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Spannende Forschung in Alteno

Während des Betriebsrundganges auf dem Gelände der Lausitzer Klärtechnik konnten die Teilnehmer der RUNDSCHAU-Sommertour verfolgen, wie viele Arbeitsschritte erfolgen, bis ein Beton-Schachtring fertiggestellt ist.
Während des Betriebsrundganges auf dem Gelände der Lausitzer Klärtechnik konnten die Teilnehmer der RUNDSCHAU-Sommertour verfolgen, wie viele Arbeitsschritte erfolgen, bis ein Beton-Schachtring fertiggestellt ist. FOTO: Birgit Keilbach
Luckau. Die Lausitzer Klärtechnik GmbH (LKT) entwickelt, produziert und vermarktet seit mehr als 20 Jahren umwelttechnische Anlagen für die dezentrale Abwasserreinigung. Kläranlagen werden hier nach dem Baukastenprinzip in verschiedenen Größen angefertigt. Regenwasserpumpstationen sowie Fett- und Benzinabscheideanlagen zählen gleichfalls zum Portfolio des im Industriegebiet Luckau-Alteno ansässigen Unternehmens, erfuhren die Teilnehmer der Sommertour von Geschäftsführer Michael Müller. Von Birgit Keilbach

Innovation wird im Unternehmen groß geschrieben. Drei aktuelle Projekte stellte Torsten Hansen, zuständig für Forschung und Entwicklung, den 16 interessierten Zuhörern gestern vor. Gemeinsam mit der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg entwickelt das Unternehmen derzeit ein neuartiges Verfahren, mit dem von Betonkorrosion betroffene Pumpschächte von Abwasseranlagen in kurzer Zeit effektiv saniert werden können. Neben dem Zeitfaktor weise dieses patentierte "FlexReha-Verfahren®” als weitere Vorteile auf, dass es zu jeder Jahreszeit möglich ist und zudem die Traglast des jeweiligen Schachtes erhalten bleibt. "In den Schacht werden Textillagen eingebracht, die mittels Luftballon an die Schachtwand gedrückt werden", erläuterte Torsten Hansen. Das Textil werde mit flüssigem Harz versetzt und schmiege sich aufgrund des Vakuums überall an. Mittels 3D-Scan werde zuvor der exakte Zuschnitt des textilen Materials ermittelt. Im September sollen erste praktische Versuche bei LKT erfolgen. Für Oktober ist die Sanierung von Schächten bei der LWG in Cottbus anvisiert. Geeignet sei dieses Verfahren für Kanalrohre, Kläranlagen, Industriebehälter, Silos und Biogasanlagen. Deutschlandweit gebe es rund 1,5 Millionen sanierungsbedürftige Abwasserschächte. "Diesen Markt wollen wir für uns nutzen", sagte Hansen.

Ein zweites Forschungsprojekt ist die Entwicklung eines photometrischen Messgerätes, mit dem die Parameter des geklärten Abwassers sofort vor Ort bestimmt werden können. Bisher würden die Proben an ein autorisiertes Labor geschickt und das Ergebnis liege erst nach etwa fünf Tagen vor. Neben dem Einsatz in der eigenen Wartung haben die Klärtechnik-Spezialisten dabei Fachbetriebe und Behörden als künftige Nutzer im Auge.

Drittes gemeinsames Forschungsprojekt mit der BTU ist die Entwicklung einer Nährersatzlösung für Kläranlagen, die saisonal unterschiedlich belastet werden. Dazu zählen laut dem Entwicklungsingenieur Gaststätten, Hotels, Ferienhaussiedlungen sowie andere Einrichtungen, die in Intervallen genutzt werden.

Beim Rundgang durch die Produktionshallen konnten sich die Sommertour-Teilnehmer ein Bild von den Fertigungsprozessen der Klärtechnik und ihren Komponenten machen und erhielten von Michael Müller und Torsten Hansen Auskunft auf alle ihre Fragen. "Das war ein sehr informativer Vormittag. Er gab einen guten Einblick, was klärtechnisch alles möglich ist, auch für eine Kleingartenanlage", resümierte der Berliner Arnold Hahn. Helmut Jurisch ist mit seiner LKT-Kleinkläranlage zufrieden. "Ich interessiere mich für Neues und wollte herausfinden, ob so eine Anlage auch auf dem Grundstück meiner Tochter mit unterschiedlichen Grundwasserständen und Feuchtwiesen in der Umgebung einsetzbar ist."

Von dem neuen Verfahren zur Schachtsanierung ist Fritz Golze beeindruckt. "Das ist eine vollkommen neue Qualität mit dem Harz. Wenn das umgesetzt werden kann, ist das ein unerschöpflicher Markt", konstatierte der Fachmann für Bauwerksabdichtung aus Luckau.

Während des Betriebsrundganges auf dem Gelände der Lausitzer Klärtechnik konnten die Teilnehmer der RUNDSCHAU-Sommertour verfolgen, wie viele Arbeitsschritte erfolgen, bis ein Beton-Schachtring fertiggestellt ist. Foto: Birgit Keilbach/bkh1