Das ehemalige Feuerwehrhaus mit Schlauchturm in Sagritz ist stark sanierungsbedürftig. Eine Sanierung für geschätzte 48 000 Euro ist aus finanziellen Gründen derzeit nicht möglich. Der Kommune fehlt das Geld. Der Bauausschuss der Stadt Golßen hatte zu Jahresbeginn erklärt, dass Kosten und Nutzen nicht im gesunden Verhältnis zueinander stehen. Der Ortsbeirat und die Einwohner sollten über eine Alternative nachdenken, etwa über einen Pavillon, um das Grundstück für die Dorfgemeinschaft nutzen zu können.

Inzwischen hat der Verein "Zukunft Heimat" ein Kaufgebot abgegeben. Er wollte laut Verwaltung das Flurstück für den symbolischen Preis von einem Euro kaufen. Dass daraus nichts wird, liegt nicht am Preis, sondern daran, dass die Stadtverordneten das kommunale Grundstück nicht an den Verein verkaufen wollen. Reinhard Knöfel (Die Linke) bezeichnet "Zukunft Heimat" als "fremdenfeindlich", dessen Engagement "an Rassismus grenzt. Der Verein bringt mit seinen Aktivitäten unsere ganze Region in Verruf. Bei den vom ihm organisierten Demonstrationen laufen auch Leute der NPD mit. Der Verein kann also nicht sagen, dass er mit Rechts nichts zu tun hat."

Hartmut Laubisch (SPD) schlägt in die gleiche Kerbe. "Ich bin selten mit Reinhard Knöfel einer Meinung, doch diesmal bin ich es. Er hat den Kern getroffen. Für mich als Bürgermeister wird es eine Zusammenarbeit mit dem Verein nicht geben." Andere Stadtverordnete haben sich nicht so deutlich geäußert, was Knöfel ärgert: "Ich hätte mir eine klare Stellungnahme auch von den anderen Stadtverordneten gewünscht."

Marlies Mai (SPD) hatte vorgeschlagen, das marode Feuerwehrhaus in Jahresscheiben zu sanieren, um es zu erhalten: "Das sollte für die Stadt trotz knapper Kassen möglich sein." Michael Bock (CDU) findet die Idee "nicht schlecht. Wir sollten versuchen, Fördermittel einzuwerben. Wenn Wölfe gefördert werden, sollte das auch für Störche möglich sein." Auf dem alten Schlauchturm in Sagritz befindet sich ein Storchennest. Gerd Pietrzok (SPD) verwies darauf, dass die Bürger vor Ort das "ortsbildprägende Gebäude erhalten wollen. Ein Verkauf in private Hände sollte aber die letzte Möglichkeit sein." Auch er regte an, alle Fördermöglichkeiten auszuschöpfen, um das marode Objekt zumindest zu sichern und je nach Haushaltslage zu sanieren. Die SPD-Fraktion hatte eine namentliche Abstimmung über den Verkauf an den Verein "Zukunft Heimat" beantragt. Daraufhin beantragte die CDU-Fraktion eine fünfminütige Unterbrechung der Sitzung. Nach dieser verkündete Michael Bock, dass seine Fraktionsmitglieder allein "nach Sachlage" entscheiden. Neun Stadtverordnete stimmten schließlich gegen einen Verkauf, vier enthielten sich. Das 31 Quadratmeter große Grundstück bleibt demnach in kommunalem Besitz.

Der Verein "Zukunft Heimat" ist aus einer Bürgerinitiative entstanden, die sich gegen die Unterbringung von unverhältnismäßig vielen Flüchtlingen in Zützen wehrte. Die inzwischen vom Verein organisierten Demonstrationen würden sich eigenen Angaben zufolge nicht gegen Flüchtlinge, sondern gegen die Regierung und ihre Funktionäre richten.