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| 11:00 Uhr

Erfahrungsaustausch
Im Alter in die WG: Slawaer beeindruckt

Die polnischen Gäste haben viele Fragen an Beate Riek (l.), die Betreiberin des Hospital Luckau.
Die polnischen Gäste haben viele Fragen an Beate Riek (l.), die Betreiberin des Hospital Luckau. FOTO: LR / Carmen Berg
Luckau. Polnische Senioren besuchen Hospital Luckau und reden außerdem mit dem Bürgermeister über Digitalisierung. Von Carmen Berg

„Das Haus ist mehr als 700 Jahre alt?“ Die Gäste aus Slawa wollen das kaum glauben, als sie das so stilvoll wie modern wirkende „Hospital Luckau“ an der Lindenstraße besuchen. Das private Senioren-Wohn- und Pflegezentrum von Beate Riek ist eine Station im zweitägigen Programm, das der Luckauer Seniorenbeirat für den Seniorenverein der polnischen Partnerstadt vorbereitet hat.

Die Besuche hinüber und herbüer haben Tradition. Immer geht es dabei neben der Geselligkeit auch um den Austausch von Erfahrungen, wie der Vorsitzende des Luckauer Beirates, Horst Brodatzki, erklärt. „Wir stehen in Deutschland und in Polen vor ähnlichen Problemen“, sagt er. Eins davon: Die Menschen werden zwar immer älter, aber sie altern nicht gesünder. Der Bedarf an Pflegeplätzen wächst jährlich um zwei bis drei Prozent.

„Wir können schon jetzt nicht mehr jedem helfen, der das möchte. Unsere Plätze waren schnell belegt“, bestätigt Beate Riek.  Das „Hospital Luckau“ ist kein Altenheim im klassischen Sinne. Alle Angebote im Haus basieren auf der Grundlage der ambulanten Pflege. Es gibt neben einem ambulanten Dienst, der fast 100 Kunden zu Hause betreut, am Standort in Luckau eine Tages- und eine Nachtpflege sowie zwei Wohngemeinschaften mit zehn und neun Plätzen und in einem Hofgebäude sechs Wohnungen im betreuten Wohnen.

Eine Mieterin öffnet den Slawaern ihr privates Reich in der WG. „Ist das schön, so geschmackvoll“, sagt Irmtraut Wachocz, Sprecherin und Dolmetscherin der Slawaer Gruppe. Das helle, freundliche Zimmer mit dazugehörigem altersgerechten Bad ist mit eigenen Möbeln ausgestattet: bequeme Sitzgruppe, Flachbildfernseher, bunt gerahmte Familienfotos an der Wand. Selbstbestimmtheit sei ein Prinzip im Haus, erklärt Beate Rieck. Es wird gemeinsam eingekauft, gekocht, die Bewohner entscheiden auch darüber, was sie tagsüber unternehmen wollen.

Die polnischen Gäste haben viele Fragen. Sie erfahren, dass die Mieter für Wohnen und Rundum-Versorgung neben den Leistungen der Pflegekasse rund 1000 Euro monatlich zahlen, von ihren jeweiligen Hausärzten betreut werden und sich außerdem Fachpersonal vor Ort um die medizinischen Belange kümmert. Insgesamt 37 Mitarbeiter sind inzwischen für das „Hospital Luckau“ tätig, das im vergangenen Juli eröffnet wurde.

„Für uns ist das interessant, weil es so etwas bei uns nicht gibt“, sagt Irmtraut Wachocz. Slawa, mit 5000 Einwohnern so groß wie die Kernstadt Luckau, habe kein Altenpflegeheim. Heime gebe es nur in weiter entfernten, größeren Orten. Und auch dort sei die Vielfalt der möglichen Wohnformen für ältere Menschen nicht so groß. „Wir werden zu Hause berichten, was wir in Luckau gesehen haben“, sagt die Gruppen-Sprecherin.

Erzählen werden die Slawaer in ihrer Heimat außerdem von einer spanneden Gesprächsrunde mit Luckaus Bürgermeister Gerald Lehmann und seinem Stellvertreter Thomas Rohr. Es ging um die Digitalisierung und die aktive Teilhabe der Senioren an diesem Prozess. Unlängst hatte die Brandenburgische Technische Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg Teilnehmer der Generation 65plus für ein Projekt gesucht, bei dem die Wissenschaftler die Meinung der Senioren zu Chancen und Grenzen digitaler Lösungen im Gesundheitswesen erkunden wollen. „Es haben sich genügend Interessenten gemeldet“, freut sich Luckaus Beirats-Vorsitzender Horst Brodatzki. Irmtraut Wachocz erzählt, im Slawaer Seniorenverein sei die Digitalisierung bisher noch kein Thema gewesen. Doch das solle sich nun ändern.

Eher überraschend ist ein weiteres Gebiet, mit dem Luckau bei den Slawaern punkten kann: das Kahnfahren. Diesmal sind die polnischen Partner mit ihren Gastgebern im Spreewald gewesen. „Das war schön, aber nicht so schön wie vor einem Jahr die Kahnpartie in Luckau auf dem Stadtgraben“, gibt Irmtraut Wachocz die Meinung der Gruppe wieder. „Auch in Luckau war es auf dem Kahn idyllisch, trotzdem hat man etwas vom Stadtleben gesehen. Autos auf der Straße und Leute, die spazieren gehen.“