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Spreewälder Lieblingsplätze Wo die Großen zu Hause sind

Die Schinkelkirche ist untrennbar mit wichtigen Lebensereignissen Michael Zumpes verbunden.
Die Schinkelkirche ist untrennbar mit wichtigen Lebensereignissen Michael Zumpes verbunden. FOTO: Agent Sale
Unnahbar sieht sie aus, in ihrer Schönheit wie entrückt. Himmelhoch erheben sich die quadratischen Türme der Schinkelkirche. Hohe Stufen, hölzerne Türen trennen den Eingang von ihren Gästen. Diese Kirche ist eine Feste, wie es auf ihrer Stirnseite geschrieben steht. Eine Feste Gottes, in der die Gläubigen ihn loben mit Gebet und Gesang. In ihrem Inneren ist Platz für alle. Freundlich, hell, großräumig heißt die Straupitzer Pfarrkirche Besucher willkommen – auch Michael Zumpe, dem sie geholfen hat, im Spreewald eine Heimat zu finden. Von Ingvil Schirling

Es gibt viele schöne Kirchen im Spreewald. Michael Zumpe denkt da besonders an die Neu Zaucher, zu deren Gemeinde der Waldower (Gemeinde Spreewaldheide) gehört. Andere mögen an die Paul-Gerhardt-Kirche in Lübben, die Nikolaikirche in Lübbenau, an die Vetschauer Doppelkirche und viele andere. Jede ist auf ihre Art einzigartig. Die Schinkelkirche in Straupitz ist für Michael Zumpe mit wichtigen Ereignissen in seinem Leben untrennbar verbunden. Freundschaft spielt eine Rolle, Musik, bürgerschaftliches Engagement, der christliche Glaube - Eckpfeiler seiner Lebensphilosophie.

Aufs Land der Kinder zuliebe
Der gebürtige Pirnaer kam über ein Engagement am Cottbuser Theater in die Region und suchte sich ein Heim auf dem Land, seinen beiden damals kleinen Söhnen zuliebe. Die Familie landete 1991 in Waldow. „Das war zwar in der Natur, aber auch weit weg von größeren kulturellen Ereignissen“ , sagt Zumpe. Der Sänger hatte in Dresden studiert, war geprägt vom Leben einer Großstadt. "Der nächste wichtige kulturelle Punkt war die Schin kelkirche", erzählt er. Dass sie für ihn viel mehr werden würde als das, wusste er damals noch nicht. Das brachten die Jahre und die Begegnungen mit den Menschen.
Klar aber war: "Kirche ist etwas, wo ich zu Hause bin", sagt Michael Zumpe. Als Christ ist sein Glaube für ihn etwas, was den Sinn seines Lebens ausmacht. Er steht für den friedlichen Umgang miteinander in einer Gemeinschaft und ist ein Grund dafür, sagt Zumpe, "dass ich froh und zufrieden und voll Zuversicht bin".
Über die Kirchle fand Zumpe Anfang der 90er-Jahre zu Klaus Hanke, dem Straupitzer Pfarrer, der hier 34 Jahre lang bis 2003 gearbeitet hatte. Er wurde für Michael Zumpe nicht nur zur Vertrauensperson, mit der er über alles reden konnte. Dass er und Bürgermeister Winfried Rekitt die Sanierung der Schinkelkirche 1992/1993 mit anschoben, sieht Zumpe heute als Beispiel für großes gesellschaftliches Engagement. Es erinnert ihn daran, wie es überhaupt kam, dass die Kirche zwischen 1828 und 1832 gebaut wurde: "Houwald und Schinkel waren Freunde", sagt er über das Mitglied der Straupitzer Grafenfamilie. Freunde stellen manchmal gemeinsam etwas auf die Beine, und auch das fließt für Michael Zumpe mit ein, wenn er die Schinkelkirche betrachtet. Große Persönlichkeiten aus der weltlichen und kirchlichen Macht haben dazu beigetragen, dass die Kirche gebaut wurde, die den Ort Straupitz bis heute sehr prägt. "Es waren keine Kumpe leien", sagt der Sänger, "es waren Leute, die Achtung voreinander hatten."
Achtung hatten sie aber auch vor dem Glauben, vor der Kultur, vor der Musik. Der große freundliche Innenraum der Kirche eröffnet den Raum, in dem jeder Ton sich zu seiner vollen Größe entfalten kann.
Zumpe sang dort Soli, spielte Orgel, brachte Bachs Weihnachtsoratorium zur Aufführung. "Musik ist ein Ausdruck von Gefühl und gleichzeitig eine große rationale Form", sagt er. Bachs Fugen etwa seien von so konsequent logischer Ästhetik, dass sie ihre Hörer zutiefst anzurühren vermögen. Anders, aber ebenso intensiv wirkten Chöre, in deren Gemeinschaft die einzelnen aufgehen könnten. "Ganz Arme und ganz Reiche, Straßenkehrer und Professoren singen gemeinsam, haben gemeinsam Erfolge, das verbindet unheimlich", sagt Zumpe.

Glaube verbindet mit der Region
Über die Musik und den Glauben hat ihn die Kirche mit dem Spreewald verbunden. "Eigentlich passt sie hier gar nicht hin", sagt Zumpe nachdenklich und erinnert sich, wie er sich selbst fremd fühlte, damals, Anfang der 90er- Jahre. Doch er sei sehr gut aufgenommen worden, sagt er dankbar. Die Straupitzer Schinkelkirche, Symbol für Kultur, Ästhetik, Spiritualität, hat ihm dabei geholfen, sich im Spreewald zu Hause zu fühlen.

Zum Thema Mozartprojekt
 Aktuell betreut Michael Zumpe das Mozartprojekt im Mozartjahr. Professionelle und Laiensänger arbeiten gemeinsam am Requiem und der Zauberflöte. In Lübben ist jeweils am Mittwochabend um 19 Uhr Probe in der Aula des Paul-Gerhardt-Gymnasiums. Noch können Männer und Frauen, die gerne singen, einsteigen, lädt Michael Zumpe ein.