| 16:50 Uhr

Staunen über die Ruhe aufm Lande

René Bader (2.v.re.) kehrte mit einer Schulklasse aus Norwegen in seine alte Heimat zurück. Die Stadtführerin Carola Pfirschke (re.) führte die Gäste durch Luckau.
René Bader (2.v.re.) kehrte mit einer Schulklasse aus Norwegen in seine alte Heimat zurück. Die Stadtführerin Carola Pfirschke (re.) führte die Gäste durch Luckau. FOTO: Andreas Staindl/asd1
Luckau. René Bader ist in seine alte Heimat zurückgekehrt. Der Lehrer hat 23 Schülerinnen und Schüler einer Klasse der British International School of Stavanger in Norwegen kürzlich nach Luckau mitgebracht. Andreas Staindl / asd1

Ziel war es, den jungen Leuten Deutschland von seiner ländlichen Seite zu zeigen. "Wir beschäftigen uns derzeit mit den Unterschieden von Stadt und Land in Deutschland", erklärt René Bader. "Ich bin dafür gern in meine alte Heimat gekommen."

Er stammt aus der Niederlausitz, ist in Görlsdorf (Stadt Luckau) aufgewachsen, hat das Bohnstedt-Gymnasium in der Berstestadt besucht und 2001 sein Abitur dort abgelegt. Inzwischen arbeitet er als Lehrer für Deutsch als Fremdsprache an der britischen Schule in Norwegen. Seine Schüler stammen aus verschiedenen Ländern wie etwa Indien, England, Österreich und Norwegen selbst. Ihre Eltern arbeiten auf Bohrinseln oder für die Nato beispielsweise, wie der Lehrer erzählt. Die gemeinsame Schulsprache ist Englisch. René´ Bader spricht diese Sprache perfekt. Er übersetzte, was Carola Pfirschke den 13- und 14-jährigen Gästen über Luckau erzählte. Die Stadtführerin hat die jungen Besucher an markante Orte in der Berstestadt geführt. Der Aufstieg auf den Hausmannsturm gehörte ebenso dazu wie der Besuch der Nikolaikirche und des Napoleonhäuschens. In der Kulturkirche haben die Gäste unter anderem eine alte Gefängniszelle besichtigt. Luckau hat geschichtlich viel zu bieten. "Die Führung war sehr interessant", sagt Elisabeth Mathis (13), eine Österreicherin. Aufgefallen ist der Schülerin, "dass hier viel weniger Leute unterwegs sind als in unserer Stadt, alles ruhiger und nicht so hektisch ist".

Stavanger ist die viertgrößte Stadt in Norwegen, hat etwa 130 000 Einwohner. "Schön, dass wir die alte Heimat unseres Lehrers kennenlernen dürfen", sagt Markus Hess (13), einer der echten Norweger der Klasse. Ihm sind "die kurzen Wege zwischen Stadt und Land" während seines Besuchs in Deutschland aufgefallen: "Das ist bei uns in Norwegen ganz anders." Auch die Häuser sehen anders aus. "Sie sind irgendwie altmodisch, haben aber dennoch Charme und Charakter, halt einen anderen Stil als bei uns", sagt Elisabeth Mathis. Für sie ist Luckau trotz aller Unterschiede "wunderschön". Für Markus Hess hat sich die Klassenfahrt schon deshalb gelohnt, "weil ich meine Deutschkenntnisse verbessern konnte". Er und die anderen Gäste aus Skandinavien haben zudem das Gymnasium in der Berstestadt besucht. "Für mich ist es komisch, mir vorzustellen, dass Herr Bader dort mal Schüler war. Ich kenne ihn ja nur als unseren Lehrer", sagt Elisabeth Mathis.

René Bader war gespannt, wer von seinen ehemaligen Lehrern noch im Gymnasium arbeitet. "Ich bin ja nicht mehr oft in Deutschland, war vor drei Jahren das bisher letzte Mal in Luckau. Deshalb ist es auch für mich interessant zu sehen, wie sich die Stadt und die Region insgesamt entwickelt haben." Die Gäste aus Norwegen haben nicht nur die Berstestadt besucht, sondern auch Lübbenau erkundet. In der Nachbarstadt im Landkreis Oberspreewald-Lausitz waren sie untergebracht und dort auch paddeln.

Für René Bader war die Rückkehr in seine alte Heimat auch eine gute Gelegenheit, seine Mutter zu besuchen. "Ich habe das Weihnachtsgeschenk für sie dabei, denn so schnell komme ich ja nicht mehr nach Luckau." Und für seine Schülerinnen und Schüler war die Klassenfahrt in eine ländliche Region eine neue Erfahrung. "Sonst führen uns unsere Reisen meist nach Berlin", erzählt der Lehrer. "Für unseren aktuellen Unterrichtsstoff eignet sich der Aufenthalt in meiner alten Heimat aber besser. Die Teilnehmer erleben hier hautnah, wie die Menschen in ländlichen Gebieten leben, wie das Leben hier organisiert und strukturiert ist."

Stadtführerin Pfirschke jedenfalls war von der Schulklasse aus Norwegen begeistert und lobte sie zum Abschied: "Ihr seid sehr aufmerksame Zuhörer. Das ist bei jungen Leuten in Eurem Alter nicht immer der Fall."