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| 02:48 Uhr

Spagat und Propeller in den Ferien

Üben, üben, üben heißt es für die jungen Akrobatinnen des Golßener Carneval Clubs, um so beweglich zu bleiben. Heidi Hönicke trainiert die Gruppe bereits im dritten Jahr.
Üben, üben, üben heißt es für die jungen Akrobatinnen des Golßener Carneval Clubs, um so beweglich zu bleiben. Heidi Hönicke trainiert die Gruppe bereits im dritten Jahr. FOTO: Carmen Berg
Golßen. Es sind Ferien. Zeit, alle Viere gerade sein zu lassen. Doch die jungen Akrobaten des Golßener Carneval Clubs (GCC) gönnen sich beim Training keine Sommerpause. Denn für Karnevalisten ist nach der Saison vor der Saison. Carmen Berg

"In den Spagat. Bein über den Boden ziehen und über das andere heben." Trainerin Heidi Hönicke erklärt in der Turnhalle an der Golßener Grundschule eine neue Figur, den Propeller. "Sieht schon gut aus", lobt sie sodann die Akrobatinnen. Eine Dreiviertelstunde Aufwärmen liegt da bereits hinter ihnen. "Das ist nötig, damit sich bei den anspruchsvollen Elementen niemand verletzt", so Heidi Hönicke.

Die Akrobatengruppe ist aus den Tanzmariechen des GCC entstanden "Wir haben festgestellt, dass einige Mädchen für die akrobatischen Elemente besonders begabt sind und zusätzlich zum Gardetraining für sie das spezielle Übungsprogramm aufgebaut", erklärt Heidi Hönicke. Schließlich solle dem Publikum immer wieder Neues und Überraschendes geboten werden, sagt sie.

Motto noch geheim

Die Gruppe geht in die dritte Saison. Schon das Debüt zum 40-jährigen Vereinsbestehen sei ein Knüller gewesen. "Die Mädchen sind aus einem Riesen-Geschenkkarton gestiegen", blickt die Trainerin zurück. Im Folgejahr beeindruckten sie mit Kunststücken auf Bällen. Die Show werde stets auf das Motto der Saison zugeschnitten, das bis zum 11.11. streng gehütetes Geheimnis bleibt. Deshalb verrät die Trainerin noch nicht, wie sich die Elemente, die die Akrobatinnen mit so viel Einsatz bei Sommerhitze üben, später zu einem Ganzen zusammenfügen werden. "Diesmal lassen wir extra ein Gerät für unseren Auftritt basteln.", hält sie die Neugier am Kochen.

Der Gruppe gehören Nachwuchs-Karnevalisten der Sternchen- und der Teenie-Garde an. Derzeit machen vier Kinder im Alter zwischen sieben und neun Jahren sowie fünf Jugendliche bis 16 Jahre mit. Lara Serve, mit ihren neun Jahren eine der Jüngsten, erlernt gerade das frei gesprungene Rad. Wie die gleichaltrige Michelle Richter erhält sie Unterstützung von den Großen. "Alle helfen sich gegenseitig. Wir wurden gleich gut aufgenommen", sagt Lara. Für die "gestandene" Tänzerin Annika Scholz ist das eine Selbstverständlichkeit. "Wir verstehen uns alle toll", sagt sie. Deshalb mache es ihr nichts aus, auch in den Ferien zu üben.

Annika gehört zu denen, die aus einer Karnevalistenfamilie stammen. Ihre Eltern haben im Verein eine ganz besondere Aufgabe. Sie wählen aus den Bewerbern jeweils das Prinzenpaar für die neue Saison aus. "Sogar wir anderen Vereinsmitglieder erfahren erst am 11.11., wer es sein wird", erklärt Heidi Hönicke eine Golßener Besonderheit.

Alter "Adel" und Neulinge

Karnevalsprinz würde auch André Guckel später gern einmal werden. Mit Nina Wolff bildet der 15-Jährige das neue Nachwuchs-Tanzpaar beim GCC. Spektakulär lässt er seine Partnerin beim "Flieger" eine Handbreit über dem Boden kreisen. Beide trainieren gleichzeitig mit den Akrobaten. André habe schon auf der Bühne gestanden, bevor er geboren wurde, sagen seine Freunde. Die Mutter war Gardetänzerin, der Vater sei Prinz gewesen und gehöre heute zu den Dreamboys des GCC. Doch Karneval im Stammbaum ist nicht Bedingung, um beim Verein mitzumachen. Die Schönwalderinnen Lara und Michelle stehen als Beispiel dafür. Die talentierten Turnerinnen sind durch ihre Sportlehrerin Ines Lehmann geworben worden, die neben Heidi Hönicke und Annika Fellmerk zum Trainerteam gehört. Das Tanzen beim GCC sei inzwischen bei vielen Kindern gefragt. "Bei den Jüngsten haben wir derzeit 21 Kinder und sind damit schon an der Kapazitätsgrenze", beschreibt Heidi Hönicke den regen Zuspruch. Die Trainerin ist seit 1986 beim Verein. Und sie glaubt, dass für viele ihrer Schützlinge einmal gelten wird, was sie selbst erlebte: "Karneval ist wie ein Virus. Wer sich einmal infiziert hat, kommt nicht mehr davon los."

Zum Thema:
Der GCC wurde 1974 gegründet. Das Schwein stand damals wie heute im Mittelpunkt des Vereins, da es das Wappentier von Golßen ist. Daraus entstand auch der außergewöhnliche Schlachtruf "Golßen nuff, nuff!" Infos zum Verein gibt es im Internet unter www.gcc-gossen.de .