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| 18:07 Uhr

Kommunalwahl 2019
Golßens SPD ist der große Verlierer

 Auch viele Bewohner des Luckauer evangelischen Seniorenzentrum wollten sich am Sonntag trotz ihres hohen Alters am politischen Leben beteiligen. Sie haben die Briefwahl genutzt oder sind mit Angehörigen ins Wahllokal gefahren.  
Auch viele Bewohner des Luckauer evangelischen Seniorenzentrum wollten sich am Sonntag trotz ihres hohen Alters am politischen Leben beteiligen. Sie haben die Briefwahl genutzt oder sind mit Angehörigen ins Wahllokal gefahren.   FOTO: Frank Ratajczak
Region. UBL und AfD ziehen in Golßen erstmals ein. In Luckau lässt der Erfolg der Alternative das Stadtparlament schrumpfen. Von Carmen-Sylvia Berg und Anja Brautschek

Ein neuer Wind wird künftig durch die Stadtverordnetenversammlung von Golßen wehen. Die SPD – bislang mit absoluter Mehrheit führend gewesen – hat zur Kommunalwahl herbe Stimmenverluste einstecken müssen.

Laut vorläufigem Endergebnis hat die SPD 30,8 Prozent der Stimmen bekommen und verliert damit 26,6 Prozentpunkte im Vergleich zu 2014. Damit wird die SPD in Golßen künftig nur noch zweitstärkste Fraktion sein und beansprucht mit Daniela Maurer, Fred Arndt, Hartmut Laubisch, Steffen Glombitza und Annett Schmidt fünf Sitze im Stadtparlament. Dass die SPD gleich vier Sitze (von neun in 2014) abgeben muss, damit haben die Bewerber nicht gerechnet. „Wir haben im Vorfeld bewusst keine Prognosen aufgestellt, aber uns doch mehr gewünscht“, sagt SPD-Frontfrau Daniela Maurer. Sie hofft darauf, dass die Mitglieder sich künftig auf das gemeinsame Ziel besinnen: „Wir alle wollen etwas Gutes tun für die Stadt und die Bürger. Dafür wurden wir gewählt.“

Starke Verluste musste auch die CDU einstecken. Sie bekam 14,9 Prozent der Stimmen (2014 waren es 26,1 Prozent) und musste damit zwei Sitze an die neuen Fraktionen abgeben. Künftig wird die CDU mit Michael Bock und Claudia Gutsche vertreten sein.

Die Unabhängige Bürgerliste (UBL) ist erstmals für das Golßener Stadtparlament angetreten und hat auf Anhieb mit 32,2 Prozent der Stimmen den größten Zuspruch erhalten. Damit verfügen sie ebenfalls über fünf Sitze. Es ziehen ein: Jens Kolan, Ronny Schulz, Ronald Krüger, Ronny Broddack und Jonny Wehlisch. Ihr Ziel haben sie laut Spitzenkandidat Jens Kolan  mit diesem Ergebnis erreicht. „Es herrschte Stillstand, und den wollten wir aufsprengen. Künftig wird es belebte Diskussionen in Golßen geben“, sagt er. Eine Koalition könne er sich derzeit aber nicht vorstellen.

Zufrieden zeigt sich auch die Golßener AfD. Sie hat 22,1 Prozent der Stimmen gewonnen und zieht als drittstärkste Fraktion mit vier Sitzen (Vincent-Julian Fuchs, Hans-Christoph Bernd Ute Fuchs und Mathias Gregur) erstmals in die Stadtverordnetenversammlung Golßen ein. AfD-Kandidat Vincent-Julian Fuchs wird zugleich bei der Stichwahl am 16. Juni erneut um den Bürgermeister-Stuhl kämpfen.

Bei der Bürgermeister-Wahl konnte keiner der drei Bewerber die erforderliche absolute Mehrheit erreichen. Daniela Maurer (SPD), ein neues Gesicht auf der politischen Bühne, erzielte mit 39,2 Prozent der Stimmen das beste Ergebnis. Fuchs setzte sich mit 30,9 Prozent nur knapp gegen Mitbewerber Jens Kolan (29,9 Prozent) durch. Die beiden Politik-Newcomer trennen lediglich 13 Stimmen. Somit treten zur Stichwahl in drei Wochen die Kandidaten der SPD und AfD an.

In Luckau haben sich alle bislang vertretenen Parteien und Vereinigungen erneut platzieren können, wenngleich fast durchgängig mit Verlusten. Gewinner ist die AfD, die 8,2 Prozent Zuwachs und zwei statt vormals einem Sitz errang. Auch Bündnis 90/Die Grünen konnten 3,1 Prozentpunkte zulegen, bleiben aber bei einem Sitz. Als parteiloser Einzelbewerber schaffte Andreas Jahnke mit vier Prozent den Sprung ins Stadtparlament.

Die CDU als stärkste Kraft bekam 2466 Stimmen und damit 17,4 Prozent. Sie verlor 2,1 Prozentpunkte und einen ihrer vier Sitze. CDU-Spitzenmann Olaf Schulze holte 947 Stimmen.

Übertroffen wird er vom AfD-Bewerber Tobias-Gerd Winzer, der 1688 Stimmen einfuhr, was seiner Partei 11,9 Prozent und zwei Stadtverordnetensitze sicherte. Da Winzer allein auf der Liste der AfD kandidierte, bleibt der zweite Stuhl unbesetzt. „Das heißt, das neue Stadtparlament wird statt 18 nur 17 Abgeordnete haben“, erklärt Wahlleiterin Birgit Lehmann.

Es sei ein herber Schlag, wenn jemand, der vorher in der Stadtpolitik nicht in Erscheinung trat, so ein Ergebnis erziele, sagt Olaf Schulze mit Blick auf das AfD-Resultat, hinter dem er Protestwähler vermutet. Doch nun sei es so. „Und die großen Aufgaben, die mit Schule, Hort und Weiterem vor uns stehen, müssen wir trotzdem bewältigen“, sagt er. Neben Olaf Schulze ziehen für die CDU Matthias Müller und Siegfried Ernst ins Rathaus ein.

Von den 2130 Stimmen (15,1 Prozent) für die SPD konnte Spitzenmann Wolfgang Luchmann 828 und damit das drittbeste Einzelergebnis verbuchen. Mit ihm wurden Uta Tölpe und Cornelia Klinkmüller gewählt. Jeweils zwei Sitze werden Luckau-Land (13,6 Pozent) mit Heiko Terno und Thomas Brokmeier, die Unabhängige Wählergemeinschaft (12,7 Prozent) mit Petra Spruch und Sven Off, die FDP (8,7 Prozent) mit Christiane Zimmermann und Jens Graßmel sowie Die Linke (8,5 Prozent) mit Ursula Rothe und Hans Lamich einnehmen. Liberale und Linke hatten mit jeweils mehr als vier Prozentpunkten gegenüber 2014 die deutlichsten Verluste. Für Bündnis 90/Die Grünen (acht Prozent, ein Sitz) wurde Lothar Treder-Schmidt gewählt, Einzelbewerber Andreas Jahnke bekam 563 Stimmen.

 Logo Wahlen 2019
Logo Wahlen 2019 FOTO: LR / Janetzko, Katrin
 Stadtverordnetenversammlung Luckau
Stadtverordnetenversammlung Luckau FOTO: LR / Lehmann/lr
 Auch viele Bewohner des Luckauer evangelischen Seniorenzentrum wollten sich am Sonntag trotz ihres hohen Alters am politischen Leben beteiligen. Sie haben Briefwahl genutzt oder sind mit Angehörigen ins Wahllokal gefahren.
Auch viele Bewohner des Luckauer evangelischen Seniorenzentrum wollten sich am Sonntag trotz ihres hohen Alters am politischen Leben beteiligen. Sie haben Briefwahl genutzt oder sind mit Angehörigen ins Wahllokal gefahren. FOTO: Frank Ratajczak