückgewinnen. „Der Verband darf nicht Prellbock sein zwischen Politik, Gerichten und Bürgern“,  sagt er.