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| 17:35 Uhr

RUDNSCHAU-Sommertour
Riesen-Exoten mit dicken Eiern

Seife, Eierlikör, Leder, Staubwedel oder Lampen – nach der Schlachtung wird von den Tieren fast alles verwendet.
Seife, Eierlikör, Leder, Staubwedel oder Lampen – nach der Schlachtung wird von den Tieren fast alles verwendet. FOTO: LR / Anja Brautschek
Rüdingsdorf. Letzte RUNDSCHAU-Sommertour des Jahres führt zur Straußenfarm nach Rüdingsdorf. Von Anja Brautschek

Afrika und Rüdingsdorf – das passt zusammen. Zumindest auf dem Hof von Nicole Schmall. Sie ist Herrin von 54 Straußen. Einen Einblick in ihre Straußenfarm gab sie zur letzten RUNDSCHAU-Sommertour am Mittwoch.

Rundschau Sommertour 4c
Rundschau Sommertour 4c FOTO: LR / Schubert, Sebastian

Während die Tiere die Sonne des Vormittags genießen, lernen rund 50 Besucher das Leben der Riesen-Exoten kennen. „Auch wenn die Tiere aus Afrika stammen, so macht ihnen das aktuelle Wetter auch zu schaffen“, erzählt Nicole Schmall. Sie erntet verwunderte Blicke, als sie erzählt, dass auch Strauße einen Hitzschlag erleiden können. Duschen am Morgen und reichlich Wasser sorgen für Abkühlung. Dafür macht den Tieren der Winter scheinbar weniger aus. Selbst bei Minusgraden halten sie es im Schnee aus und nutzen den Stall nur bei sehr niedrigen Temperaturen. In der kalten Jahreszeit stellt vor allem das Besorgen des Futters eine kleine Herausforderung dar. Rund 500 Kilogramm Spezialfutter benötigt Nicole Schmall dann – pro Woche. Jetzt im Sommer finden sie aber auch Gräser und Kräuter in den Gehegen. Neben Wasser muss die Farm-Besitzerin dann auch für ausreichend Steine auf dem Gelände sorgen. Ähnlich wie Hühner fressen sie Steine und Sand, die dabei helfen, dass Futter im Magen zu zerkleinern.

Auf der Straußenfarm in Rüdingsdorf erleben die Besucher einen Hauch von Afrika. Die Riesenvögel sind fast zum Greifen nah.
Auf der Straußenfarm in Rüdingsdorf erleben die Besucher einen Hauch von Afrika. Die Riesenvögel sind fast zum Greifen nah. FOTO: LR / Anja Brautschek

Schon die kleinsten Strauße machen das den großen nach. Etwa drei Wochen nach dem Schlüpfen bleiben sie bei den Eltern und lernen von ihnen alles wichtige. Danach kommen sie in den „Kindergarten“ und werden langsam an Menschen gewöhnt. „Das Schlüpfen ist gar nicht so leicht. Strauße haben keinen Eizahn. Dafür haben sie sehr viel Kraft in den Beinen und bekommen starke Nackenmuskeln“, erzählt Nicole Schmall. Die sind auch notwendig. Denn die Schale eines Straußeneis ist etwa zwei Millimeter dick. Ein ganzes Ei hält sogar dem Gewicht eines Erwachsenen stand. Rund 60 Eier können die Hennen pro Jahr davon legen.

wenige Wochen alte Strauße. Im Kindergarten werden sie an Menschen gewöhnt. Das ermöglicht später einen stressfreien Umgang mit den Tieren.
wenige Wochen alte Strauße. Im Kindergarten werden sie an Menschen gewöhnt. Das ermöglicht später einen stressfreien Umgang mit den Tieren. FOTO: LR / Anja Brautschek

Vorsichtig berühren die Besucher die Schale eines ausgeblasenen Eis. „Das fühlt sich fast schon nass an“, stellen sie fest. Außen ist es ganz glatt und fast porzellanartig. Innen ist eine feine Haut zu spüren. Fast so, wie beim Hühnerei, nur etwa 25-mal so groß. „Ein ganzes Straußenei zu kochen, würde etwa zwei Stunden dauern“, erklärt die Straußenexpertin. Davon kann jedoch eine ganze Großfamilie satt werden. Denn der Inhalt enthält weniger Cholesterin und macht mehr satt als ein Hühnerei. „Ich wusste gar nicht, dass ein Ei so schwer ist und vor allem, dass die Strauße so viele legen“, sagt Fynn aus Sagritz. Gemeinsam mit den Großeltern besucht er die Straußenfarm. Vor allem die Straußen-Küken faszinieren ihn. Deren Federkleid sieht besonders flauschig aus. Kleine, dunkle Tupfen am Hals und ihre leisen, melodischen Rufe sorgen für einen zusätzlichen Niedlichkeitsfaktor. „So klein habe ich die noch nicht gesehen“, sagt er.

Minischwein Hektor wurde von Familie Schmall per Hand aufgezogen und genießt auch die ein oder andere Streicheleinheit der Besucher.
Minischwein Hektor wurde von Familie Schmall per Hand aufgezogen und genießt auch die ein oder andere Streicheleinheit der Besucher. FOTO: LR / Anja Brautschek

Dicht gedrängt stehen die kleinen Küken bei ihren Eltern. Denn Strauße leben in Familien. Diese besteht aus einem Hahn und mehreren Hennen. In der freien Wildbahn in Afrika vereinen sich mehrere Familien zu einer Rotte. „Bei den Straußen haben die Männer das Sagen. Der Hahn entscheidet, wann die Eier gebrütet werden“, erzählt Nicole Schmall. Dann wird abwechselnd gebrütet. Der Hahn übernimmt das vor allem nachts. Um von möglichen Fressfeinden nicht entdeckt zu werden, hat er deshalb ein schwarzes Federkleid. Die Weibchen hingegen sind eher grau-braun. „Wie groß die sind“, staunen die Kinder. Die langen Hälse überragen locker die Umzäunung. Neugierig beobachten die Tiere, was vor den Gehegen passiert. Ein junger Hahn wedelt aufgeregt mit den Flügeln, während sich Nicole Schmall ihm nähert. „Das ist eine Drohgebärde. Strauße sind mit Vorsicht zu genießen. Sie haben unheimlich viel Kraft in den Beinen“, sagt sie.

Die Schale der Eier ist bis zu zwei Millimeter dick. Ein frisch gelegtes Ei hält sogar einen Erwachsenen aus, wenn er darauf steht.
Die Schale der Eier ist bis zu zwei Millimeter dick. Ein frisch gelegtes Ei hält sogar einen Erwachsenen aus, wenn er darauf steht. FOTO: LR / Anja Brautschek

Zum Streicheln kommen die kleinen und großen Besucher der Sommertour dennoch. Auch handzahme Mini-Schweine, Hühner, Enten, Alpakas und Hunde leben auf dem Hof. „Es ist sehr toll hier. Wir haben viel Neues über Strauße gelernt“, sagt Silwia Köckritz. An den Wochenenden bietet die Straußenfarm zusätzlich auch ein gastronomisches Angebot. Neben süßen-Leckereien zur Kaffeezeit gibt es dann auch Herzhaftes aus Straußenfleisch – und zum Abschluss vielleicht auch einen Straußen-Eierlikör.