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| 01:31 Uhr

Sohn von Friedrich Wolf bei Premiere in Luckau

Thomas Naumann im Gespräch mit Akteuren der Luckauer Theatergruppe. Foto: Gudrun Driesen
Thomas Naumann im Gespräch mit Akteuren der Luckauer Theatergruppe. Foto: Gudrun Driesen FOTO: Gudrun Driesen
Luckau. Das Schauspielensemble „Chaos–Connection“ aus jungen Laiendarstellern hat im Luckauer Captitol das Theaterstück „Professor Mamlock“ von Friedrich Wolf aufgeführt. Der jüngste Sohn des Schriftstellers, der Physiker Professor Dr. Thomas Naumann (55), war Premierengast. Von Gudrun Driesen

Er ist überzeugter Demokrat und Hindenburg-Wähler, der jedoch an den zunehmenden Repressalien gegen die Juden zerbricht und Selbstmord begeht. Der Sohn des Autors, Thomas Naumann, hatte, um in Luckau dabei zu sein, einen wichtigen beruflichen Termin in Genf verschoben. Der Leiterin der Theatergruppe, Gabi Schönig, überreichte er Dokumentationen über die Entstehung dieses Werkes seines Vaters und eine Kopie des Defa-Films, der 1961 unter Regie seines älteren Bruders Konrad Wolf entstanden war. Jugendliche von 15 bis 17 Jahren von der Theatergruppe der Schule für Tanz, Theater und Musical entwickelten das Projekt, zu dem sie von der Landtagsabgeordneten Karin Weber (Linke) angeregt worden waren. Unterstützung und Fördermittel erhielten sie vom Aktionsbündnis gegen Heldengedenken und Naziaufmärsche in Halbe. Im vergangenen September begannen die Vorbereitungen und einen Monat später die Proben zu dem zweieinhalbstündigen Theaterstück. „Wir haben das Stück für Schulen der Region konzipiert, damit sie es für den Unterricht nutzen können“, so Gabi Schönig. Bisher sei die Resonanz allerdings noch gering, fügte sie an. Berührende Szene Thomas Naumann zeigte sich begeistert von der Leistung der jungen Akteure. Besonders eine Szene habe ihn ihn berührt, sagte er. Darin versuchte Ellen Mamlock, gespielt von der 16-jährigen Gabriele Guth ihrem Mann, sehr eindrucksvoll verkörpert von Tony Bollack (17), für die politischen Geschehnisse die Augen zu öffnen. „So könnte sich das Gespräch meiner arischen Mutter und meines jüdischen Vaters auch abgespielt haben“, sagte Naumann. Einen schwierigen Part hatte Ronny Jank (18) in der Rolle des Dr. Hellpach. Als SS-Mann isoliert er Mamlock im Kollegenkreis, treibt ihn aus der Klinik und letztlich in den Selbstmord. Das zu spielen, sei ihm schwer gefallen, erzählte Ronny Jank (18). „Es hat Überwindung gekostet, den Hitlergruß ins Publikum zu zeigen“, so der Gymnasiast. Schließlich sei sich jeder im Klaren, was in der NS-Zeit für Grausamkeiten stattgefunden haben. Für seine Darstellung bekam er viel Applaus. Erinnerungen geweckt Sehr berührt hat das Theaterstück auch Walter Kern, Jahrgang 1925, aus Münchehofe. „Mir hat das Stück gefallen. Vor allem, weil es von jungen Menschen gespielt wurde“, so der Senior. Es seien bei ihm die Erinnerungen aus seiner Kindheit von 1933 wieder wach geworden, als die Braunen Hausdurchsuchungen gemacht hätten und dabei nicht nur gegen Juden vorgegangen seien, sondern gegen alle, welche den Kampf gegen das drohende Unheil aufgenommen hatten. Die „Chaos–Connection“ will mit ihrem Stück im März zu den Schülerkleinkunsttagen nach Cottbus reisen. Zudem bestehe weiterhin das Angebot, es für hiesige Schulklassen zu spielen, sagte Gabi Schönig.