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| 19:50 Uhr

Natur
Singende Schwäne in Schlabendorf

Mehre Hundert Singschwäne rasten im Heinz Sielmann Natur-Erlebniszentrum Wanninchen.
Mehre Hundert Singschwäne rasten im Heinz Sielmann Natur-Erlebniszentrum Wanninchen. FOTO: Ralf Donat
Luckau. Ralf Donat führt Besucher auf eine spannende Entdeckungsreise im Heinz Sielmann Natur-Erlebniszentrum Wanninchen. Die Singschwäne überwintern regelmäßig bei Luckau. Sie befinden sich in der Balz.

Auf den Feldern der Region sind in diesen Wochen immer wieder größere und kleinere Gruppen von Schwänen zu entdecken. Doch welche sind es, und wie lassen sie sich unterscheiden? Eine Exkursion des Heinz Sielmann Natur-Erlebniszentrums brachte Naturfreunden die imposanten Wintergäste nahe.

Es ist noch dunkel, als sie sich am frühen Morgen auf dem Parkplatz am Luckauer Laga-Park treffen. Am besten ließen sich die Singschwäne an ihren Schlafplätzen beobachten, erläutert Ralf Donat. Der Projektleiter des Natur-Erlebniszentrums kennt einige, und so dauert es nicht lange, bis der Kleinbus mit den Naturfreunden am Rande des Schlabendorfer Sees Halt macht. Ein Blick auf den See im Morgengrauen lässt mehrere weiße Vögel schwimmend vor einer kleinen Insel entdecken. Ferngläser, Stative und Spektive werden hervorgeholt, aufgestellt und montiert.

Aus der Nähe betrachtet bestätigt sich die Vermutung: Ja, es sind Singschwäne. Sie recken ihre Hälse, verfolgen genau, was am Ufer vor sich geht. Zwischen den Vögeln mit dem leuchtend weißen Gefieder schwimmen einige mit grauem Gefieder und dunklem Hals. „Das sind die Jungtiere, sie bleiben bei den Eltern, bis die nächste Brut beginnt“, erläutert der Naturexperte.

Lange wird das nicht mehr dauern. Denn gegenwärtig befinden sich die Tiere in der Balz. Das gibt Hoffnung, dass die Schwäne auch bald ihrem Namen gerecht werden und – singen. Zunächst jedoch dringen die Rufe von Goldammer und Wacholderdrossel an die Ohren der Naturfreunde. Dann lassen auch einige Singschwäne ihre langgezogenen Rufe hören. „Das hat uns vor allem interessiert, wie sich das anhört“, sagt Wolfgang Gräfe beeindruckt. Er ist mit seiner Frau Doris aus Senftenberg zur Exkursion gekommen. Vier Altvögel fliegen an einen anderen Platz im See. Ihre Rufe sind auch von dort aus noch gut zu hören. Im Unterschied zu den stärker verbreiteten Höckerschwänen fliegen sie lautlos. „Die Fluggeräusche machen die Höckerschwäne“, antwortet der Expeditionsleiter auf die Frage von Simone Berndt. Der Calauerin sind die Schwanen-Gruppen auf den Feldern schon oft aufgefallen. „Ich wollte einfach mehr darüber wissen. Ich liebe Schwäne, es sind schöne Tiere.“

Dass sich die Singschwäne an ihrem gelb gefärbten Schnabel gut erkennen lassen, während er bei den Höckerschwänen orangefarben ist und einen schwarzen Höcker trägt, benennt Ralf Donat als weiteres Unterscheidungsmerkmal.

Etwa seit dem Jahr 2000 überwintern die Singschwäne in der Region, weil sie mit dem Ansteigen des Grundwassers im einstigen Tagebaugebiet den passenden Lebensraum fanden. Rund 500 Tiere waren es im vergangenen Jahr. „Sie brauchen große Seen und die großflächige Landwirtschaft rundum bietet den Pflanzenfressern ein ausreichendes Nahrungsangebot.“ Ihre Brutgebiete lägen im hohen Norden von Island über Skandinavien bis in die russische Taiga und Tundra. Etwa ab Mitte April beginne die Brut mit einem Gelege aus vier bis sechs Eiern.

Während der Exkursion entdecken die Teilnehmer auf einem Feld zwischen Goßmar und Freesdorf noch eine große Gruppe Höckerschwäne. Zwischen 100 und 300 schätzen die Naturfreunde ihre Zahl. 248 Tiere zählt Ralf Donat und trägt die Beobachtung in die Statistik ein. Typisch für die Höckerschwäne sei auch, dass sie auf einem Rapsfeld stünden. Singschwäne bevorzugten mit Getreide bestellte Flächen, erfahren die Teilnehmer, während über die Schwäne hinweg Kranichgruppen ziehen.

„Dass wir von ihnen noch recht viele sehen, hätte ich nicht erwartet“, stellt Doris Gräfe erstaunt fest. Interessant war für sie auch, einen Singschwan „mit blauem Ring um den Hals zu sehen.“ Für Gerda Kalkbrenner aus Missen hat sich die Exkursion gelohnt. „Allein in die Natur zu gehen, macht für mich wenig Sinn, weil man die Beobachtungsplätze ja nicht findet. Es war schon etwas Außergewöhnliches, viel mehr Vögel als nur die Singschwäne hier zu erleben“, resümiert Gerda Kalkbrenner.

Die Naturfreunde beobachten die  Singschwäne auf dem Schlabendorfer See.
Die Naturfreunde beobachten die Singschwäne auf dem Schlabendorfer See. FOTO: Birgit Keilbach