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Spannende Zeitzeugnisse in Luckau hinter Gittern

Kreisarchivar Thomas Mietk (l.) mag seinen Arbeitsplatz im früheren Knast, der zu einem Kulturstandort geworden ist.
Kreisarchivar Thomas Mietk (l.) mag seinen Arbeitsplatz im früheren Knast, der zu einem Kulturstandort geworden ist. FOTO: be
Luckau. (be) Historische Akten lagern in Luckau hinter Gittern. Seit dem Jahr 2011 hat das Kreisarchiv von Dahme-Spreewald in einem früheren Gefängnisbau seinen Sitz. Carmen Berg

Mit Kreisarchivar Thomas Mietk haben Touristiker und Gewerbetreibende unlängst einen Blick in die Magazine geworfen, die dem Besucher sonst nicht zugänglich sind. Bis unter die Decke reichen die Regale. Dort ist Platz für 5600 laufende Meter Akten. Die Fläche ist derzeit zu knapp zwei Dritteln gefüllt, so Thomas Mietk.

Spektakulär ist das Ambiente. Ein moderner Baukörper wurde in die historischen Mauern eingepasst. An das einstige Hafthaus erinnern Details wie die originalen Zellentüren samt der Umgänge davor. Die Besucher lassen es sich nicht nehmen, von dort bis ins Erdgeschoss hinunter zu schauen. Im Zuge der Sanierung des einstigen Gefängnisgeländes war auch das einstige Hafthaus I in die Kur gekommen. Rund drei Millionen Euro wurden in den Umbau investiert. "Der Grundgedanke war, das historisch Besondere zu bewahren und mit moderner Nutzung zu verbinden", erklärt Thomas Mietk.

Der Landkreis hat die Räume für 43 Jahre gemietet. Alles, was mit der Geschichte des Landkreises zu tun hat, lagert nun in Luckau hinter schwedischen Gardinen. Hinzu kommt auch Archivgut aus Kommunen wie Luckau und Heideblick. Ältestes Dokument ist Thomas Mietk zufolge ein Rechnungsbuch aus Teupitz aus dem Jahr 1550. Noch ältere Werke aus dem 13. Jahrhundert könnten die Schatzkammer füllen, wenn im nächsten Jahr Archivgut aus Lübben nach Luckau kommen sollte, sagt er.

Neben amtlichem Schriftgut und Chroniken seien insbesondere die Personenstandsregister ein Magnet für Nutzer, sagt er. Das Haus verzeichnet stetig wachsende Nachfragen von Familienforschern und Erbenermittlern, teils aus fernen Ecken der welt wie Kanada oder Australien. Manchmal, so erfahren die Archivare dabei per Zufall, "geht es um richtig viel Geld".

Um die wertvollen Bestände für die Nachwelt zu bewahren, sind die Archivräume konstant auf 18 Grad temeperiert. Für den Brandschutz sorgt eine Gaslöschanlage. "Der Umgebung wird im Ernstfall der Sauerstoff entzogen, dadurch geht das Feuer aus", erklärt Thomas Mietk. Er gibt zu, dass er anfangs seinen Arbeitsplatz in einem alten Knast kritisch gesehen hatte. Nach sechs Jahren aber sei er zufrieden, "denn aus dem kompletten früheren Gefängnis ist ein Kulturstandort geworden", so der Kreisarchivar.

Wie es nach einer möglichen Kreisgebietsreform im Jahr 2019 mit der Einrichtung weitergeht, sei offen. Für Dokumente aus einem doppelt so großen Gebilde sei das Archiv zu klein. "Ich wünsche mir aber, dass das historische Archiv in Luckau bleibt", so Thomas Mietk.

Nähere Auskünfte zu Benutzung und Öffnungszeiten des Kreisarchivs in Luckau finden Interessierte online unter

www.dahme-spreewald.info