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| 12:13 Uhr

FFH-Schutzgebiet
Seltene Wacholderheide wächst

Die Wacholderheide bei Sellendorf ist dicht gewachsen. Sie ist die bedeutsamste Fläche dieser Art in Brandenburg.
Die Wacholderheide bei Sellendorf ist dicht gewachsen. Sie ist die bedeutsamste Fläche dieser Art in Brandenburg. FOTO: Anja Brautschek / LR
Sellendorf. Brandenburgs bedeutsamste Wacholderheide befindet sich bei Sellendorf. Von Anja Brautschek

Für den Laien ist das Gelände etwas unscheinbar und doch hat die Wacholderheide bei Sellendorf brandenburgweit eine hohe Bedeutung. Es ist die am besten erhaltene Fläche dieser Art. Aus diesem Grund soll das Gebiet weiter erhalten bleiben. Entsprechende Maßnahmen dafür sind nun im Rahmen der Natura 2000 Managementplanung entwickelt.

Insgesamt beträgt das Gelände rund 37 Hektar, verteilt auf zwei Flächen. Vor allem die meterhohen Wacholderbüsche ragen imposant in die Höhe. Einst in Brandenburg weit verbreitet, sind solche Gebiete heutzutage selten zu finden. „Die Fläche hat sich über die Jahre positiv entwickelt“ sagt Stephan Runge von LB Planer und Ingenieur, die mit der Maßnahmenplanung beauftragt sind. Von alten, hochgewachsenen Stämmen bis zu jungen Pflanzen sind alle Wachstumsstufen vertreten.

Möglich wird das vor allem durch die Beweidung mit Schafen. Zweimal im Jahr grasen etwa 30 Tiere auf der Fläche. Die Schafe fressen wohlschmeckende Pflanzen und Gräser, halten sich aber von den stacheligen Wacholderbüschen fern. „Die Schafbeweidung hat einen wesentlichen Anteil am Erhalt dieses Lebensraumes. Aus diesem Grund sollten wir das bewahren“, sagt Stephan Runge.

Den Bau eines wolfssicheren Zaunes sieht er deshalb als wichtigste Maßnahme. Bis zu sieben Wölfe haben heimische Jäger mittels Wildkamera bereits gesichtet. „Ohne diesen Zaun sind die Tiere einem beträchtlichem Risiko ausgesetzt. Das wäre ethisch nicht vertretbar“, sagt Steffen Hinze, Wolfsbeauftragter des Landes. Er schlägt eine mobile Elektrozaun-Vorrichtung vor. Diese würde das Land finanziell fördern. Planer und Mitarbeiter der Stiftung Naturschutfonds, die sich für die Erhaltung einmaliger Naturlebensräume in Brandenburg einsetzt, sehen eine langfristige Lösung durch einen fest instalierten Zaun. Er sei mit weniger Aufwand für den zuständigen Schäfer verbunden.

Die zweite, größere Fläche wird derzeit nicht von Schafen beweidet. Sie ist umgeben von einem Kiefernwald. Die hochwachsenden Pflanzen und Moose sollen deshalb regelmäßig per Hand ausgeharkt werden, damit die für diesen Lebensraum ebenfalls wichtigen Trockenrasenarten nicht von anderen Pflanzen verdrängt werden. „Perspektivisch wird auch dort eine Schafsbeweidung angestrebt. Mit einem mobilen, wolfssicheren Zaun wäre das möglich“, sagt Stephan Runge. Als weitere Maßnahme haben die Planer die Auslichtung des Kiefernbestandes festgesetzt.

Die Festlegung der Maßnahmen erfolgt in enger Abstimmung mit dem Eigentümer der beiden Flächen. „Er erkennt die Bedeutung dieses Gebietes und unterstützt uns. Das ist nicht überall so“, sagt Stephan Runge. Für den Erhalt von Naturschutzgebieten sei das Land Brandenburg zuständig. Es unterstützt die Eigentümer mit finanziellen Mitteln oder der Bereitstellung von Technik.

Doch nicht nur aus pflanzlicher Sicht ist das Gebiet schützenswert. Seit einiger Zeit hat sich dort auch die bedrohte Mopsfledermaus angesiedelt. Um sie zu schützen, sollen hohle oder tote Bäume nicht gefällt werden. Denn diese nurtzt die Mopsfeldermaus für ihre Wochenstube. „Wacholderheiden sind eben auch für Insekten und Vögel und andere Tiere bedeutsam“, erklärt er das Zusammenspiel.

Stephan Runge zeigt auf einen jungen Wacholderbusch, der sich auf natürlichem Wege ausbreitet hat.
Stephan Runge zeigt auf einen jungen Wacholderbusch, der sich auf natürlichem Wege ausbreitet hat. FOTO: anja brautschek / Medienhaus Lausitzer Rundschau