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Singen macht Freude und hält fit

Seit 140 Jahren probt der Gesangverein "Frohsinn" Langengrassau am gleichen Ort, dem heutigen Gasthof "Zu den Linden".
Seit 140 Jahren probt der Gesangverein "Frohsinn" Langengrassau am gleichen Ort, dem heutigen Gasthof "Zu den Linden". FOTO: Birgit Keilbach/bkh1
Langengrassau. Langengrassauer Gesangverein "Frohsinn" 1877 blickt auf 140-jährige Tradition zurück. Geprobt wird immer noch am selben Ort wie vor 140 Jahren. Birgit Keilbach / bkh1

Wechselhafte Zeiten hat der Chor erlebt, doch eins hat sich nicht verändert: Bis heute treffen sich die Sängerinnen und Sänger am gleichen Ort zur Probe - in der Langengrassauer Gaststätte "Zu den Linden". Als klassischer Männerchor gegründet, verzeichnet die Chronik 1913 erstmals neun Mädchen unter den 25 Mitgliedern. "Damals mussten sich alle um die Mitgliedschaft bewerben", weiß Chronistin Hildegard Hedel. Heute zählt der Gesangverein 27 aktive Mitglieder, darunter fünf Männer. Der Altersdurchschnitt wächst, deshalb sind neue Mitstreiter willkommen. Jüngstes Mitglied ist mit 50 Jahren Klaus Bock.

Ilse Lehmann ist die dienstälteste Sängerin. Seit 65 Jahren gehört der Chor zu ihrem Leben. Im September 1952 wechselte sie mit mit weiteren Mädchen ihrer Klasse vom Schulchor zum Gesangverein. "Er hatte damals noch einen anderen Stellenwert im Dorfleben. Wir haben auch Theaterstücke aufgeführt und Programme zur Fastnacht und anderen Höhepunkten gestaltet", blickt Inge Lehmann zurück. Später schrieb sie selbst Texte für Sketche. "Singen ist Ausdruck von Lebensfreude und auch gut für die Gesundheit", erklärt die 78-Jährige. Sie moderiert die Auftritte des Klangkörpers und schreibt die passenden Texte dafür.

Mit 85 Jahren ist Käthe Bock das älteste Chormitglied und seit 62 Jahren dabei. Singen habe ihr schon als Kind "einfach Freude gemacht" und so habe sie nach ihrem Umzug nach Langengrassau recht schnell zum Gesangverein gefunden. "Volkslieder sind meine Welt, sie werden heute viel zu selten gesungen", sagt die Seniorin. Gern erinnert sie sich an die thematischen Programme in den 1970er und -80er Jahren. Lieder und Sketche führten die Sängerinnen und Sänger bei Betriebs- und Frauentagsfeiern auf. Besonders das Berlin-Programm "Solang noch untern Linden" sei sehr gefragt gewesen.

Bis heute bereichert der Klangkörper viele Höhepunkte im Dorf und der Gemeinde. Jährlich veranstaltet er in der Adventszeit ein Benefizkonzert für in Dahme betreute Tschernobylkinder in der Langengrassauer Kirche, oft mit einem befreundeten Chor gemeinsam. Langjährige Kontakte pflegen die Sängerinnen und Sänger zum Männergesangverein 1936 Schlieben, dem Männerchor 1846 Dahme/Mark sowie dem Chormix 71 Kittlitz.

1991 wurde der Chor zu einem eingetragenen Verein. Zwei Jahre später entstand mit dem Höllberglied eine Eigenproduktion zum ersten großen Fest auf dem Höllberghof. Inge Lehmann schrieb den Text, Chorleiter Uwe Kreuschner komponierte die Melodie. Er leitete den Chor von 1967 bis 2003. Vor fünf Jahren übernahm Renate Mattern diese Aufgabe. Rund 250 Lieder umfasst das Repertoire des Klangkörpers. Viele Volkslieder zu verschiedenen Jahreszeiten und klassische Chormusik zählen dazu. Aus diesem Fundus werden die verschiedenen Programme zusammen gestellt. Jedes Jahr kommen neue Lieder hinzu, auch moderne Sätze populärer Titel. "Über sieben Brücken" von Karat in einer Bearbeitung für Chormusik beispielsweise in diesem Jahr, ebenso "Alles hat seine Zeit" von Manfred Bühler.

"Chorsingen bedeutet Lebensqualität, die Gemeinschaft stärkt die Psyche und die Atemtechnik den gesamten Körper", erläutert Renate Mattern. Gerade in der heutigen Zeit, da Individualität immer stärker gefragt ist, biete der Chor jedem eine Gemeinschaft der Wertschätzung und Gegenseitigkeit. Andreas Hedel schätzt an den wöchentlichen Proben und Auftritten den Stressabbau. "Beim Singen wird der Kopf frei. Man kommt raus aus dem Alltag und kann auch mal dummes Zeug quatschen", sagt er augenzwinkernd. Und Lachen. Das kommt bei aller Ernsthaftigkeit nicht zu kurz. Schließlich steht ja Frohsinn schon im Namen.

Zum Thema:
gestaltet morgen die Festveranstaltung des Landkreises zum Auftakt der 24. Brandenburgischen Seniorenwoche in der Gaststätte Raunigk in Gehren mit.Probe ist donnerstags,19.30 Uhr, im Lokal "Zu den Linden" (Paulick) in Langengrassau. Mitstreiter sind willkommen.