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Start- und Landebahn polarisiert Groß Leuthen

Groß Leuthen. Zwei Kleinflugzeuge sollen künftig von Groß Leuthen (Märkische Heide) aus starten und dort auch wieder landen. Das Genehmigungsverfahren für die Start- und Landebahn läuft. Jetzt wurde der Ortsbeirat angehört: Das Vorhaben polarisiert. Andreas Staindl / asd1

Fluch oder Segen? Das Vorhaben von Ralph Seefeld und Elmar Kleinert polarisiert. Die beiden Männer wollen mit ihren Kleinflugzeugen in Groß Leuthen starten und auch wieder landen - auf einem privat betriebenen Start-und Landeplatz. Dafür wollen sie eine Wiese am Bahnhof nutzen. "Wir überfliegen keine Ortschaft, kein Wohngebäude und auch keinen Stall", versichert Ralph Seefeld. "Der Lärm der Flugzeuge ist nur sehr gering, beim Starten höher als beim Landen."

Das Lärmzeugnis der Oberen Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg weist einen Schalldruckpegel von 64,3 Dezibel für den Flugzeugtyp Piper PA-18 der beiden Antragsteller aus, wie die Ortsvorsteherin Christine Exler (Initiative Zukunft) sagt. Damit würden ihr zufolge die Flieger den Grenzwert von 69,1 Dezibel unterschreiten. "Die Flugzeuge sind so laut wie die meisten Rasenmäher", zieht die Ortschefin einen Vergleich.

Und doch regt sich Widerstand. Alexander Weber lehnt das Vorhaben ab. Der Chef des Eurocamps "Spreewaldtor" befürchtet Nachteile und Einbußen für sein Unternehmen, das in Nachbarschaft des geplanten Flugplatzes liegt. Er geht davon aus, dass die Start- und Landebahn mit einem Symbol auf verschiedenen Karten im Internet gekennzeichnet wird. Seine Befürchtung: "Das schreckt Gäste ab. Sie wissen ja nicht, dass es sich um eine kleine Start- und Landebahn handelt. Wer will schon Urlaub neben einem Flugplatz machen?"

Ralph Seefeld erklärt, dass die 390 Meter mal 60 Meter große Start- und Landebahn entlang der Gleisanlagen Richtung Bückchen auf keinen Luftfahrtkarten, auch nicht im Internet, verzeichnet sein wird. Alexander Weber bleibt skeptisch. Er hat schon erste Konsequenzen gezogen: "Wir werden vorerst nicht weiter in den Campingplatz investieren, sondern warten die Entwicklung rund um die Start- und Landebahn ab."

Maximal 300 Starts und Landungen pro Jahr sollen dort möglich sein - so haben es die beiden Hobbyflieger beantragt. Vorerst für zwei Jahre und mit dem Ziel, den Flugplatz langfristig zu betreiben, wie die Ortsvorsteherin sagt. Die Luftfahrtbehörde habe dem Antrag schon zugestimmt, jedoch mit Auflagen, wie Christine Exler weiter erklärt. Sie ärgert, "dass wir erst so spät am Verfahren beteiligt werden. Jetzt reden wir über schon gelegte Eier. Es wäre fairer gewesen, die beiden Hobbyflieger hätten die Einwohner frühzeitig in ihr Vorhaben einbezogen."

Zu deren Plänen gehört auch, die vorhandene Lagerhalle zu ertüchtigen und als Unterstand für die beiden Kleinflugzeuge zu nutzen, sowie die Wiese "aufzuhübschen", wie Ralph Seefeld sagt. Derzeit stehen ihm zufolge die beiden Piper PA-18 auf dem Flugplatz in Saarmund (Potsdam-Mittelmark).

Birgit Raddatz wollte wissen, welchen Nutzen Groß Leuthen hat, wenn die Flugzeuge in der Märkischen Heide stehen. "Private Rundflüge wären möglich", sagt Ralph Seefeld. "Das Interesse daran ist sehr groß. Zudem hätte die Gemeinde zwei Oldtimer vor Ort. Vielleicht locken unsere Flugzeuge Leute an, die dann auf dem Campingplatz übernachten. Junge Leute sind von unserer Idee begeistert. Sie sagen: Endlich ist mal etwas los."

Alexander Weber bleibt skeptisch. Er nimmt den beiden Hobbypiloten nicht ab, dass es ihnen nur um sportliches Fliegen in der Freizeit geht. Er befürchtet, dass sie mit ihren Kleinflugzeugen auch zur Arbeit fliegen und es einen regen Flugbetrieb neben seinem Campingplatz gibt.

Ralph Seefeld betreibt eine Orthopädie-Manufaktur in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming). Er wohnt seit drei Jahren in Groß Leuthen, hat dort den alten Bahnhof gekauft und renoviert. Elmar Kleinert ist Betriebsleiter der Berliner Flughäfen.

Ihre geplante Start- und Landebahn wird auch Thema während der nächsten Gemeinderatssitzung der Gemeinde Märkische Heide sein, kündigt Christine Exler an. Dem Gremium wird dann die Stellungnahme des Ortsbeirats vorliegen, der das Projekt laut Ortsvorsteherin "kritisch sieht, es aber nicht ablehnt." Der Beirat befürchtet massiven Schaden für den Campingplatz und kritisiert die späte Beteiligung der Öffentlichkeit am Verfahren. "Egal wie die kommunalen Gremien entscheiden, die Genehmigung ist durch", meint Alexander Weber.

Zum Thema:
Die Piper PA-18 wurde ursprünglich als militärisches Schul-und Aufklärungsflugzeug von einem US-amerikanischen Flugzeughersteller gebaut und ab 1949 in Serie hergestellt. Das Kleinflugzeug verfügt über zwei Sitzplätze.