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| 15:12 Uhr

Sommerthater
Ein stimmungsvoller „Russischer Abend“

Schauspieler, Musiker und der Frauenchor „Raduga“ sorgten mit russischen Liedern für Stimmung.
Schauspieler, Musiker und der Frauenchor „Raduga“ sorgten mit russischen Liedern für Stimmung. FOTO: Birgit Keilbach
Dahme . Theater 89 bot vergnügliches Sommertheater mit Stücken von Anton Tschechow vor der Dahmer Schlossruine. Von Birgit Keilbach

Auf seiner diesjährigen Sommertheater-Tournee der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ machte das Theater 89 am Freitagabend Station an der Dahmer Schlossruine. Mehr als 100 Zuschauer erlebten vor der romantisch vom Licht der sinkenden Sonne in Szene gesetzten Kulisse des Gemäuers einen stimmungsvollen „Russischen Abend“. Drei Stücke von Anton Tschechow brachten die Schauspieler mit großer Spielfreude, Hingabe und Witz auf die kleine mobile Bühne. Der Frauenchor „Raduga“ ließ den Abend unter freiem Himmel zu einem besonderen Erlebnis werden. Zu den Klängen von Akkordeon (Bernd Spanier) und Gitarre (Martin Schneider) umspannte er diesen musikalisch wie ein Regenbogen „ wie Raduga zu Deutsch heißt.

Drei heitere Einakter des russischen Dichters hatte sich die Theatercrew ausgewählt. Eine Schuld des verstorbenen Gatten will Gutsbesitzer Grigori Stepanowitsch Smirnow in „Der Bär“ bei der verwitweten und noch immer sehr attraktiven Gutsbesitzerin Jelena Popowa eintreiben. Herrlich dramatisch und humorvoll bringt Matthias Zahlbaum den Wandel Smirnows vom entschlossenen und aufbrausenden Geldeintreiber zum Süßholz raspelnden Verliebten „wie ein Gymnasiast“ nahe. An Entschlossenheit mangelt es auch der Witwe nicht, zumindest was die Geldangelegenheit betrifft. Ihr Versprechen, dem Manne „treu bis in den Tod“ zu sein, schmilzt dahin.

Christian Schaefer erheitert die Zuschauer nicht nur als Diener der Gutsbesitzerin. Köstlich sein Monolog „Vom Schaden des Tabaks“, in dem es um dieses Thema am wenigsten geht. Vielmehr klagt er dem Publikum sein Leid als Mann einer knausrigen, dominanten Frau. Doch nun ist seine Frau nicht da, „und ich kann sagen, was ich will“ – ein Schlückchen Wodka aus der Taschenflasche dazu und schon bricht sich sein Herz über die Zunge Bahn. „Der Heiratsantrag“ des Junggesellen Iwan Lomow (André Zimmermann) an die Nachbarstochter Natalja Stepanowa (Kristin Schulze) gerät gründlich daneben. Stattdessen streiten sich die zwei erst einmal darüber, wem denn die Ochsenwiesen gehören. Jeder behauptet seinen Anspruch. Auch nachdem Nataljas Vater (Christian Schaefer) ihr verraten hat, dass ihr der Nachbar einen Heiratsantrag machen will, ändert sich das nicht. Schon streiten beide wieder wie ein altes Ehepaar, und da wird die vom Vater ersehnte Hochzeit wohl nur noch Formsache sein, registrieren die Zuschauer amüsiert. Zum Abschluss lassen Schauspieler und Frauenchor noch so manche bekannte russische Weise erklingen, das Publikum klatscht und summt angeregt mit.

Mit reichlich Applaus und Jubel danken die Zuschauer für diesen gelungenen russischen Abend. „So eine Inszenierung des russischen Sommers war schon mal fällig, und wir haben eine wunderbare Schauspielkunst erlebt“, sagte Birgit Wohlauf aus Liepe. Dem Theater 89 gebühre großes Lob, dass es eine so perfektionierte Kunst auf kleiner Bühne in die ländlichen Städte bringe. Kerstin Anderssohn aus Luckenwalde kennt das Theater schon aus seiner Zeit in Niedergörsdorf „und es passt gut hierher, zur Sommerabendstimmung an der Schlossruine“. Das ansprechende Ambiente ist für die Dahmenserin Ilona Jungmann ideal für diese Art des Theaters. „Ich habe absolute Hochachtung vor dieser Leistung – drei Stücke, vier Schauspieler und zwei Musiker – das war schon toll“, schwärmte sie. „Mit einem sehr fröhlichen Gefühl“ gingen Marina Hille aus Ihlow und Stephanie Richter aus Dahme nach Hause. „Es war ein sehr gelungener russischer Abend und alle Darsteller haben das mit Leidenschaft herübergebracht. Auch die Stimmen des Chores waren beeindruckend“, resümierten sie.

Für die Akteure des Theaters 89 ist es wichtig, „das Theater wieder an die Orte und zu den Menschen zurückzuführen, für die es ursprünglich gemacht wurde“, erläutert Matthias Zahlbaum. So sei ein unmittelbarer Kontakt zum Publikum möglich, und „wir erreichen damit auch Leute, die sonst nie in ein Theater gehen würden oder für die das nächste Theater zu weit entfernt ist.“